Baywa: Es geht um eine Milliarde

von Redaktion

Ampel auf Rot? Bei den Baywa-Verhandlungen zur Anpassung des Sanierungsplans muss es noch heute eine Einigung geben. © Marcus Schlaf

München – Bei der angeschlagenen Baywa läuft am heutigen Dienstag um Mitternacht die Frist für eine Nachverhandlung des Sanierungsfahrplans aus. Dabei soll nach anfänglichen Differenzen und harten Verhandlungen eine Einigung greifbar sein, wie unsere Zeitung aus Verhandlungskreisen erfuhr. Demnach sollen die Baywa-Gläubiger und Banken auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag ihrer Forderungen an den Agrarriesen verzichten. Wie viel genau, hänge vom Geschäft und der Schuldenlast der Baywa im Jahr 2028 ab, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Derzeit kursieren mehrere Zahlen. Insgesamt könnte der Schuldenschnitt 900 Millionen beziehungsweise bis zu einer Milliarde Euro betragen.

Sicherheiten von den Anteilseignern

Im Gegenzug sollen die genossenschaftlichen Hauptaktionäre, die bereits weit über 500 Millionen Euro zur Rettung der Baywa beigesteuert haben, sich noch stärker an der Stabilisierung des Konzerns beteiligen. Werde 2028 tatsächlich eine große Finanzlücke ermittelt, sollen die genossenschaftlichen Ankeraktionäre frisches Kapital zur Verfügung stellen oder ihre Anteile als Sicherheit für die Gläubiger in einer Treuhandgesellschaft hinterlegen, so Insider. Im Moment sei das aber noch nicht nötig. Ziel sei es, das Schuldenniveau der Baywa bis 2030 auf ein „tragbares“ Niveau zu senken.

Die Baywa war nach einem schuldenfinanzierten Expansionskurs unter Ex-Chef Klaus Josef Lutz 2024 knapp an der Pleite vorbeigeschlittert. Nachdem die Insolvenz abgewendet war, einigten sich Gläubiger und Aktionäre Mitte 2025 auf einen langfristigen Sanierungsplan für das Unternehmen, in dessen Rahmen bis 2028 vier Milliarden Euro an Schulden abgebaut werden sollten. Das sollte neben Sparmaßnahmen und Stellenabbau vor allem durch Verkäufe von Unternehmensteilen erreicht werden, insbesondere durch die Veräußerung der Baywa r.e. Dieser Plan muss nun wegen einer Schieflage der Baywa r.e. nachgebessert werden, wie am Jahresanfang bekannt wurde. Ursprünglich waren für den Verkauf der auf Erneuerbare Energien spezialisierten Tochter 1,7 Milliarden Euro einkalkuliert, was jedoch nicht mehr als realistisch gilt. Die Beteiligung hat große Probleme mit ihren Wind- und Solarparks in den USA – unter anderem, weil US-Präsident Donald Trump Subventionen für solche Projekte gestrichen hat.

Weil das Geschäft der Baywa r.e. insgesamt schlecht läuft, soll sie außerdem bilanziell von der Baywa gelöst werden, berichtet das „Handelsblatt“. Das hatte auch der Baywa-Vorstand um Chef-Sanierer Michael Baur immer wieder gefordert. Die Baywa r.e., die in einer abgetrennten Sanierung steckt, hatte Verluste oft erst spät oder scheibchenweise eingeräumt und damit zu den Finanzproblemen der Muttergesellschaft beigetragen. Das Unternehmen gilt im Konzern als unzuverlässig. Matthias Taft, der langjährige Chef der Baywa r.e., gab den Chefposten vor einem Jahr „im gegenseitigen Einvernehmen“ auf, Finanzchefin Mihaela Seidl trat bereits 2024 mit sofortiger Wirkung zurück.

Harte Verhandlungen auf der Zielgerade

Im Februar hatte die Baywa erstmals gemeldet, dass sie ihr Sanierungskonzept wegen Problemen mit der Baywa r.e. anpassen muss. Seither laufen die Verhandlungen. Die Gläubiger, zu denen etwa die Landesbank Baden-Württemberg, die DZ Bank und die Unicredit gehören, drängten zunächst auf eine noch höhere Beteiligung der Aktionäre an den Rettungskosten. 30,6 Prozent der Baywa-Aktien besitzt die österreichische Raiffeisen Agrar-Invest, 36,5 Prozent die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG, hinter der viele Volks- und Raiffeisenbanken aus dem Freistaat stehen. Auch eine Enteignung der oft aus der Landwirtschaft stammenden Kleinaktionäre sollen die Banken zwischenzeitlich gefordert haben – ohne Erfolg.

Trotz Annäherung sollen bei den Verhandlungen noch Details offen sein. Zudem müssen sowohl die Mitglieder der genossenschaftlichen Hauptaktionäre als auch die rund 250 Gläubiger der Vereinbarung zustimmen. Scheitern die Verhandlungen doch noch, droht der Baywa die Pleite.

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