Millionen Rentner armutsgefährdet

von Redaktion

Ältere Frauen sind besonders bedroht: Viele haben gar nicht oder nur wenig gearbeitet, weil sie sich beispielsweise um Kinder gekümmert haben. © IMAGO/BODE

Berlin – Deutschland hat ein großes Problem mit Altersarmut. Knapp 1,3 Millionen Menschen in Deutschland erhielten 2025 die Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Die Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr an. Das ergeben neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung. Weiter sind immer mehr Rentnerinnen und Rentner auf Wohngeld angewiesen, auch hier stieg die Zahl auf einen neuen Höchstwert. Eine kleine Anfrage der Linken-Fraktion an die Bundesregierung zur Altersarmut bringt viele Zahlen zusammen. Die Opposition sieht die Bundesregierung verantwortlich und spricht von einem „Kürzungshammer“.

Die Armutsgefährdungsschwelle für das vergangene Jahr liegt bei 1446 Euro pro Monat für Alleinlebende. Wer weniger Geld zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales ist das knapp jeder fünfte Mensch im Alter (ab 65 Jahren). Frauen sind besonders oft von Armut bedroht.

Die Linken-Bundestagsfraktion nahm das zum Anlass, sich in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung nach aktuellen Zahlen zur Altersarmut zu erkundigen. Die Antwort der Bundesregierung liegt der Gruppe Ippen.Media, zu der unsere Zeitung gehört, exklusiv vor. Daraus ergibt sich, dass die Zahl der Grundsicherungsempfänger seit zehn Jahren stetig steigt. 2016 bekamen 1,03 Millionen Menschen die Hilfsleistung, wenn das eigene Einkommen zum Überleben nicht genügt. 2021 waren es bereits 1,12 Millionen Menschen und 2025 1,28 Millionen Menschen. Der Anteil von Grundsicherungsempfängern an der Gesamtbevölkerung stieg dabei signifikant an.

Ebenfalls deutlich angestiegen ist die Zahl der Rentnerinnen und Rentner, die Wohngeld bekommen, weil sie sich den Unterhalt allein nicht leisten können. Während es 2015 noch 194.000 Menschen waren, bekamen laut Statistischem Bundesamt 2024 über 709.000 Menschen im Rentenalter die Unterstützungsleistung. Darunter 438.000 Frauen und 271.000 Männer. Der enorme Anstieg ist teilweise mit einer Gesetzesänderung zu erklären, die deutlich mehr Menschen Anspruch auf Wohngeld ermöglichte. Zuletzt wurde bekannt, dass die Bundesregierung das Wohngeld drastisch kürzen will – vorwiegend zum Nachteil von Kindern.

Sarah Vollath, rentenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag und Mitautorin der Kleinen Anfrage, zeigt sich angesichts der Antwort empört. Die Zahlen zum Grundsicherungs- und Wohngeldbezug würden zeigen, wie groß die Not der Rentnerinnen und Rentner sei. „Sie klettern Jahr für Jahr weiter in die Höhe – und die Bundesregierung schaut dabei zu“, sagt die Bundestagsabgeordnete. Kosteneinsparungen wie beim Wohngeld hält die Linken-Politikerin für den falschen Weg. Während die Rente schon jetzt bei vielen Menschen „vorn und hinten nicht für ein gutes Leben im Alter“ reiche, falle der Bundesregierung nichts Besseres ein, „als den Kürzungshammer anzusetzen“, so Vollath.

Auch ein Vergleich von Rentenhöhen und Armutsschwelle gibt einen Einblick in die Finanzen von Rentnern – wenngleich diese weitere Einkommensquellen als die Rente selbst haben können. So bekamen Ende 2025 von 4,89 Millionen Männern, die 40 Jahre oder mehr in die Rentenversicherung einzahlten, 3,53 Millionen mehr als 1446 Euro Altersrente. 1,36 Millionen lagen darunter. Bei Frauen ist das Verhältnis ein gänzlich anderes: Von 3,64 Millionen Frauen, die 40 Jahre oder mehr einzahlten, erhielten nur 1,42 Millionen eine Altersrente über dem Schwellenwert der Armutsgefährdung. Mit 2,22 Millionen Frauen lag der Großteil darunter.

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