Der Münchner Autobauer hat vor allem in China Probleme, hier bricht der Markt regelrecht ein. Das könnte Folgen für die Belegschaft haben. © IMAGO
München – Stabile Verkäufe, hohe Margen und großer Erfolg mit Elektro-Modellen: Lange galt BMW als Vorzeigeunternehmen unter den deutschen Autobauern. Nun ist die Autokrise aber auch in München angekommen. Wegen Absatzproblemen in China kassierte BMW am Dienstag überraschend seine Gewinnprognose (wir berichteten). Die Gewinnmarge soll 2026 nun auf ein bis drei Prozent sinken, die Verkaufszahlen niedriger als im Vorjahr ausfallen. BMW-Chef Milan Nedeljković stellte außerdem härtere Sparmaßnahmen in Aussicht: Angesichts der Probleme müsse BMW seine „Strukturen und Prozesse an die sich drastisch verschärfenden Marktbedingungen anpassen“, sagte der neue BMW-Chef. Dafür müsse man „laufende Maßnahmen nochmals deutlich intensivieren und beschleunigen.“
Betriebsvereinbarung schließt Kahlschlag aus
Konkret könnten im Rahmen des verschärften Sparkurses bis zu 7500 Stellen weltweit bei BMW wackeln. Zwar besteht beim Münchner Autobauer eine Betriebsvereinbarung zur Beschäftigungssicherung, wie der Konzern gegenüber unserer Zeitung betont. Das bedeutet: Großflächige Kündigungen und ein Kahlschlag beim Personal sind durch die Betriebsvereinbarung ausgeschlossen. Anders als bei manchen Konkurrenten ist diese Vereinbarung auch nicht zeitlich befristet. Dennoch „überprüfen wir unsere Strukturen und Kapazitäten kontinuierlich und passen sie vorausschauend an“, teilt der Dax-Konzern mit.
BMW verweist dabei auf Personalzahlen, die schon im März im Geschäftsbericht für das Jahr 2025 kommuniziert wurden. Dort wurde im Ausblick für das Jahr 2026 ein „leichter Rückgang“ der Mitarbeiter angepeilt. Der Terminus „leichter Rückgang“ bedeute im BMW-Jargon eine Spanne von ein bis 4,9 Prozent, bestätigte eine BMW-Sprecherin. Bei 154.540 Beschäftigten weltweit zum Jahreswechsel stünden demnach also maximal 7572 Jobs zur Disposition.
Möglich wäre der Stellenabbau über Programme wie Altersteilzeit und Vorruhestand sowie über die natürliche Fluktuation – also indem Stellen von Mitarbeitern nicht nachbesetzt werden, die in Rente gehen oder deren Verträge auslaufen. Wie viele Jobs BMW genau abbaut, ob die 7500 Stellen ausgeschöpft werden oder ob sogar weitere Maßnahmen nötig sind, ist aber unklar. „Noch ist nichts beschlossen“, sagte eine Sprecherin. Mögliche Programme zum Stellenabbau würden gegebenenfalls „zunächst intern und mit den Arbeitnehmervertretern beraten“. Zudem würden auch andere Sparpotenziale ausgenutzt, etwa bei der IT, bei Betriebsmitteln sowie bei Maschinen, die man erst später austausche als bisher üblich.
BMW-Schock reißt Autoaktien nach unten
Die Gewinnmeldung bei BMW versetzte auch Anlegern einen Schock. Am Mittwoch fiel die Aktie im frühen Handel zeitweise zweistellig, in den vergangenen sechs Monaten hat sie damit rund ein Drittel an Wert verloren. Auch andere Autowerte wurden mit nach unten gezogen. Die Anteile von Porsche, Volkswagen und Mercedes gehörten am Nachmittag mit zwei bis vier Prozent Minus zu den größten Verlierern im deutschen Aktienindex Dax.
Auslöser sind schlechte Verkäufe in China, wo der Automarkt um rund 20 Prozent zum Vorjahr eingebrochen ist. Zu Jahresbeginn wurden dort Förderungen für E-Autos gestrichen, was den Verkauf von Stromern belastetet. Durch die hohen Spritpreise kam nun der Absatz von Verbrennern massiv unter Druck. Das trifft auch andere Hersteller. So dürften die China-Probleme auch bei der Hauptversammlung von Volkswagen am Donnerstag ein großes Thema sein.ANDREAS HÖSS