Frieden wäre „Wohltat“ für Wirtschaft

von Redaktion

In der Straße von Hormus saßen zuletzt immer noch etwa 2000 Schiffe fest, 46 davon mit etwa 1000 Besatzungsmitgliedern von deutschen Reedern. © Kamran Jebreili

Washington/Teheran – Der Ölpreis sackte um etwa fünf Prozent ab, der japanische Nikkei schoss rund fünf Prozent nach oben, der deutsche Dax eroberte zwischenzeitlich die 25.000 Punkte zurück und auch der amerikanische S&P 500 startete am Montag deutlich im Plus: Die Finanzmärkte reagierten weltweit mit Gewinnen auf das Abkommen zwischen dem Iran und den USA. Was dort genau geregelt ist und welche Fragen noch offen sind, war zunächst nicht im Detail bekannt. Doch allein dass die Straße von Hormus, durch die in Friedenszeiten ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels läuft, wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werden soll, reichte schon für gute Stimmung.

Wird Energie billiger, zieht der Konsum an

Das Kalkül: Fließt das Öl wieder, senkt das den Ölpreis. Das würde nicht nur Verbrauchern helfen, die derzeit an der Zapfsäule trotz Tankrabatt hohe Preise zahlen, sondern der Wirtschaft insgesamt, die ebenfalls unter hohen Energiepreisen leidet. Die Aussicht auf Frieden wertete Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank, daher als „Befreiungsschlag“. Niedrigere Energiekosten wären „eine Wohltat für die deutsche Wirtschaft. Unternehmen und Verbraucher könnten durchatmen.“ Ohne Energieschock könne sich die Inflation in Deutschland wieder bei 2,5 Prozent einpendeln, kalkulierte Sebastian Dullien von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. „Niedrigere Inflation bedeutet mehr Kaufkraft bei den Menschen in Deutschland.“ Müssen die Verbraucher weniger für Tanken, Heizen und Lebensmittel ausgeben, können sie mehr Geld in Konsum stecken, was die Wirtschaft trotz Strukturproblemen etwas anschieben könnte.

Dennoch bleiben Unsicherheiten. Ob der nun geschlossene erste Deal wirklich in ein Friedensabkommen mündet, ist längst nicht ausgemacht. „Der Teufel steckt im Detail“, warnen etwa die Analysten der LBBW. So wurde etwa die Frage nach dem iranischen Atomprogramm bisher ausgeklammert. Selbst nach einer Einigung könnte es zudem lange dauern, bis die Ölindustrie wieder anläuft und der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus fließt – immerhin sind dort offenbar Minen verlegt, die erst geräumt werden müssen.

„Selbst wenn die Meerenge von Hormus demnächst wieder befahrbar sein sollte, wird es Monate dauern, bis sich das Ölangebot wieder normalisiert“, sagte Joachim Nagel, Chef der Bundesbank, auf einer Veranstaltung in Frankfurt. „Zumal Produktionsstätten in der Region teilweise beschädigt oder außer Betrieb gesetzt wurden und Reserven kleiner werden.“ Da auch der Tankrabatt demnächst ausläuft, rechnet Nagel nicht mit einem schnellen Rückgang der Inflation. Ein weiteres Problem ist, dass viele Schiffe nach viereinhalb Monaten Iran-Krieg schlicht am falschen Ort sind: Hunderte sitzen noch im Persischen Golf fest, viele fahren inzwischen auf anderen Routen. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb, mit rund 100 bis 150 Schiffen in der Meerenge pro Tag, dürfte noch eine Weile dauern. Er gehe davon aus, dass die Öl- und Spritpreise weiter über dem Vorkrisenniveau bleiben werden, sagte Christian Küchen vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie. „Aber ich glaube, die Preisspitzen haben wir gesehen.“

Deutscher Dax fiel besonders stark

Nach dem Ausbruch des Iran-Krieges war der Ölpreis zwischenzeitlich von etwa 70 auf knapp 120 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. In den letzten Wochen haben die Energiepreise jedoch schon wieder etwas nachgegeben. Auch die Aktienmärkte kamen im Zuge des Krieges unter Druck – zumindest in bestimmten Teilen der Welt. So fiel der Dax laut einer Auswertung der Deutschen Bank von Kriegsbeginn bis vergangenen Freitag um fünf Prozent und der chinesische Hang Seng gab um sechs Prozent nach – China ist der Hauptabnehmer iranischen Öls. Der amerikanische S&P 500 legte dagegen trotz Krieg und Inflation um acht Prozent zu und die an der Nasdaq gelisteten Technologiewerte stiegen sogar um 14 Prozent.MIT MATERIAL VON DPA

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