Raketenstarts waren lange eine staatliche Domäne. Heute drängen immer mehr private Unternehmen in den Weltraum. © IMAGO/Li Tiantian
Frankfurt – Die Weltraumwirtschaft wächst rasant: Auf 1,8 Billionen US-Dollar könne das Marktvolumen der globalen Raumfahrtindustrie bis zum Jahr 2035 anwachsen, schätzen die Berater von McKinsey. Ihr Argument: Raketen, Raumfahrzeuge und satellitengestützte Kommunikation zählen zu den wichtigsten Technologien der Zukunft. Rund 480 Millionen Euro nimmt zum Beispiel dem Bremer Raumfahrtkonzern OHB mit einer aktuellen Kapitalerhöhung ein. Der Erlös soll in Trägerraketen und Zukunftsprogramme fließen.
Anleger wittern ein Zukunftsthema mit enormen Möglichkeiten. Der US-Vermögensverwalter BlackRock hat für seine ETF-Sparte iShares ebenso einen Weltraum-ETF aufgelegt wie die Konkurrenten Wisdom Tree, VanEck oder Ark. Man wolle „Kunden die frühzeitige Teilnahme an einem langfristigen Wachstumstrend ermöglichen“, sagt David Wenicker von BlackRock Deutschland: „Die Raumfahrt entwickelt sich zu einem breiteren industriellen Ökosystem mit wachsender privater Beteiligung“.
Lange habe das All Investoren als spekulativ und kapitalintensiv abgeschreckt, analysiert der Fondsanbieter Van Eck. Das ändere sich nun. Angeschoben durch den globalen Hype um SpaceX schwappe eine Welle frischen Kapitals in angrenzende Titel: Hersteller von Trägerraketen, Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung, Orbit-Dienstleister und deren gesamte Lieferkette.
Zu Schwergewichten wie Boeing, Airbus oder Lockheed Martin gesellen sich mehr und mehr Tech-Start-ups mit tragfähigen privaten Geschäftsmodellen. Der Weltraum sei kein Ort für Träumer mehr, sondern eine industrielle Baustelle, konstatieren Branchenanalysten. Morgan Stanley und Goldman Sachs sprechen von der „Trillion-Dollar-Opportunity“. Die Technologie habe 2026 den Massenmarkt erreicht. Der Hebel für Raumfahrt-Aktien liege in der Kostensenkung, so der Asset Manager Van Eck, der mit seinem Weltraum-ETF auch europäische Anleger ansprechen will: „Wir sehen starkes Interesse sowohl von langfristig orientierten Privatanlegern als auch von professionellen Investoren“, sagt Produktmanager Moritz Henkel.
Die Preise für Raketenstarts seien in den vergangenen Jahren dramatisch gefallen. Dazu beigetragen haben vor allem Fortschritte bei den Trägerraketen. Insbesondere deren Wiederverwendbarkeit verbessert die Wirtschaftlichkeit von All-Projekten. Das macht Investitionen kalkulierbarer. Ein günstigerer Zugang zum Orbit erleichtere den Aufbau von Versorgungs- und Verkehrssystemen, argumentiert Van Eck: Man erwarte zunehmend echte Einnahmen und Wettbewerb.
Besondere Profitabilität erwarten Experten für den Bereich der globalen Konnektivität: Satelliten-Breitband als Ersatz für terrestrische Leitungen wie DSL, Kabel oder Glasfaser. Als Beispiel für Alltagstauglichkeit gilt das amerikanische Unternehmen AST SpaceMobile. Es baut satellitengestützte Mobilfunknetze für Smartphones.
Dennoch bleiben Risiken: Viele Anbieter seien in sich rasch wandelnden Segmenten tätig, in denen Geschäftsmodelle, Akzeptanz und Wettbewerbsdynamik noch nicht erprobt sind, warnen Analysten. Riskant ist auch die Abhängigkeit der Raumfahrt von staatlichen Beschaffungszyklen und den Prioritäten nationaler Verteidigungspolitik. Und: Trotz aller Effizienzverbesserungen bleibt die Technik extrem teuer. Ein einziger Fehlstart kann Millionen vernichten.