Maschinenbau und Autoindustrie leiden momentan besonders stark unter den Problemen. Hier sind auch die meisten Stellenstreichungen geplant. © Armin Weigel/dpa
München – Bayerns Wirtschaft rutscht weiter in die Krise: Jedes dritte Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie im Freistaat will Jobs abbauen. Das ist ein zentrales Ergebnis der Konjunkturumfrage des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm) bei seinen 3400 Mitgliedsfirmen in Bayern. Nach der langen Konjunkturflaute habe es Hoffnungen auf Besserung gegeben, die seien aber enttäuscht worden, so vbm-Chef Bertram Brossardt. „Wir erwarten eine rückläufige Produktion, sinkende Investitionen und eine Fortsetzung des Beschäftigungsabbaus“, sagte er mit Blick auf die Umfrageergebnisse.
Laut Brossardt verstärken die hohen Energiepreise im Zuge des Iran-Krieges und der Zollkonflikt mit den USA die ohnehin bestehende Strukturkrise. So sei die Industrieproduktion im Freistaat in den vergangenen acht Jahren um 15 Prozent gesunken. Seit Anfang 2024 seien zudem 35.000 Jobs in der bayerischen Industrie verloren gegangen, 9000 davon allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres.
Laut Umfrage dürfte der Trend anhalten. Im Inland rechnet der Verband mit einem Produktionsrückgang von 2,5 Prozent. „Im Ausland wird die Produktion dagegen weiter ausgebaut“, erklärt Brossardt. „Ein klares Indiz für einen Kostennachteil im Inland.“ Das hat Folgen für die Beschäftigung in Bayern. Während bei Firmen im Bereich der elektrischen Ausrüstungen sowie in der Rüstungsbranche neue Jobs entstehen, regiert vor allem im Autobau der Rotstift: Hier gaben zwei Drittel der Unternehmen an, dass sie die Zahl ihrer Angestellten reduzieren will. Geht der Jobabbau so weiter wie bisher, fallen in diesem Jahr insgesamt 20.000 Stellen in Bayerns Industrie weg, erwartet der Metall- und Elektroverband.
„Es ist ein dramatisches Zeichen, dass das Herz der bayerischen Industrie immer weiter ausblutet“, sagte Brossardt. Die gesamte Wirtschaft in Bayern werde dabei von der Krise der Autoindustrie mit nach unten gerissen. „Aufgrund deren enger industrieller Verflechtung sind auch Arbeitsplätze in anderen Branchen gefährdet“, warnte er. 44 Prozent der Verbandsmitglieder seien in einem „kritischen Ertragsbereich“, betonte der vbm-Chef. „Dass das nicht lange gutgehen kann, sollte jedem klar sein.“
Der Verband fordert deshalb weitere Maßnahmen von der Politik, um die Arbeitskosten zu reduzieren. Die aktuellen Reformen könnten nur „ein erster Schritt“ sein. Auch in einer parallel veröffentlichten Auswertung des bayerischen Industrie- und Handelskammertags nannten 58 Prozent der Betriebe in Bayern hohe Arbeitskosten als größtes Geschäftsrisiko – so viele wie nie.
Zu den nach den Sommerferien beginnenden Tarifverhandlungen in der Branche äußerte sich Brossardt, der die Arbeitgeber in der Industrie in Bayern vertritt, ebenfalls: „Das wird bestimmt schwierig“, sagte er mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen, signalisierte zugleich aber Einigungswillen. In den vergangenen Tagen mobilisierten Gewerkschaften in der Autoindustrie bereits tausende Beschäftigte zu Protesten gegen Sparmaßnahmen und Jobabbau.ANDREAS HÖSS