Wo die Deutschen Geld einsparen

von Redaktion

Kleidung und Essen gehen sind die Bereiche, in denen der Rotstift gerade besonders oft angesetzt wird. Die Deutschen achten aber auch auf Schnäppchen. © Smarterpix

Berlin – Die Dauerkrise in Deutschland drückt auf die Kauflaune der Bundesbürger. Viele Verbraucher drehen im Moment jeden Cent lieber zweimal um, bevor sie ihn ausgeben. Eine aktuelle Studie zeigt nun: Gespart wird in Deutschland vor allem bei Ausgaben für Konsumgüter und Freizeitaktivitäten. Konkret schränkt sich jeder Zweite bei Kleidung und Accessoires ein. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts Kantar im Auftrag des Preisvergleichsportals Idealo unter mehr als 2000 Erwachsenen. Etwa vier von zehn Befragten übten außerdem Verzicht bei Hobby- und Freizeitbedarf, Elektronik und Haushaltsartikeln. Auch bei Freizeitausgaben wird gespart, besonders beim Essengehen, bei Kino, Konzerten und Theater – etwas weniger bei Fitnessstudio oder Yoga.

Sparen bedeutet dabei allerdings nicht nur, dass die Deutschen weniger kaufen. Nur vier von zehn Konsumenten nutzen ihre Produkte länger. Zwei Drittel vergleichen dagegen Preise konsequenter, um Schnäppchen zu finden, mehr als die Hälfte ist auf der Jagd nach Sonderangeboten und Rabatten – und nutzt dabei auch Rabattmarken. Laut einer anderen Umfrage von Yougov entfiel ein Viertel des Umsatzes mit Artikeln des täglichen Bedarfs auf rabattierte Waren. Auch Eigenmarken und No-Name-Produkte stehen bei 41 Prozent öfter auf dem Einkaufszettel.

Den Einzelhandel schmerzt die Sparsamkeit der Kunden. Die Unternehmen hadern mit der Rabattflut. Je niedriger die Preise, desto weniger verdienen sie. „Die Kalkulationen gerade kleinerer und mittelständischer Händler stehen unter enormem Druck“, sagt Stefan Genth vom Handelsverband HDE. Profitieren können unter anderem asiatische Anbieter wie Temu und Shein. Laut einer Auswertung des Forschungsinstituts IW Consult im Auftrag des HDE setzen Temu und Shein dem deutschen Einzelhandel erheblich zu. Der Branche entgehen jährlich Umsätze in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

Auch Discounter erhalten durch das hohe Preisbewusstsein Rückenwind. Anbieter wie Action oder Woolworth übernehmen nach Angaben des Handelsforschungsinstituts IFH Köln in vielen Warengruppen zunehmend die Rolle des Fachhandels– insbesondere bei Do-it-yourself-Produkten, Saisonware, Deko sowie Schreib- und Spielwaren. Das hat Folgen: Jeder sechste Einzelhändler in Deutschland fürchtet laut Ifo-Institut um die Existenz, so viele wie nie zuvor. Die Zahl der Insolvenzen liegt nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Der Dekohändler Depot und die Baumarktkette Hellweg stellten kürzlich erneut Insolvenzanträge, die Fachmarktkette Hammer schloss alle Filialen.

Auch der Secondhand-Markt zählt zu den Gewinnern. Er wächst deutlich stärker als der Einzelhandel insgesamt. 2025 wurden in Deutschland mit Secondhand-Ware online 10,5 Milliarden Euro umgesetzt, 84 Prozent mehr als 2019. Besonders beliebt: Kleidung, Bücher, Möbel und Elektronikgeräte wie Smartphones und Tablets.

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