Bund will Start-ups besser fördern

von Redaktion

Bayern fällt bei der Gründung junger Firmen hinter Berlin und Baden-Württemberg zurück

Neura Robotics sammelte mit einem einzigen Deal rund 1,2 Milliarden Euro ein. Die Firma aus Baden-Württemberg stellt intelligente und kognitive Roboter her. © Bernd Weißbrod/dpa

Berlin – Die Bundesregierung will junge, innovative Unternehmen künftig gezielt in ihrer Wachstumsphase unterstützen. Dabei steht erstmals der Bereich Sicherheit und Verteidigung im Fokus. Das ist der Kern der neuen Strategie für Start-ups und Scale-ups der schwarz-roten Koalition, die im Bundeskabinett verabschiedet wurde. Damit soll verhindert werden, dass erfolgreiche Gründungen bei ihrer Expansion ins Ausland abwandern, heißt es in dem Strategiepapier.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, mit der neuen Strategie lege man das „Fundament für die nächste Generation deutscher Weltmarktführer.“ Sie verfolge drei Ziele: „Gründen erleichtern, Wachstum beschleunigen und Innovation in Deutschland halten.“ Dafür senke man bürokratische Hürden, mobilisiere mehr privates sowie öffentliches Wagniskapital und erleichtere Gründungen direkt aus der Wissenschaft heraus.

Um das Nadelöhr beim Zugang zu dringend benötigtem Wachstumskapital zu weiten, plant der Bund unter anderem den Ausbau des Deutschlandfonds. Das ist ein Förder- und Absicherungsprogramm der Bundesregierung, das durch staatliche Garantien gezielt das Investitionsrisiko abfedert, um bis zu 130 Milliarden Euro an privatem Kapital für Zukunfts- und Infrastrukturprojekte in Deutschland zu mobilisieren. Laut dem Strategiepapier sollen Wagniskapital-Investitionen auch in der Altersvorsorge eine größere Rolle spielen. Außerdem soll Stiftungen erleichtert werden, verstärkt in Start-ups zu investieren.

Bei der Start-up-Förderung beabsichtigt die Bundesregierung zudem Bürokratie abzubauen. Das Projekt „Schneller Gründen“ soll Verwaltungsprozesse durchgängig digitalisieren. Auf europäischer Ebene soll eine einheitliche Rechtsform für die Unternehmen dafür sorgen, dass grenzüberschreitende Aktivitäten spürbar erleichtert werden.

Dass dieser politische Handlungsbedarf dringend geboten ist, untermauert das aktuelle Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft EY. Zwar verzeichnet der hiesige Markt im ersten Halbjahr 2026 mit rund 5,3 Milliarden Euro an eingesammeltem Risikokapital einen Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jedoch sank die Anzahl der Finanzierungsrunden parallel um elf Prozent.

Da Investoren ihr Geld zunehmend in vermeintlich sichere Wetten und wenige Megadeals mit einem Volumen von über 50 Millionen Euro stecken, haben junge und kleine Start-ups im harten Wettbewerb um das Kapital derzeit oft das Nachsehen. Genau hier setzt die Strategie der Regierung an, um das Fundament der Gründerszene in der Breite zu stärken und den Kapitalzugang entlang aller Wachstumsphasen robuster aufzustellen.

Bei der regionalen Verteilung des eingesammelten Geldes hat sich Berlin die Spitzenposition von Bayern zurückerobert. Start-ups aus der Bundeshauptstadt erhielten fast 1,7 Milliarden Euro der insgesamt 5,3 Milliarden Euro des 2025 investierten Risikokapitals. Das entspricht einem Zuwachs von zehn Prozent. Berlin verzeichnete mit 95 Abschlüssen auch die meisten Finanzierungsrunden. Allein das Berliner Rüstungs-Start-up STARK konnte Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro verbuchen.

Auf dem zweiten Platz folgt Baden-Württemberg mit 1,6 Milliarden Euro. Dieser enorme Anstieg von 475 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist auf einen einzigen Mega-Deal zurückzuführen, bei dem das Robotik-Start-up Neura Robotics rund 1,2 Milliarden Euro einsammeln konnte. Bayern rutschte mit gut 1,1 Milliarden Euro (minus 46 Prozent) auf den dritten Rang ab. Dennoch ist es ein Novum, dass gleich drei Bundesländer jeweils Start-up-Investitionen in Milliardenhöhe verzeichneten.DPA

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