Commerzbank kämpft an mehreren Fronten

von Redaktion

Wenn die Italiener bei der Commerzbank zum Zug kommen, wird der Firmensitz nicht mehr Frankfurt sein. Das schwächt den ganzen Finanzplatz. © Florian Gaul/picture alliance

Frankfurt – „Nehmen Sie das Angebot der Unicredit nicht an“, rät Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp in einem aktuellen Brief an die Aktionäre: „Ihre Commerzbank-Aktie ist mehr wert!“

Noch bis zum morgigen Freitag können sich die Eigentümer entscheiden, ob sie ihre Commerzbank-Anteile gegen Unicredit-Papiere tauschen wollen. Je Commerzbank-Aktie sollen sie dafür 0,485 Unicredit-Anteile erhalten. Viel zu wenig, argumentiert Orlopp: das Umtauschverhältnis bewerte die Commerzbank-Anteile schlechter als ihren aktuellen Wert an der Börse. Deshalb folge eine Annahme des unattraktiven Deals keiner wirtschaftlichen Logik.

Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht sich dagegen auf gutem Weg. Es seien nur noch fünf aktive institutionelle Investoren bei der Commerzbank engagiert, erklärte er unlängst. Alle anderen hätten ihre Aktien entweder angedient oder verkauft. Orcel wertet diesen Umstand als Beleg dafür, dass die Investoren das viel kritisierte Aktientausch-Angebot für angemessen halten.

Die Commerzbank rügte das Verhalten der Italiener als intransparent. Sie wirft der italienischen Konkurrentin irreführendes Verhalten vor und hat die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Die bislang angedienten Aktien stammten überwiegend nicht von unabhängigen Aktionären, sondern von Banken, mit denen die Unicredit über Derivate und andere Finanzinstrumente verbunden ist.

Ähnlich argumentiert die Belegschaft, die um Arbeitsplätze fürchtet und sich gegen die Übernahmepläne aus Mailand stemmt. Orcel möchte die Commerzbank im Falle einer Übernahme verschlanken und mit der Münchner HypoVereinsbank (HVB) verzahnen, die ihr bereits gehört. Rund 7000 Stellen wollen die Italiener erklärtermaßen einsparen.

Strafanzeige wegen Marktmanipulation

Der Betriebsrat soll inzwischen Strafanzeige gestellt haben. Der Vorwurf: Marktmanipulation und Irreführung. „Es soll der Eindruck erweckt werden, als habe Unicredit die Übernahme der Commerzbank schon so gut wie in der Tasche, doch dem ist nicht so“, kritisiert Betriebsratschef Sascha Uebel in Interviews. Die Unicredit-Manöver machten die Belegschaft wütend. Auch die Gewerkschaft Verdi fordert eine Untersuchung durch die Finanzaufsicht.

Deren Votum könnte also noch einiges Gewicht zukommen. Für eine Entscheidung müsse sie sich sicher sein, dass Unicredit die Anteile rechtmäßig erworben habe, sagt der Hohenheimer Finanzprofessor Hans-Peter Burghof. Daran könne man aber berechtigte Zweifel haben.

Wie hart die Auseinandersetzung inzwischen geworden ist, dokumentiert auch der öffentliche Schlagabtausch über das künftige Abstimmungsverhalten der Italiener auf Hauptversammlungen. Bei ausreichender Unterstützung dort wäre Orcel in der Lage, alle Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat zu wählen, hatten die Italiener wissen lassen, nicht ohne hinzuzufügen, dass der Aufsichtsrat für die Ernennung des Vorstands zuständig ist.

Weil auf einer Hauptversammlung nie alle Aktionäre anwesend sind, reicht Unicredit im kommenden Jahr hierfür vermutlich eine Beteiligung von rund 40 Prozent. Für die Durchsetzung einer kompletten Verschmelzung bräuchte Orcel aber die Unterstützung der deutschen Bundesregierung, die immer noch rund 12 Prozent der Anteile hält.

Aktionäre verkaufen, sobald der Preis stimmt

Der Bund hat sich bislang klar positioniert: Eine Annahme des Angebots komme wirtschaftlich nicht infrage, weil das Übernahmeangebot keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie enthält, ließ das Finanzministerium wissen. Letztlich erwarten Beobachter trotz allem, dass die Aktionäre verkaufen, sobald der Preis stimmt.

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