„Zurück zur 40-Stunden-Woche“

von Redaktion

Mercedes-Manager: Länger arbeiten zumutbar – Klingbeil kontert beim BDI

Berlin – Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hat eine Diskussion über Arbeitskosten in Deutschland gefordert. Es sei zumutbar, wieder länger zu arbeiten. „Wir sollten ernsthaft die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche angehen“, sagte Brudermüller dem „Handelsblatt“. In der deutschen Autoindustrie ist bei den tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard. Gesetzlich verpflichtend ist sie nicht. Im Herbst steht in der Branche die nächste Tarifrunde an.

Arbeit sei in Deutschland zu teuer. „Einen Produktivitätsvorteil gegenüber wichtigen Wettbewerbern haben wir nicht mehr“, sagte Brudermüller. „Es gibt zwei Stellschrauben. Entweder Sie kürzen die Gehälter oder es wird länger gearbeitet für das gleiche Gehalt“, sagte der Ex-Chef des Chemiekonzerns BASF. Ersteres sei in der Praxis nicht zumutbar. Über eine längere Lebensarbeitszeit sagte Brudermüller, dass angesichts älter werdender Menschen der wirtschaftliche Verstand sage, „dass unser System ohne längere Arbeitszeit in sich nicht finanzierbar ist“. Länger zu arbeiten, leiste einen Beitrag, im Alter gesund und aktiv zu bleiben. Und: „Arbeit gibt den Menschen außerdem Struktur, Teilhabe und Sinn im Leben.“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet nur noch mit 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr und fordert von der Bundesregierung einen „entschlosseneren wirtschaftspolitischen Reformkurs“. Gefragt sei ein „umfassender Ansatz“, sagte BDI-Präsident Peter Leibinger bei der Eröffnung des Tags der Industrie. „Wir brauchen mehr als ein Puzzle aus einzelnen Reformen.“ Zu Jahresbeginn hatte der BDI noch ein Wachstum von einem Prozent erwartet. Hohe Energiepriese, aber auch „hohe Steuern, hohe Lohnstückkosten, hohe Lohnzusatzkosten und eine ausgeuferte Bürokratie“ belasteten den Standort. „Die Lage der deutschen Industrie ist kritisch“, konstatierte Leibinger. „Kritisch heißt aber nicht hoffnungslos“, kritisch heiße, „dass es jetzt auf Entscheidungen ankommt“.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte vor den Industrievertretern, er werde schon sehr bald Bürokratie abbauen. „Die Devise ist: Kontrolle runter, Haftung hoch. Wer dann gegen Regeln verstößt, wird das umso schärfer spüren.“ Zudem habe man eine Gesundheitsreform vorgestellt und arbeite an Reformen zu Pflege und Rente. „Es sind drei große Reformpakete, wo ich Ihnen sage, da ist die letzten 20 Jahre zu wenig passiert.“ Beim Reformkurs erwarte er aber auch eine gewisse gesellschaftliche Geschlossenheit. „Jeder Vorschlag, den ich mache, wird am nächsten Tag erstmal von zig Interessensgruppen wieder zurückgewiesen, abgelehnt, in den Boden gestampft“, kritisierte der Finanzminister.

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