Drei Viertel werden kreditwürdiger

von Redaktion

Schufa-Zwischenbilanz – Paket beim Nachbarn kann zum Problem werden

Die Auskunftei Schufa bearbeitet täglich 350.000 Anfragen. © Andreas Arnold

München – Online bestellen, beim Nachbarn zwei Hausnummern weiter abliefern lassen und abends abholen. Für viele Menschen ist das alltäglich. Doch der Vorgang kann die Kreditwürdigkeit beeinflussen. Was etwas kurios anmutet, hat mit der Art zu tun, wie der neue Schufa-Score berechnet wird. Vermutlich wäre es nicht aufgefallen, hätte das Wiesbadener Unternehmen sich nicht einer radikal neuen Offenheit verschrieben.

Auch der Score ist Teil davon. Es ist eine Zahl, die angibt, wie kreditwürdig eine Person ist. Er ersetzt seit Mitte März andere Scores der Schufa. Das Besondere: Jeder kann genau sehen, wie sich der persönliche Score berechnet – und die Auskunftei auf Fehler hinweisen. So fielen die Tücken bei den Adressen auf.

„Wir sind sehr zufrieden mit den ersten 100 Tagen des neuen Schufa-Scores und freuen uns über die positive Resonanz“, sagt Schufa-Chefin Tanja Birkholz. „Die 1,3 Millionen neu gewonnenen Nutzerinnen und Nutzer haben unsere Erwartungen weit übertroffen.“ Sie haben sich seit Mitte März kostenlos bei der Schufa oder der Tochter Bonify angemeldet oder ein Schufa-Abo abgeschlossen.

Und die neuen Nutzer melden sich, was der Schufa hilft und ihnen auch. „Das Feedback zur neu geschaffenen Transparenz werden wir nutzen, um unsere eigenen Prozesse kontinuierlich zu verbessern“, sagt Birkholz. Der neue Score richtet sich nach zwölf Kriterien, die die Schufa-Statistiker als besonders aussagefähig ermittelt haben. Für jedes Kriterium gewährt die Schufa Punkte. Die Summe der Punkte ergibt den Score. Maximal 999 Punkte sind möglich. Der niedrigste Wert ist 100. Bei Zahlungsausfall gibt es keinen Score.

Zu den Kriterien gehören der Kreditstatus, Zahl der neuen Ratenkredite binnen zwölf Monaten, das Alter der ältesten Kreditkarte und eben auch das Alter der letzten Adresse (siehe Tabelle). Das Kriterium ist wichtig, weil statistisch gesehen Personen, die erst vor Kurzem eine neue Wohnung bezogen haben, ein höheres Risiko haben, Zahlungsprobleme zu bekommen.

Die Schufa nutzt keine Meldedaten, bekommt die Adressen von ihren Firmenkunden. Wenn sich die neuen Daten einer Person von der gespeicherten Adresse unterscheiden, sei es nur durch die Hausnummer, wird die Adresse bei der Schufa aktualisiert. Und wenn der Onlinehändler die Zustelladresse des Pakets beim Nachbarn übermittelt, ändert sich eben auch die Adresse der Bestellerin in den Daten, was wie ein frischer Umzug aussieht.

Nach Hinweisen ändert die Schufa jetzt schrittweise die Speicherlogik – auch rückwirkend. Das betrifft wechselnde Hausnummern genauso wie Kurzzeit-Umzüge. Bei insgesamt 755.000 Personen ändert sich deshalb der Score, drei Viertel verbessern sich, werden kreditwürdiger. Insgesamt hat die Schufa Daten von rund 69 Millionen Bundesbürgern und 6,6 Millionen Unternehmen gespeichert.

Neben Anfragen zu Adressdaten beschäftigten die Verbraucher vor allem Daten, die die Schufa offenbar nicht berücksichtigt – Kreditkarten zum Beispiel. Verbraucher können solche Daten nachmelden, die Schufa ergänzt sie dann nach Rücksprache mit den entsprechenden Banken oder Sparkassen. Sie müssen allerdings mit der Schufa zusammenarbeiten. Sonst sei es leider nicht möglich, den jeweiligen Vertrag zu berücksichtigen, heißt es bei der Auskunftei.

Banken und Sparkassen nutzen Scores der Schufa, um noch besser entscheiden zu können, ob und zu welchen Konditionen sie einen Kredit vergeben können. Auch Händler, Telekommunikationsanbieter und Energieversorger fragen Scores ab. Oft verlangen auch Vermieter nach einer Schufa-Auskunft. Die Schufa bearbeitet pro Tag rund 350.000 Anfragen.

Die Schufa ist die wichtigste und größte Auskunftei in Deutschland und fast 100 Jahre alt. Sie wurde 1927 als Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung gegründet. Sie gehört zu jeweils mehr als einem Viertel den Genossenschaftsbanken und den Sparkassen. Den Rest halten vor allem Geschäftsbanken. Vertragspartner sind Banken und Sparkassen, Handelsunternehmen, Telekommunikationsanbieter und Energieversorger.BJÖRN HARTMANN

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