Grünstrom: Die neuen Förderpläne

von Redaktion

Neue Photovoltaik-Anlagen sollen ihr Geld bald am Markt verdienen müssen. Kritiker bemängeln den schwierigen Zugang. © Bernd Weißbrod/dpa

Berlin – Die Bundesregierung will in wenigen Tagen die Förderung für Erneuerbare Energien neu aufstellen und damit Steuergelder sparen. Doch am Vorhaben gibt es Kritik: Betreiber privater Solaranlagen hätten kaum Chancen, ihren Strom zu verkaufen. Gleichzeitig könnte die Biogasproduktion sinken.

Was erwartet Verbraucher?

Sollte die Reform beschlossen werden, würden neue Anlagen mit weniger als 25 Kilowatt (kW) Leistung keine Förderung mehr bekommen. Das betrifft die Privathaushalte. Ausnahme: Für drei Jahre soll eine Übergangsregelung geringere Erlöse bringen. „Ohne die Einspeisevergütung müssten private PV-Anlagen ihren Überschuss-Strom über die Direkt-Vermarktung an der Strombörse verkaufen“, erklärt Felix Dembski, Jurist beim Speicherhersteller Sonnen GmbH. Die Firma ist „einer der wenigen Direktvermarkter für kleine Anlagenin Deutschland“. Mehr Marktbeteiligung findet Dembski sinnvoll: „Der Markt zeigt genau, welchen Bedarf das Stromnetz hat. Und Verbraucher können Geld verdienen oder sparen, wenn sie dem Netz geben, was es gerade braucht.“ Ein Beispiel: „Wenn die Strompreise morgens und abends hoch sind, wird der Direktvermarkter versuchen, den Solarstrom seiner Kunden ins Netz zu speisen. Mittags, wenn genug Strom da ist, sind die Preise niedrig. Da werden Direktvermarkter den Strom eher in den Eigenverbrauch oder die Heimspeicher schicken.“

Woran scheitert die Direktvermarktung?

Heute wird die Förderung kleiner Anlagen pauschal abgewickelt, der bürokratische Aufwand ist gering. Die Direktvermarktung ist deshalb ein Nischenphänomen: „Es dauert Monate, manchmal Jahre, sich als Direktvermarkter beim Netzbetreiber anzumelden“, erklärt Felix Dembski. Auch Anbieter wie Sonnen GmbH müssen jeden Kunden einzeln registrieren. „Wenn jetzt zehntausende Verbraucher einen Antrag stellen, wird es nicht schneller gehen“, so der Jurist. Das gilt auch für Firmen wie Sonnen. Das Bundeswirtschaftsministerium rechne mit 90.000 Anträgen pro Jahr. Dembski sieht die Regierung in der Pflicht: „Solange die Bundesregierung den Netzbetreibern keine Vorgabe macht, dass sie die Prozesse für die Direktvermarktung deutlich vereinfachen müssen, können neue PV-Anlagen diese wichtige Einnahmequelle nur unter erheblichem Aufwand erschließen.“ Das sei schon heute ein Problem: „Alleine die nicht bearbeiteten Anträgeunserer Kunden, die bei den Netzbetreibern in der Warteschlange stecken, kosten den Steuerzahler Millionen.“ Die Direktvermarktung wirke abschreckend: „Die Lösung wird sein, dass die Leute riesige Speicher kaufen, um den ganzen Strom selbst zu verbrauchen, oder sich keine PV-Anlage zulegen.“

Was ist mit dem Ausbau der Erneuerbaren?

Große Anlagen sollen weiter gefördert werden, perspektivisch aber durch Differenzverträge (CfD). Das ist eine Vorgabe der EU. Denn heute bekommen Betreiber nur eine garantierte Untergrenze für die Stromeinspeisung. Mit den CfDs müssen sie auch Gewinne über dem Garantieerlös abgeben. Außerdem soll mehr Windkraft in Bayern entstehen: „Laut dem Entwurf sollen zwölf Gigawatt mehr Windkraftleistung an Land ans Netz gehen als bisher geplant“, heißt es vom Bundesverband Windenergie. Denn in den vierteljährlichen Auktionen der Bundesnetzagentur ist der Freistaat oft abgeschlagen: „Aktuell gibt es mehr Gebote als Zuschläge. Die gehen meist in den Norden, weil der Wind dort meist stärker ist.“ Mehr Ausschreibungsvolumina erhöhen die Chancen für den Freistaat. Hier passen sie gut ins Stromnetz: Denn sie laufen sie meist, wenn die Sonne nicht scheint. Zudem, so der BWE, seien die Genehmigungsverfahren im Freistaat schneller geworden. „Die Ausschreibungsvolumina sollen ab 2027 steigen.“ Auch sollen vier GW mehr Freiflächen-Solaranlagen entstehen.