Konzernzentrale von Hochtief in Essen. © Fabian Strauch, dpa
Essen/Frankfurt – Der Baukonzern Hochtief hat in den über 150 Jahren seiner Geschichte viel errichtet: die erste Bosporusbrücke in Istanbul oder die Elbphilharmonie in Hamburg. Zuletzt machte Hochtief durch milliardenschwere Aufträge für den Bau von Rechenzentren von sich reden – der Aktienkurs geht seit Monaten steil nach oben.
Was passiert heute an der Frankfurter Börse?
Hochtief steigt heute in den Aktienindex Dax auf. Der Index wird aus den Kursen der 40 führenden börsennotierten Unternehmen in Deutschland errechnet. Die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx überprüft die Indizes der Dax-Familie vierteljährlich. Anfang Juni stellte sie fest: Hochtief gehört in den Dax. Das Unternehmen verdrängt dort den Volkswagen-Großaktionär Porsche SE.
Warum wird Hochtief in den Dax aufgenommen?
Der Aufstieg von Hochtief in den Dax kommt nach einem starken Lauf der Aktien in den vergangenen Monaten nicht überraschend. Das Essener Unternehmen profitiert massiv vom Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) – vor allem in den USA –, aber auch von milliardenschweren Infrastrukturprogrammen sowie steigenden Verteidigungsausgaben in vielen Ländern. Der Aktienkurs hat sich in fünf Jahren etwa versiebenfacht. Ein Börsenwert von rund 39 Milliarden Euro reicht für den Dax, auch wenn nur rund 20 Prozent der Hochtief-Aktien im Streubesitz sind. Die übrigen 80 Prozent liegen in den Händen des spanischen Bau- und Infrastrukturriesen ACS, der schon seit Mitte 2011 bei Hochtief das Sagen hat.
Was ändert sich jetzt durch die Aufnahme in den Dax?
Hochtief steigt zum ersten Mal in den Dax auf, die Aufnahme dürfte Einfluss auf den Aktienkurs haben. Denn Fonds, die Indizes real nachbilden, müssen jetzt entsprechend umschichten und umgewichten – das treibt die Nachfrage nach den Papieren.
Was macht Hochtief genau?
Die Hochtief AG in Essen ist die Konzernobergesellschaft für ein weltweit verzweigtes Geflecht von großen Baufirmen. Gebaut wird fast alles: Wolkenkratzer und Krankenhäuser, Straßen und Brücken, Tunnel und Flughäfen. Aber auch Anlagen für die Energiewende wie Solarparks, Rechenzentren, Bergbauanlagen und militärische Infrastruktur errichten die zu Hochtief gehörenden Unternehmen. Im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP) finanziert und betreibt Hochtief Projekte wie Schulen oder Autobahnen. Die ehemalige RWE-Tochter ist außerdem schon lange im Bau und Rückbau von Atomkraftwerken aktiv. Den größten Teil des Geschäfts macht der Baukonzern mit seinen Auslandstöchtern Turner (USA) und Cimic (Australien).
Was hat das Unternehmen in den nächsten Jahren vor?
Unternehmenschef Juan Santamaría Cases, der auch Vorstandschef von ACS ist, sieht Hochtief vor allem in Wachstumsbereichen wie Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung, Verteidigung sowie im Tech-Sektor gut positioniert. Ende März erreichte der Auftragsbestand einen Rekordwert von 79,3 Milliarden Euro.
Wer arbeitet bei Hochtief?
Ende 2025 beschäftigte der Konzern rund 61.500 Menschen, davon aber nur knapp 3700 in Deutschland. Die meisten Mitarbeiter wurden mit knapp 19.400 in Australien gezählt.