Studie: Gasnetz in 19 Jahren weg

von Redaktion

Die Kosten für das Gasnetz sind ein gesetzlich regulierter Fixbetrag. Je weniger Verbraucher es nutzen, desto teurer wird die Kilowattstunde. © Daniel Reinhardt/dpa

München – Die CDU hatte die Reform des Heizungsgesetzes als Befreiungsschlag gefeiert: Künftig dürfen deutsche Eigentümer weiter neue Gasheizungen einbauen. Doch eine aktuelle Studie des Fraunhofer IFAM-Instituts zeigt: Die nötigen Leitungen könnte es bald nicht mehr geben. Die Energieversorger dürften „unter realistischen Bedingungen spätestens 2045 keine wettbewerbsfähigen Gaspreise mehr anbieten können“, erklärten die Experten. Die Gasnetze werden deshalb „aller Wahrscheinlichkeit nach“ bis dahin stillgelegt. Beauftragt hatten die Studie das Umweltinstitut München und die Initiative „GasWende“.

Die Studie ist eine Reaktion auf die jüngste Reform des Gebäudeenergiegesetzes. Die amtierende Bundesregierung hatte eine Regelung gekippt, nach der neue Heizungen zu 65 Prozent mit klimaneutraler Energie betrieben werden müssen. Dafür sollen Versorger ab 2029 einen wachsenden Anteil von Biomethan und grünem Wasserstoff ins Netz einspeisen.

Doch das reicht nicht, schreiben die Fraunhofer Wissenschaftler: „Der Umstieg auf Biogas funktioniert nicht, weil ein Großteil der Haushalte zu Wärmepumpen oder Wärmenetzen wechselt“, führen die Studienautoren aus. Hätten Gasnetzbetreiber nicht mehr genug Kunden, könnten sie ihre Netze nicht mehr wirtschaftlich weiterbetreiben. „Dadurch steigt der Gaspreis für die verbleibenden Haushalte.“

Außerdem sei die zukünftige Verfügbar- und Bezahlbarkeit von alternativen Brennstoffen höchst ungewiss. Zugleich haben Gasheizungen in der Regel eine Lebensdauer von ungefähr 25 Jahren. „Somit droht auch unter dem neuen Heizungsgesetz jede neu eingebaute Gasheizung zur Fehlinvestition zu werden“, warnt das Fraunhofer-Institut. „Wer sich heute in der Hoffnung auf eine Versorgung mit Biogas noch eine Gasheizung einbaut, wird auf einer teuren Investitionsruine sitzen bleiben.“

■ Experte: Jetzt handeln

Der Energieberater Kay Plötner nimmt die Ergebnisse der Wissenschaftler ernst: „Die Fraunhofer Institute sind sehr renommierte Forschungsstellen. Die Studien entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft.“ Mit Blick auf das gelockerte Heizungsgesetz sagt er: „Der Zwang ist jetzt weg, aber das schützt nicht vor falschen Entscheidungen“. Plötner rät: „Wenn die Heizung älter ist als 18 Jahre, sollten Eigentümer sich jetzt mit der Sanierung beschäftigen. Allein, weil das Ausfallrisiko steigt.“ Eine Komplettsanierung sei im ersten Schritt meist nicht nötig: „Im Optimalfall dämmt man das Haus erst und baut dann eine kleinere Heizung ein. Praktisch ist häufig zuerst die Heizung dran.“ Denn eine vollständige Sanierung könne schnell einen sechsstelligen Betrag kosten. Die Wärmepumpe sei dabei oft eine gute Lösung: „Wenn die alte Heizung raus muss, macht es oft Sinn, eine Wärmepumpe zusammen mit größerem Heizkörpern einzusetzen. Dann haben Sie zwar ein ineffizienteres Haus, aber eine effiziente Heizung. Und selbst wenn Sie acht neue Heizkörper brauchen, kostet das zusammen um die 5000 Euro. Ein Bruchteil einer Dachsanierung.“

Heute werden auch Hybridheizungen verbaut, also etwa Wärmepumpe mit Gaskessel. Damit wäre die alte 65-Prozent-Quote erfüllt worden. Energieberater Plötner: „Eine Hybridheizung muss keine schlechte Wahl sein: Wärmepumpen werden immer effizienter, die Winter weniger kalt und das Haus vielleicht künftig saniert. Dann braucht es den Gaskessel unter Umständen langfristig nicht mehr.“ Wer eine jüngere Heizung hat, könne in Ruhe beim Energieberater anrufen: „Vielleicht ist dann erst die Investition in neue Fenster sinnvoll.“MATTHIAS SCHNEIDER MIT AFP

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