Was der digitale Euro kann

von Redaktion

Digitale Euros werden auf dem Handy gespeichert. Mit dieser elektronischen Geldbörse kann man dann sowohl online als auch im Geschäft bezahlen. Ohne Bankkonto lassen sich auch Geldbeträge von einem zum anderen schieben. © nomadsoul/Smarterpix

Straßburg – Es ist ein Mega-Projekt: die digitale Währung für den gesamten Euroraum. Sie wird Milliarden kosten, hat viele Vorteile, löst aber auch Bedenken aus. Viele befürchten, die Einführung wäre ein großer Schritt in Richtung Abschaffung des Bargeldes. Die Europäische Zentralbank und die Bundesbank weisen das entschieden zurück. Was man über den digitalen Euro wissen muss.

Was ist der digitale Euro?

Ein digitales Bargeld. Das Geld liegt also nicht auf einem Bankkonto oder in einem Aktiendepot, sondern im sogenannten digitalen Geldbeutel. Dieser Geldbeutel ist in der Praxis eine App auf dem Smartphone, in der die digitalen Euros gespeichert sind. Sie sind wie Scheine und Münzen sofort verfügbar, sogar ohne Internetverbindung.

Sollen Scheine und Münzen abgeschafft werden?

Nein. Die EZB will weiter Bargeld und digitale Euros ausgeben. Verbraucher können beides parallel nutzen.

Wie bekomme ich digitale Euros?

Wer eine Banking-App nutzt, kann das Geld dort vom Konto in den digitalen Geldbeutel verschieben. Für die Bank funktioniert das genauso, als hätte der Kontoinhaber das Geld an einem Automaten abgehoben. Verbraucher können sich außerdem digitale Euros hin- und herschicken, ganz ohne Bankkonto. Die EZB will eine Obergrenze für den digitalen Geldbeutel einführen. Sie will damit vermeiden, dass Kundinnen und Kunden digitale Euros horten und den Banken das Geld ausgeht.

Wo kann ich damit bezahlen?

In fast allen Geschäften und im Internet. Alle Händler, die Kartenzahlungen akzeptieren, sollen auch digitale Euros annehmen. Auch bei Online-Bestellungen sollen sie standardmäßig als Zahlungsmittel möglich sein.

Bezahlen wir nicht schon häufig digital?

Ja, aber normalerweise ist ein Drittanbieter im Spiel. Bei Kredit- und Debitkarten sind das häufig die US-Anbieter Visa und Mastercard, bei Online-Zahlungen Dienstleister wie Paypal oder Klarna, die Daten der Nutzer sammeln. Digitale Euros würden – wie Bargeld – direkt von der EZB ausgegeben. Die EU will damit unabhängiger von US-Dienstleistern werden.

Was passiert beim digitalen Euro mit meinen Daten?

Die EZB verspricht, dass beim Offline-Bezahlen keine Daten gespeichert werden. Beim Online-Bezahlen hätte die Zentralbank nach eigenen Angaben nur Zugriff auf anonymisierte Daten. Anders als private Finanzdienstleister darf die EZB keine Daten für geschäftliche Zwecke nutzen. Banken und Ermittlungsbehörden dürften – wie heute schon – eingreifen, wenn ein Verdacht der Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung besteht. Das Europaparlament und der Rat der 27 EU-Staaten müssen die Datenschutzregeln aber noch im Detail aushandeln.

Wie teuer wird die Einführung?

Nach Schätzungen der EZB belaufen sich die Investitionskosten für Europas Banken über einen Zeitraum von vier Jahren auf vier bis 5,77 Milliarden Euro. Die einmaligen Entwicklungskosten für die EZB und die nationalen Notenbanken werden auf 1,3 Milliarden Euro beziffert.

Ist der digitale Euro eine Kryptowährung?

Nein. Ein digitaler Euro wäre von der EZB abgesichert und damit immer genau einen Euro wert – anders als Kryptowährungen, die nicht zentral verwaltet werden und deren Kurs oft schwankt. Digitale Euros sind außerdem ohne Internetverbindung verfügbar.

Wann will die EZB den digitalen Euro einführen?

Das kommt darauf an, wie schnell die Verhandlungen vorankommen. Die EZB bereitet sich nach eigenen Angaben darauf vor, ab 2029 die ersten digitalen Euros ausgeben zu können. Die erforderlichen Rechtsvorschriften sollen den Plänen nach noch heuer verabschiedet werden.

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