Die Preise für Rohöl und Kraftstoff sind deutlich gesunken. Ökonomen monieren, dass ein Teil der Steuererleichterung bei den Ölkonzernen hängengeblieben ist. © Imago
München – Der in zwei Wochen auslaufende Tankrabatt ist nach Ansicht der Monopolkommission „zu einem großen Teil, aber nicht vollständig“ bei den Verbrauchern angekommen. In einer ersten Bilanz schätzt das unabhängige Beratergremium der Bundesregierung, dass von den 16,7 Cent Steuererleichterung pro Liter je nach Kraftstoff zwischen 15 und 16 Cent weitergegeben wurden. Von den insgesamt 1,6 Milliarden Euro der Steuersenkung kommen demnach 100 bis 200 Millionen nicht bei den Verbrauchern an.
Für die Auswertung verglichen die Experten der Monopolkommission die Spritpreise in Deutschland und Frankreich – sie schätzten die Lücke dabei nach eigenen Angaben konservativ.
Im Süden war Sprit besonders teuer
Auch das Münchner Ifo-Institut geht von einer unvollständigen Weitergabe aus. „Ein Teil der 1,6 Milliarden Euro, die der Tankrabatt den Staat gekostet hat, ist also bei den Mineralölkonzernen gelandet“, sagt Ifo-Experte Florian Neumeier. „Der Staat kann keine Preise diktieren und somit ist die Weitergabe einer solchen Maßnahme eben nicht gesichert.“ Der ADAC moniert „deutliche Wettbewerbsdefizite im Raffinerie- und Großhandelssektor“. Diese wirkten sich unmittelbar auf den Tankstellenmarkt aus und trieben die Preise.
Der Verband en2x betonte dagegen: „Die Steuersenkung wird in vollem Umfang an die Kundschaft weitergegeben. Wir haben vor, während und auch nach dem Tankrabatt einen intensiven Preiswettbewerb unter den 14.000 Tankstellen in Deutschland. Gäbe es den Tankrabatt nicht, wären Benzin und Diesel im Mai und Juni zu jedem Zeitpunkt um 17 Cent je Liter höher.“
Auffällig an den von der Monopolkommission ermittelten Zahlen ist, dass der Rabatt je nach Region unterschiedlich weitergegeben wurde. Im Nordwesten Deutschlands war der Preisrückgang demnach mit 16,7 bis 17,3 Cent am höchsten und im Osten mit 16 bis 16,4 Cent nur knapp unter der Steuersenkung. Im Süden ergab sich mit 13,3 bis 14,9 Cent allerdings eine deutlichere Lücke.
Insgesamt begrüßen Monopolkommission und Ifo, dass der Tankrabatt Ende des Monats ausläuft. Neben der unvollständigen Weitergabe sieht die Monopolkommission weitere Nachteile der Maßnahme: Sie sei teuer, entlaste überproportional Vielfahrende und Fahrzeuge mit hohem Verbrauch und dämpfe zudem das Preissignal, angesichts knappen Öls weniger davon zu verbrauchen.
Indes könnte das Angebot wieder steigen: Nach einer Einigung zwischen den USA und dem Iran sind die Ölpreise erstmals seit März unter 80 Dollar pro Barrel gefallen. Das kam auch bei den Verbrauchern an: Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Montags kostete ein Liter Diesel 1,816 Euro, wie der ADAC mitteilt. Das waren zwar nur 1,3 Cent weniger als am Vortag, es war aber bereits der siebte Tag mit Rückgängen in Folge. Superbenzin der Sorte E10 verbilligte sich um 0,9 Cent auf 1,868 Euro. Damit war Diesel am Montag nur noch 7 Cent pro Liter teurer als vor Kriegsbeginn, E10 um 9 Cent.
Experte: Heizölpreise wieder attraktiv
Auch die Preise für Heizöl sind bis gestern deutlich gefallen: Kunden in München zahlten gestern 1,07 Euro pro Liter (3000 Liter Bestellung). Das zeigen Daten des Vergleichsportals Heizoel24. Portal-Chef Oliver Klapschus sieht jetzt eine Chance: „Wer jetzt bei 1,05 Euro seine Jahresbestellung ordert, kauft wahrscheinlich nicht viel zu teuer ein, ist aber für den Winter sicher.“ Denn viel Luft sei nicht nach unten: „Wer will, kann auf einen Euro spekulieren. Hier wird dann aber eine massive Gegenbewegung einsetzen: Die Nachfrage wird drastisch steigen und die Händler werden ihre Margen wieder aufbauen. Die sind gerade noch im Keller.“ Man müsse bedenken: „Vor dem Iran-Krieg hat der Liter 90 Cent gekostet, in der Hochphase 1,40. Da haben wir schon viel erreicht.“ Ein weiterer Preisfall sei nicht garantiert. „Wir wissen nicht, wie weit die Preise noch fallen und ob der Frieden wirklich hält. Außerdem muss die Logistik wieder anlaufen und die Lager gefüllt werden“, so Klapschus.