Heizkosten könnten sich verdoppeln

von Redaktion

Neues Heizgesetz verteuert Gasheizungen drastisch – „Biotreppe“ größter Kostentreiber

Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, zahlt drauf, warnen die Forscher vom Institut der deutschen Wirtschaft. © IMAGO

Köln – Die Kosten für das Heizen mit Gas könnten sich in den nächsten Jahren nahezu verdoppeln, was Mieter und Vermieter gleichermaßen trifft. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Ökonomen haben errechnet, dass die Jahresausgaben für den Betrieb einer Gasheizung durch das neue Heizgesetz von heute 1080 Euro auf 1952 Euro im Jahr 2040 und 2366 Euro im Jahr 2045 steigen könnten. Basis ihrer Kalkulation ist eine typische teilsanierte Altbauwohnung mit einem Jahresverbrauch von 10.000 Stunden Gas für Heizen und Warmwasser.

Die Union hatte im Wahlkampf scharfe Kritik am Heizgesetz der Ampel-Regierung des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) geübt. Im Gesetz war vorgesehen, dass neue Heizungen zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. „Mit dem bürokratischen Reinregieren in den Heizungskeller muss Schluss sein“, forderte die Union im Wahlkampf. Mitte Juli drehte die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) die Habeck-Reform nun zurück und verabschiedete ein neues Heizgesetz. Künftig dürfen neben Wärmepumpen und Fernwärme weiter Öl- und Gasheizungen verbaut werden. Eine steigende Grüngasquote – die sogenannte Biotreppe – soll dafür sorgen, dass Klimaziele trotzdem eingehalten werden. Dafür sollen Gasheizungen ab 2029 mindestens zehn Prozent Biomethan oder Wasserstoff beigemischt werden, 2040 dann 60 Prozent.

Laut den IW-Forschern verteuert vor allem diese Grundgasquote das Heizen mit Gas drastisch. Demnach entfallen 643 Euro der 872 Euro an errechneten Mehrkosten im Jahr 2040 auf die Beimischung klimafreundlicher Gase. Die Ökonomen gehen dabei nicht davon aus, dass ausreichend Biomethan für Heizungen zur Verfügung stehen wird, weshalb auch teurer Wasserstoff zum Heizen verwendet werden müsste. Daneben könnten die Gebühren für Gasnetze ihrer Rechnung nach im Jahr 2040 um 184 Euro höher liegen als heute, weil immer mehr Verbraucher von Gas auf Wärmepumpen oder Fernwärme umsteigen dürften. Das verteuert die Netzgebühren für verbleibende Anschlüsse mit Gasheizungen. Auch steigende CO2-Preise treiben die Kosten – wenngleich diese im Vergleich kaum mehr ins Gewicht fallen. Hier rechnen die Volkswirte mit einer Zusatzbelastung von 44 Euro pro Jahr.

Das neue Heizgesetz eröffnet bei der Wahl der Heizung wieder mehr Spielraum. Der Einbau einer neuen Gasheizung könne vor allem für Vermieter auf den ersten Blick günstiger erscheinen. Die Gesamtkosten für den Einbau einer Gasheizung von 10.000 bis 15.000 Euro sind nur etwa halb so hoch wie jene für eine Wärmepumpe. Langfristig erweise sich diese Kalkulation wegen der steigenden Betriebskosten aber als Trugschluss, warnen die Volkswirte. Sie verweisen darauf, dass die höheren Kosten für CO2, Netzgebühren sowie die in der Biotreppe vorrgesehenen alternativen Brennstoffe zu gleichen Teilen auf Mieter und Vermieter umgelegt werden – die Vermieter also an den höheren Betriebskosten beteiligt werden.

Das Urteil der Forscher über das neue Gesetz fällt entsprechend vernichtend aus. „Die Politik verkauft das neue Heizungsgesetz als Freiheit im Heizungskeller – ohne Mehrkosten. Das ist irreführend“, sagt IW-Experte Ralph Henger, der die Studie zusammen mit seinen Kollegen Malte Küper und Laurens Wünsch erstellt hat. „Wer sich für eine neue Gasheizung entscheidet, zahlt am Ende drauf – Vermieter wie Mieter“, so Henger.ANDREAS HÖSS

Artikel 2 von 5