SpaceX-Mitarbeiter feiern bei einer Glockenzeremonie anlässlich des Börsengangs von SpaceX. Die Aktie startet mit einem Kursplus von elf Prozent. © Frank Franklin/dpa
New York – Elon Musk hebt ab: Beim größten Börsengang der Geschichte ging die Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX am Freitag mit einem Plus von gut elf Prozent in den Handel. Der erste Kurs wurde bei 150 Dollar festgestellt – nach einem Ausgabepreis von 135 Dollar. Zuvor war die Aktie kurz vor ihrem offiziellen Handelsstart an der US-Technologiebörse Nasdaq mit 175 Dollar indiziert worden. Musk wird damit zum ersten Menschen mit einem Billionenvermögen. Die Bewertung von SpaceX erreichte mit dem ersten Kurs knapp zwei Billionen Dollar.
Das unter anderem für seinen Satelliteninternet-Dienst Starlink bekannte SpaceX verkaufte rund 555,6 Millionen Aktien zum Ausgabepreis von 135 Dollar – und nahm damit 75 Milliarden Dollar (64,8 Mrd Euro) ein. Beim zuvor größten Börsengang hatte die saudi-arabische Ölfirma Aramco im Jahr 2019 gut 29 Milliarden Dollar eingenommen.
SpaceX war bereits zum Ausgabepreis mit 1,77 Billionen Dollar mehr wert als etwa der Facebook-Konzern Meta. Mit dem ersten Kurs gehört die Firma zu den wertvollsten US-Unternehmen – nach Nvidia, Apple, der Google-Mutter Alphabet, Microsoft und Amazon. Der vom KI-Boom beflügelte Chip-Spezialist Nvidia ist die Nummer eins mit aktuell knapp fünf Billionen Dollar.
Die reinen Geschäftszahlen von SpaceX stehen in krassem Kontrast zum Börsenwert – die Anleger zahlen eher für die Hoffnung auf künftige Erfolge. So gab es im vergangenen Jahr Verluste von rund 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar (gut 16 Milliarden Euro). Musk schürte zum Börsenstart weiter die Hoffnungen auf revolutionäre Projekte und stellte mögliche Missionen zum Mars und sogar jenseits des Sonnensystems in Aussicht. SpaceX wolle ganz normale Menschen zum Mond bringen, „zum Mars und letztlich darüber hinaus“, sagte Musk im SpaceX-Hauptquartier in Texas vor jubelnden Mitarbeitern. Sein Ziel sei es, „Star Trek Wirklichkeit werden zu lassen“.
In der Zukunft soll Künstliche Intelligenz das größte Geschäft sein – auch durch Rechenzentren im All. Die Idee dahinter ist, dass die Sonne dort viel Energie liefern kann. Skeptiker verweisen allerdings auf Probleme wie die erheblichen Aufbaukosten, eine trotz der niedrigen Temperaturen im All schwierige Kühlung sowie die Strahlung, die Schaltkreise beschädigen könne.
Im Börsenprospekt schätzte SpaceX den künftigen Gesamtmarkt für Künstliche Intelligenz inklusive Infrastruktur auf mehr als 26 Billionen Dollar – und führte das als eine Rechtfertigung für die hohe Bewertung an. Der New Yorker Wirtschaftsprofessor Aswath Damodaran, der als Bewertungsexperte bekannt ist, kritisierte das scharf. Als er die Zahl las, habe er gedacht, Musks Chatbot Grok habe den Prospekt geschrieben, „weil wir wissen, dass KI zu Halluzinationen neigt“, sagte er im TV-Sender CNBC.
Musk wird mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX behalten. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten. Zum Handelsdebüt sagte Musk unter anderem, er habe SpaceX bei der Gründung eine Erfolgschance von zehn Prozent gegeben.
Anders als bei vielen anderen Börsengängen legte SpaceX den Ausgabepreis von 135 Dollar vorab selbst fest. Üblicherweise nennen Unternehmen zunächst eine Spanne – und ermitteln den Preis dann basierend auf dem Interesse der Investoren.
Für frühe Geldgeber von SpaceX wird der Börsengang zu einem Geldregen. So hält die Investmentfirma Founders Fund von Musks langjährigem Weggefährten Peter Thiel laut dem Finanzdienst Bloomberg einen Anteil von etwa drei Prozent, der für rund 600 Millionen Dollar erworben worden sei. Die Beteiligung ist zum Ausgabepreis mehr als 50 Milliarden Dollar wert.