Wärmepumpen gelten im Betrieb als preiswert. Die höheren Kosten für die Erst-Investition sollen durch die Förderung aufgefangen werden. © Robert Poorten, Imago
München – Für Eigentümer geht es diese Woche Schlag auf Schlag: Am Dienstag wurde bekannt, dass der Bund die Förderung für grüne Heizungen kürzen will. Viele Bürger wollten daraufhin noch schnell Anträge stellen. Gestern dann der Schock: Um genau das zu verhindern, wurde am Mittwoch um Mitternacht das KfW-Förderportal abgeschaltet. Erst wenn das Gebäudemodernisierungsgesetz im Parlament beschlossen ist, soll das Portal wieder erreichbar sein. Kerninhalte: Der Einbau neuer Öl- und Gasheizungen soll wieder erlaubt sein, die Wärmepumpenförderung gestutzt werden. Erst am späteren Abend bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium entsprechende Gerüchte, die seit dem Nachmittag im Umlauf waren.
Auch die Heizungs-Branche wurde von der Merz-Regierung überrumpelt: „Die Wärmepumpenförderung in einer Nacht-und-Nebel-Aktion umzustellen, ist ein fatales Signal für die Verbraucher. Es gibt tausende Haushalte, die gerade ihr Installations-Angebot unterschrieben haben und jetzt plötzlich mit deutlich weniger Unterstützung rechnen müssen“, kritisiert Bastian Gierull, Chef des Anbieters Octopus Energy. Dabei stört ihn gar nicht die Förder-Reform an sich: „Die Änderungen sind sinnvoll.“ Bei Octopus Energy liefen ab gestern Nachmittag die Telefone heiß: „Unser ganzes Team arbeitet gerade daran, unter Hochdruck noch möglichst viele Förderanträge zu bestätigen. Allerdings gibt es jetzt schon Probleme mit dem Förder-Portal – wir gehen davon aus, dass es überlastet ist“, berichtete Gierull gestern.
Das Ministerium teilte mit, es gebe eine „Vertrauensschutzregelung“. Wer eine gültige, „Bestätigung zum Antrag“ oder eine „technische Projektbeschreibung“ vorweisen kann, aber noch keinen Antrag gestellt hat, könne den Antrag zwischen dem 9. und dem 20. Juli zu den alten Konditionen nachholen. Alle anderen können es erst ab dem 21. Juli – zu meist schlechteren Konditionen – versuchen.
Auch die Kunden des Heizungsbauers Olaf Zimmermann haben es seit Dienstag eilig: „Allein seit gestern haben sich fünf Kunden gemeldet, die jetzt noch ihren Förderantrag stellen wollen“, berichtet der Obermeister der Münchner Heizungsbauer-Innung. „Einige der Angebote habe ich bereits vor einem Jahr erstellt.“ Zimmermann sieht Licht und Schatten: „Grundsätzlich halte ich es für problematisch, wenn die Förderung pauschal sinkt. Allerdings ist es sinnvoll, dass sie mit der Zeit abgeschmolzen wird. Der Staat muss sparen.“ Zudem begrüßt der Handwerksmeister den Förderbonus für Haushalte mit kleinen Einkommen und Kindern.
Ein wesentlicher Punkt der Reform ist, dass die Förderung sinkt, je später der Antrag gestellt wird. Obermeister Zimmermann findet das per se nicht schlecht: „Ich hoffe, dass jetzt endlich etwas vorangeht.“ Die meisten bestehenden Heizungen seien Niedertemperatur-Gaskessel, teilweise mehr als 30 Jahre alt. „Viele Eigentümer sind selbst schon älter und möchten ihre Anlagen lieber reparieren als ersetzen. Allerdings bekomme ich für manche Geräte inzwischen gar keine Ersatzteile mehr.“ Das ist auch eine Kostenfrage: „Energie ist teuer. Und es ist ein energetischer Wahnsinn, einen Kessel mit 120 Grad Abgas-Temperatur zu betreiben.“
Eine Wärmepumpe gilt im Betrieb als günstiger: „Dank Donald Trump ist vielen Menschen bewusst geworden, wie gefährlich die Abhängigkeit von Erdgas und Erdöl sein kann“, sagt Olaf Zimmermann. „Heute muss ich niemandem mehr die Vorteile einer Wärmepumpe erklären. Das war vor drei Jahren noch ganz anders.“
Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, warnt: „Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz droht zur Kostenfalle zu werden. Statt klare und bezahlbare Perspektiven zu schaffen, hält die Bundesregierung an Öl- und Gasheizungen fest.“