Münchner Feuerwache im All

von Redaktion

Wo brennt es? Und wie stark? Das zeigt die Satellitenüberwachung von Ororatech – hier am Beispiel von Waldbränden auf Rhodos. Das System ermittelt auch andere Wärmequellen wie fahrende Schiffe oder startende Raketen. © Ororatech

München – Dual Use ist zum geläufigen Begriff geworden, seit mit dem Überfall auf die Ukraine vermeintlich zivile Technik in russischen Drohnen gefunden wurde. Doch es gibt keine scharfe Trennung zwischen militärischen und zivilen Erfindungen. Viele militärische Anwendungen lassen sich zum Beispiel beim Katastrophenschutz gut einsetzen. Oder ein ziviles Projekt kann sich als nützlich für die Verteidigung erweisen. So ist es bei Ororatech: Das Münchner Unternehmen detektiert aus dem Orbit Waldbrände, die gerade erst ausbrechen. Schnelle Erkennung hilft, Schäden in Millionen- oder gar Milliardenhöhe zu verhindern.

Doch die Technik aus München-Giesing ist sicherheitsrelevant. „Infrarot ist ein idealer Sensor um Aktivität zu erfassen,“ sagte Vertriebschef Axel Roenneke bereits im April gegenüber unserer Zeitung. „Das bedeutet: Wenn man Brände erkennen kann, sieht man auch, wo Raketen starten oder auch wo Schiffe mit abgeschalteten Transponder fahren.“

Nun wird Ororatec Partner im Joint Venture RISS– Rheinmetall Iceye Space Solutions. Es wurde vom Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall und Iceye gegründet, einem finnischen Hersteller von Satelliten zur Erdbeobachtung. Iceye nutzt dabei eine spezielle Radartechnologie. Beide holten jetzt vier deutsche New-Space-Unternehmen als Partner an Bord. Neben Ororatech sind das Reflex Aerospace, die an Satellitenplattformen arbeiten, Constellr, ein Spezialist für Wärmebilder, und LiveEO, Experte für Infrastrukturüberwachung.

Alle Unternehmen bringen spezielle Fähigkeiten in das gemeinsame Joint Venture ein. Am nächsten sind sich dabei scheinbar die Infrarot-Spezialisten Ororatech und Constellr. Doch beide setzen ähnliche Technik unterschiedlich ein. Ororatech überwacht die Erde großflächig und in kurzen zeitlichen Abständen nach Brandherden. Constellr spürt dagegen im Detail geringste Temperaturunterschiede und deren Ursachen auf. Das können etwa Trockenheit in Anbaugebieten oder Stressreaktionen bei Schädlingsbefall sein.

Das ergänzt sich. „Mit unseren Wärmebildkameras erstellen wir kontinuierlich einen thermischen Fingerabdruck der Erde“, erklärt Martin Langer, Chef von Ororatech. „Vereinfacht gesagt, suchen wir mit unseren Sensoren nach Aktivitäten und Auffälligkeiten. Diese können anschließend mit weiteren Technologien genauer untersucht werden.“

Erst vor wenigen Wochen hatte Ororatech vier weitere Satelliten für das griechische Waldbrand-Frühwarnsystem ins All gebracht. Damit betreibt das Unternehmen 19 Satelliten im Orbit. In nur eineinhalb Jahren sollen es 100 Satelliten sein und jeden Ort der Erde im Halbstundentakt erfassen.

Die Zusammenarbeit deutet die Neuorientierung einer Branche an. Ein Rüstungsgigant mit jungen, kleinen, aber vor allem innovativen Unternehmen. Nur mit Panzern und Artillerie ist in internationalen Konflikten kein Blumentopf zu gewinnen. Man braucht mehr.

Gründliche Erdbeobachtung spielt eine entscheidende Rolle. „Europas Sicherheit hängt davon ab, was Europa sehen kann“, sagte Rafał Modrzewski, Mitbegründer von Iceeye. Die Zusammenarbeit zeige, wie deutsche und europäische Unternehmen gemeinsam souveräne Weltraum- und Aufklärungsfähigkeiten aufbauen können.

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