Volkswagen auf einem steinigen Weg

von Redaktion

Bei VW in Wolfsburg gab es viel Kritik von Aktionären an Volkswagen. Selbst Vorstände sehen die Existenz des Konzerns gefährdet. © Julian Stratenschulte/dpa

Wolfsburg – Eine Personalie, die sonst vielleicht eher eine Randnotiz gewesen wäre, gewann auf der gestrigen virtuellen Hauptversammlung von VW an Bedeutung: Susanne Wiegand, erfolgreiche Ex-Renk-Chefin und eigentlich zur Wiederwahl als Aufsichtsrätin für den Wolfsburger Autogiganten vorgeschlagen, steht nicht zur Verfügung. „Sie war die einzige unabhängige Vertreterin im Aufsichtsrat“, kritisierte Tanja Bauer von Deka-Investment.

Wie personelle Verquickungen den Konzern belasten, wurde gleich anfangs deutlich: Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch musste als früherer Finanzvorstand unter Martin Winterkorn sein Einleitungs-Statement für dessen wichtigsten Punkt an seine Stellvertreterin Christiane Benner übergeben. Sie ist im Hauptberuf Vorsitzende der IG Metall. Da ging es um die Nachwirkungen des Abgasskandals – bei VW immer noch als „Diesel-Thematik“ schöngefärbt –, der auch nach über zehn Jahren juristisch nicht bewältigt ist.

Die Aufsichtsräte der Familien Porsche und Piëch und das Emirat Katar sind über die komplizierte Holding-Struktur oft befangen. Das Land Niedersachsen ist auch nicht wirklich unabhängig. Dennoch kämpfen die wenigen kleinen Stammaktionäre meist auf verlorenem Posten. Sie können kritisieren, ihre Zustimmung verweigern, finden sich aber bei den Abstimmungsergebnissen nur auf der zweiten Stelle hinter dem Komma wieder.

Ist VW auf dem Weg der Besserung? Oder werden die Probleme nur kosmetisch übertüncht? Die nach wie vor virtuelle Hauptversammlung des größten deutschen Autokonzerns brachte darüber letztlich keine Klarheit.

Deka-Vertreterin Bauer forderte ein „Geschäftsmodell, das eine verlässliche Rendite sicherstellt“. Janne Paul Werning von Union Investment kritisierte „massive Überkapazitäten und Ineffizienzen“. Und Hendrik Schmidt (DWS) räumte zwar „erste operative Fortschritte“ ein, vermisst allerdings eine „strukturelle Verbesserung“. Ulrich Hocker (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) nannte den Kurs der Aktie „unterirdisch“. Er entspreche nicht dem Wert des Unternehmens.

Konzernchef Oliver Blume räumte ein, dass die Risikolage „noch nie so hoch war“. Und er sagte auch, dass sie „sich weiter verschärfen“ werde. Dennoch strebt er bis 2030 eine Rendite von acht bis zehn Prozent an und will 30 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen. „Wir wollen bis 2030 weltweit der attraktivste Autohersteller sein“, sagte er. Die nächsten Jahre seien entscheidend. Und er sprach von „großen Chancen“.

2025 sei ein Jahr des Handelns gewesen, ein Jahr des Anpackens, des Lieferns. Viele wichtige Kennzahlen seien nahezu auf Vorjahresniveau. Allerdings sei der Gewinn eingebrochen. Ein Trostpflaster auch zur Sicherung der Boni für das Management, sollte ein gestiegener Cashflow (Zuwachs an liquiden Mitteln) sein. Den Kritikern fehlte der Glauben. Sie verwiesen auf verschobene Investitionen und ähnliche Tricksereien.

Blume will die Auto-Plattformen reduzieren, Überkapazitäten abbauen und Komplexität eingrenzen. Das allerdings beißt sich mit den Plänen, eine völlig eigene landesspezifische Modellpalette für China zu entwickeln. Und auch mit der Wiederbelebung der US-Marke Scout mit speziellen Autos für den dortigen Geschmack. „Drei getrennte Automobilwelten“ konstatiert Hocker. „Das gefährdet Skaleneffekte.“ „VW muss schlagkräftiger und effizienter werden“, fasste Union-Vertreter Werning seine Kritik zusammen.

Ob der Konzern die Kraft dazu hat? Einen Tag vor der Hauptversammlung wurde eine Meldung durchgestochen, dass sechs von neun Vorstandsmitgliedern VW in seiner Existenz gefährdet sehen. Drei sprachen nur von einer angespannten Lage. Die Umfrage war anonym. So musste keiner zu seiner Meinung stehen. Auch auf der Hauptversammlung war die negative Einschätzung nur von Kleinaktionärsvertretern zu hören.

Artikel 7 von 7