Virtuelles Kraftwerk aus München

von Redaktion

Schlüsseltechnologie für die Energiewende: Auch beim Großspeicher von Green Flexibility in Immenstadt ist das Münchner Unternehmen dabei. © Green Flexibility

München – Wenn viele Kleine sich zusammentun, kann daraus etwas Großes werden. Wenn kleine Energieerzeuger und -speicher gemeinsam agieren, spricht man von virtuellen Kraftwerken. Das Münchner Unternehmen Entrix agiert als entsprechender Dienstleister für größere Batteriespeicher. „Wir haben mehr als drei Gigawatt unter Vertrag“, sagt Steffen Schülzchen. Eine ganze Menge – nicht nur im Bereich der Erneuerbaren.

Zum Vergleich: Isar 2, das stärkste deutsche Kernkraftwerk, kam auf 1,39 Gigawatt. Und die drei Gigawatt sind längst nicht das Ende der Fahnenstange. Selbst wenn Deutschland bei den Erneuerbaren Energien auf die Bremse steigt, stehen anderswo die Zeichen auf Wachstum.

Deutschland, Polen, Spanien, Portugal, Italien sind die Länder, auf die Schülzchen zunächst setzt. Überall werden Erneuerbare Energien ausgebaut. Und eine Schlüsseltechnologie für deren Einbindung sind Batteriespeicher. Nicht nur weil sie zu viel produzierten Strom aufnehmen können, um ihn bei Mangel wieder abzugeben. Große Batteriespeicher können dazu beitragen, dass die Netze stabil bleiben.

Wird mehr Energie ins Netz eingespeist, als gerade benötigt wird, steigt die Frequenz, die bei exakt 50 Hertz liegen muss. Umgekehrt sinkt sie bei einem Mangel. In der Vergangenheit waren es rotierende Kraftwerksturbinen, die durch ihre Trägheit für einige Sekunden für Stabilität sorgten. Diese Zeit nutzt man. Denn über längere Zeiträume können Kraftwerke in drei zeitlichen Abstufungen gezielt mit sogenannter Regelenergie gegensteuern.

Weil viele dieser Kraftwerke und damit die Turbinen vom Netz genommen werden, fällt dieser wünschenswerte Effekt zunehmend weg. Ersatz bieten Großbatterien, die mit speziellen netzbildenden Wechselrichtern ausgestattet sind. Sie können die Momentanreserve übernehmen und zudem ebenfalls Regelenergie zur Verfügung stellen.

Wer diese oder Regelleistungen anbietet, kann damit Geld verdienen – wenn er den Zuschlag bekommt. In regelmäßigen Auktionen, zum Teil täglich, zum Teil alle paar Minuten, werden die günstigsten Anbieter ermittelt. Ein für viele Anlagen interessanter Zuverdienst.

Dabei ist es nicht leicht, für die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten von Batterien das aktuelle Optimum zu ermitteln und umzusetzen. Diese Steuerung übernimmt, vollständig automatisiert per Software und Künstlicher Intelligenz, das Münchner Unternehmen für seine Partner.

Haupteinnahmequelle für Batteriespeicher sind aber die Preisschwankungen an der Strombörse. Gibt es gewaltige Überschüsse, sinkt der Preis bis in den negativen Bereich. Dann werden die Speicher geladen. Steigt die Nachfrage über das Angebot und damit auch der Preis, wird eingespeist. Entrix verfolgt die Börsenstrompreise in Echtzeit und hilft dabei, diese möglichst zu nutzen.

In den fünf Jahren seit der Gründung hat das Unternehmen ein stürmisches Wachstumstempo hingelegt. Beim Start waren es mit Steffen Schülzchen fünf Leute. Inzwischen sind es 120 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon für Forschung und Entwicklung. Und es will weiter zulegen. „Wir investieren in Wachstum“, sagt Gründer Schülzchen. Denn die Potenziale der interessantesten Märkte in Europa sind bisher nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft.

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