Streit um den DB-Navigator

von Redaktion

Bislang können über den DB Navigator nur Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn gebucht werden. © IMAGO

Berlin – Grundsätzlich freut sich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) über die Aussicht auf mehr Wettbewerb im Fernverkehr. Ab 2028 will neben der Deutschen Bahn (DB) mit ihren ICEs und Flixtrain mit ihren grünen Zügen auch das italienische Unternehmen Italo Hochgeschwindigkeitsverbindungen in Deutschland anbieten. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur schränkte Schnieder allerdings ein: „Ich möchte natürlich nicht, dass es ein Unternehmen gibt, das sich nur lukrative Strecken raussucht und mit den lukrativen Strecken viel Geld verdient und es an anderen Stellen im Netz und in der Verbindung ein Problem gibt.“

Aktuell fahren im Fernverkehr 95 Prozent der Züge mit dem Logo der DB. Schnieder deutete nun an, dass die Lösung über die Trassenpreise denkbar ist. Auf wenig nachgefragten Strecken könnte die Nutzungsgebühr sinken, auf begehrten Verbindungen steigen. Die Nahverkehrsunternehmen befürchten dagegen Nachteile durch eine steigende Kapazitätsauslastung durch Fernzüge.

Die Bundesnetzagentur will die Tür für mehr Wettbewerb auf jeden Fall weit öffnen. Eine Entscheidung steht bald an.

An anderer Stelle hat die Bahn den Minister ausgekontert: Schnieder wollte den DB-Navigator vom Fernverkehr an die InfraGO übertragen und für alle Bahnanbieter öffnen. Stattdessen entwickelt die DB nun eine App, auf der Reisende nicht nur Zugauskünfte der Konkurrenz finden, sondern sich auch zu deren Ticketshops durchklicken können.

Das reicht Matthias Stoffregen, Chef des Verbands Mofair, der private Bahnen vertritt, nicht aus. Er fordert eine Pflicht der DB, über den Navigator auch die Tickets anderer Unternehmen zu verkaufen. Und es müsse einen unternehmensübergreifenden Tarif für Fernverkehrsfahrten geben, der sich an den Flexpreisen der DB orientiere, verlangt Stoffregen. Mit diesen Tickets sollen die Fahrgäste alle Linienzüge nutzen können. Unbenommen davon könnten die Unternehmen Sonderpreise anbieten.

Auf dem Weg zu mehr Wettbewerb liegen also noch Stolpersteine. Am Ende könnten die Fahrgäste tatsächlich durch günstigere Preise profitieren. Zumindest hat das in Spanien und Italien nach dem Markteintritt von Italo geklappt.

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