Oberbayern fehlen bald 80.000 Fachkräfte

von Redaktion

Trotz konjunktureller Schwäche wird sich der Fachkräftemangel weiter zuspitzen, prognostiziert eine Studie (das Bild zeigt die Produktion von BMW in München). © IMAGO (Archiv)

München – Die Generation der Baby-Boomer geht in Rente – gleichzeitig fehlt es an Nachwuchs. Die Folge: Der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren drastisch zuspitzen. Im Freistaat trifft das vor allem Oberbayern, wie aus einer gestern in München veröffentlichten Prognos-Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hervorgeht. „Das Angebot geht stärker zurück als die Nachfrage, sodass die Fachkräftelücke in der Region von 68.350 Personen im Jahr 2025 auf 80.250 Personen im Jahr 2035 wachsen wird“, heißt es. Besonders rapide wird sich die Lage laut der Studie zwischen den Jahren 2029 und 2035 verschlechtern. „Damit ist Oberbayern die vom Fachkräftemangel am stärksten betroffene Region in Bayern“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der vbw, Bertram Brossardt.

Die ländlichen Kreise sind den Daten zufolge am stärksten betroffen. Demnach sinkt das Arbeitskräfteangebot am stärksten in den Kreisen Garmisch-Partenkirchen mit einem Minus von 5,5 Prozent, Altötting mit einem Minus von 5,3 und Weilheim-Schongau mit einem Minus von 5,2 Prozent. Deutlich besser sei die Lage im Landkreis Dachau mit einem Minus von 0,6 Prozent. Das sei der Nähe zu München geschuldet, sagte Brossardt, denn für die Landeshauptstadt München werde ebenfalls eine günstige Entwicklung des Arbeitskräfteangebots erwartet, genauso in angrenzenden Regionen wie Ebersberg oder im etwas weiter entfernten Landshut. Viele Jugendliche ziehe es nach wie vor in die Metropolregionen, sagte Brossardt.

Vor drei Jahren gingen die Prognos-Experten davon aus, dass in Oberbayern im Jahr 2035 rund 106.000 Fachkräfte fehlen – gut 25.000 mehr als in der jüngsten Studie vorausberechnet. Das Schrumpfen der Fachkräftelücke sei der angespannten konjunkturellen Lage geschuldet, sagte Brossardt. „Die Fachkräftelücke wird kleiner, der Fachkräftemangel besteht weiter“, sagte Brossardt.

Aus seiner Sicht besteht dringender Handlungsbedarf. Eine Möglichkeit sei eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Älteren. Am Dienstag hatte die Rentenkommission der Bundesregierung unter anderem ein Renteneintrittsalter über der Grenze von 67 Jahren vorgeschlagen. Außerdem solle der vorzeitige Renteneintritt („Rente mit 63“) abgeschafft werden. Brossardt sagte, er begrüße die Vorschläge zu längerem Arbeiten. Würden die Pläne der Kommission eins zu eins umgesetzt, rechnet er mit einem positiven Effekt auf die Fachkräftelücke – unklar sei, wann dieser Effekt eintrete.

Lindern ließe sich der Fachkräftemangel auch durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Teilzeitbeschäftigten – in Deutschland sind das hauptsächlich Frauen. Brossardt forderte, den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur für Kinder voranzutreiben. Auch verlangte der vbw-Chef mehr Flexibilität: „Die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden muss abgeschafft werden, zugunsten einer durchschnittlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden.“

Neben der „Aktivierung des inländischen Arbeitskräftepotenzials“ brauche es ergänzend gezielte Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland. „Geflüchtete mit Bleibeperspektive müssen noch rascher und effektiver in den Arbeitsmarkt integriert werden“, sagte Brossardt. „Wer nach Bayern kommt und hier arbeitet, der ist ein guter Bayer.“

Artikel 2 von 6