Die Passagiere sollen sich im Auto entspannt autonom umherfahren lassen. © Google
Bei Waymo sitzt kein Taxifahrer hinter dem Steuer. Stattdessen überwachen Kameras und Sensoren den Verkehr und steuern das Auto. © IMAGO/Justin Ng
München – Die Robotaxi-Firma Waymo kommt offenbar nach München. Die Google-Tochter hat beim Amtsgericht München eine deutsche Gesellschaft eintragen lassen, wie die „FAZ“ berichtet. Deren Zweck: das „Anbieten von Fahrdienstleistungen mit autonomen Fahrzeugen“. Für den Testbetrieb sucht sie auch Fahrer für München und Berlin, die überwachen, wie sich die Robotaxis im Verkehr bewegen. Damit versucht ein weiterer Konzern, selbstfahrende Taxis auf die Straßen der Landeshauptstadt zu schicken. Anfang Juni hatten der Fahrdienst Uber, der Chiphersteller Nvidia und das Start-up Autobrains angekündigt, bald fahrerlos in der Isar-Metropole unterwegs zu sein.
Robotaxis gibt es bisher vor allem in Asien und den USA. In China sind sie bereits in vielen Städten etabliert, darunter in Peking, Wuhan, Shanghai oder Guangzhou. Die Baidu-Tochter Apollo Go soll bereits Millionen Fahrten im dichten Verkehr der Megametropolen absolviert haben, auch Pony.ai ist in China stark vertreten. Waymo ist bisher in den USA aktiv, etwa in San Francisco, Los Angeles oder Atlanta. In Bundesstaaten wie Texas drängen zudem auch Tesla und Zoox in den Markt. In Europa gibt es dagegen bisher so gut wie keine Robotaxis. Nur in London, Barcelona und Paris laufen erste Vorbereitungen und Tests.
Dass die Branche nun verstärkt auf München setzt, ist für Ernst-Benedikt Riehle kein Zufall. „Der Markt hier ist extrem attraktiv für die Anbieter“, sagt der Fachreferent für Mobilität der IHK für München und Oberbayern. „München wächst, hier herrscht ein technikaffines Klima und der Verkehr ist dicht.“ Zudem ist die Metropole seit Kurzem Modellregion für autonomes Fahren in Deutschland, wobei der Schwerpunkt dabei auf Güterverkehr und öffentlichem Nahverkehr liegt. „Dass es die Robotaxi-Firmen nach Bayern zieht, hängt mit der Modellregion also nicht direkt zusammen“, sagt Riehle.
In der Stadt ist man offen für die neue Technik und sieht sie neben dem ÖPNV als eine von mehreren Optionen, um Verkehrs- und Parkplatzprobleme zu lösen. „Robotaxis haben das theoretische Potenzial, langfristig den privaten Autobesitz zu reduzieren, da sie Menschen, die den ÖPNV nicht nutzen wollen, eine Alternative zum eigenen Auto anbieten und die Erreichbarkeit erhöhen“, sagte eine Sprecherin des Mobilitätsreferats unserer Zeitung. Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes biete autonomes Fahren für den Verkehr „großes Verbesserungspotenzial, wenn die Technik sinnvoll eingesetzt wird.“
Doch es gibt ein Problem: Noch dürfen Robotaxis in Deutschland keine Personen gegen Geld befördern. „Das deutsche Personenbeförderungsgesetz kennt autonome Taxis schlicht nicht“, sagt IHK-Experte Riehle. Das bestätigt auch die Stadt München, die zudem auf ein juristisches Wirrwarr verweist. Die Stadt erteile lediglich die Genehmigungen für Taxis und Mietwägen, so die Sprecherin des Referats. Die Zulassung für autonomes Fahren nach Level 4 müsse beim Kraftfahrtbundesamt und speziell für München bei der Landesbaudirektion beantragt werden. Selbst dann seien bisher aber nur Tests und keine kommerziellen Angebote möglich. „Daher dürfen für die Fahrten keine Entgelte verlangt werden“, erklärte sie. „Eine abschließende Aussage über die Form der Genehmigung lässt sich daher zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht treffen.“
Ein Schwebezustand also, der so nicht bleiben kann. Immerhin wollen Waymo oder Uber ihre Taxis fahrerlos, aber nicht kostenlos fahren lassen. Dessen ist man sich auch in München, Bayern und im Bund bewusst – und will zeitnah einen Rechtsrahmen schaffen. Eine Möglichkeit wäre das Treffen der Verkehrsminister der Länder im Herbst, wo sich die Minister offenbar mit dem Thema beschäftigen werden. Das werde auch Zeit, sagt IHK-Experte Riehle. „Deutschland will beim autonomen Fahren Leitmarkt sein, deshalb muss man nun endlich aktiv werden.“
Das müssen auch die Anbieter der Robotaxis tätig werden, etwa die Initiative von Uber, Nvidia und dem Start-up Autobrains, an dem der Risikofonds von BMW beteiligt ist. Sie will zwar schon 2027 mit dem autonomen Fahrdienst in München starten, wie sie vor drei Wochen in Taipeh angekündigt hat. Beim Mobilitätsreferat weiß man davon augenscheinlich aber nur aus der Presse. Genehmigungsanträge seien bisher nicht eingereicht worden.