Digitales Gehirn für Einsätzkräfte

von Redaktion

Co-Gründer Fabian Schmitt vor einem Flugsimulator, in dem die Technik von Hattec eingebunden ist. © Foto: Elias Jakob

Neubiberg – Bemannte Flugzeuge, Bodenstationen oder auch Fahrzeuge arbeiten mit Drohnen zusammen und revolutionieren das Kriegsgeschehen. Im Abwehrkampf der Ukraine zeichnet sich das ab. In Europa sollte das mit dem – gescheiterten – Luftkampfsystem FCAS erst spät Einzug halten. Und dem Bodenkampfsystem MGCS. Es könnte schneller gehen. Den entscheidenden Baustein gibt es bereits. Er ließe sich ohne komplette Neuentwicklung in bestehende militärische Hardware integrieren – auch im maritimen Bereich.

Der Anbieter ist Hattec aus Neubiberg – eine Ausgründung der dortigen Universität der Bundeswehr. Auf der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) in Berlin 2018 hatten sich Fabian Schmitt und Yannick Brand zur Gründung entschlossen. Acht Jahre später sind beide, die das Unternehmen nach wie vor gemeinsam leiten, mit Hattec als Anbieter auf der ILA vertreten.

„Man muss sich das ähnlich vorstellen wie Apple Car Play im Auto“, sagt Fabian Schmitt. Statt einer Onboard-Lösung, die sich von Modell zu Modell unterscheidet, hat man ein vertrautes System, das im Prinzip immer gleich aufgebaut wird. Bei Hattec ist die Basis kein Smartphone, das wäre einfach zu hacken.

Aber es gibt ein plattformunabhängiges Betriebssystem mit missionsbezogenen Apps. „Alle Beteiligten haben so das gleiche, gute Lagebild“, so Schmitt. So können koordinierte Aufklärungsmissionen durchgeführt werden, Rettungsaktionen oder Kampfeinsätze. Das Spektrum ist erweiterbar, Vernetzung ein entscheidender Vorteil.

Schmitt selbst, 40 Jahre alt, kommt aus dem Flugzeugbau. Er hat an der TU Braunschweig studiert, später in den USA Software unter anderem zur Cockpit-Automatisierung entwickelt, bevor er zur Bundeswehruni kam und sich dann selbstständig machte.

Die Einsätze können von stationären Stationen aus gesteuert werden. Aber auch von Flugzeugen, Landfahrzeugen oder Schiffen. Immer ist Künstliche Intelligenz an Bord, um etwa eine Flugzeugbesatzung zu entlasten. Sie hat ja mit dem Fliegen genug zu tun. Alle beteiligten Menschen sehen, was unbemannte Aufklärer entdecken, und wissen damit besser, was gerade zu tun ist. Sie bekommen auch einen Überblick über Erfolg oder Misserfolg.

Das Unternehmen Hattec hat inzwischen 75 Mitarbeiter. Und es hat die Gründung aus eigener Kraft gestemmt. 2024 ist ein erster Investor eingestiegen. Das HAT im Firmennamen ist das Kürzel für Human Autonomy Teaming‚ die Zusammenarbeit von Menschen mit selbststeuernden Maschinen.

Das gesamte System ist nicht auf Militär beschränkt. Der erste zahlende Kunde war eine Polizei-Hubschrauberstaffel. Denn bei Such- und Rettungsaktionen oder bei großflächigen Fahndungen ist koordinierte Zusammenarbeit der Schlüssel zum Erfolg.

Doch auch Einsätze im Katastrophenschutz sind möglich. Bei der Bergwacht oder zur Überwachung kritischer Infrastruktur. So lassen sich Pipelines, Unterseekabel, Energieversorgungssysteme oder Flughäfen besser schützen.

Schon vor Jahren hat man bei Airbus Defence mit der Idee gespielt, den Eurofighter schon vor FCAS zur Zusammenarbeit mit ganzen Drohnenschwärmen zu ertüchtigen. Das muss keine ferne Zukunftsvision sein.

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