Im ganzen Land hat sich Photovoltaik auf den Dächern durchgesetzt – auch dank der bisher gültigen Förderung. Diese soll nun gekappt werden. © marcus schlaf
München/Berlin – Das Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energie soll geändert werden – mit womöglich deutlichen Folgen für Besitzer von Photovoltik-Anlagen auf dem Eigenheim-Dach. Heute könnte das Bundeskabinett entsprechende Beschlüsse fassen. Dabei könnte der Bundestag aber noch eigene Ideen einarbeiten. Hier ein Überblick über die bisherigen Pläne.
Was ist geplant?
Kleine Photovoltaik-Anlagen bis zu einer Kapazität von 25 Kilowatt sollen keine fixe, verlässliche Einspeisevergütung nach heutigem Muster mehr erhalten. Das betrifft neue Kraftwerke für die Dächer von Ein- und Zweifamilienhäusern, aber auch größere Wohngebäude mit beispielsweise bis zu fünf Wohnungen. Heute bekommen die Betreiber solcher PV-Module 20 Jahre lang etwa sieben bis 12 Cent pro Kilowattstunde, die sie ins öffentliche Stromnetz schicken. Daran ändert sich durch die Neuregelung nichts. Bestehende Anlagen bekommen die alte Vergütung, bis die 20 Jahre um sind.
Geht es nach Katherina Reiche, gibt es künftig übergangsweise für wenige Jahre nur noch einen geringen Betrag, vielleicht fünf Cent pro Kilowattstunde. Danach fällt auch dieser Zuschuss weg: Die Hausbesitzer sollen die Energie, die sie nicht selbst nutzen, zum schwankenden Marktpreis an Stromhändler verkaufen. Dieses Modell heißt „Direktvermarktung“. Aus Sicht der Privatleute ist das unsicherer, denn sie können ihre Einnahmen nur schwer kalkulieren. Zusätzlich enthält der Gesetzentwurf die Regelung, dass nur noch die Hälfte der hergestellten Elektrizität eingespeist werden darf.
Was soll damit erreicht werden?
Ministerin Reiche will die Kosten drücken, die die Solaranlagen, die Energiewende und die Transformation zur Klimaneutralität verursachen. Aus dem Bundeshaushalt fließen momentan rund 17 Milliarden Euro pro Jahr als Zuschüsse an die Erneuerbaren Energien. Allerdings relativiert Andreas Bett, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme: „Die Kosten, die durch die Abschaffung der Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen eingespart werden, sind gering.“ Denn den größeren Teil der Förderung beanspruchen alte Solar- und Windkraftwerke, die schon lange am Netz sind. Deren Förderung läuft mit der Zeit sowieso aus.
Außerdem will Wirtschaftsministerin Reiche die Ausbaukosten für das Stromnetz reduzieren, die auch dadurch entstünden, dass immer mehr Dachanlagen angeschlossen würden. Sie bevorzugt dagegen mehr große Solarparks, die insgesamt billiger produzierten.
Kritiker der Pläne argumentieren dagegen, für die kleinen Dachanlagen privater Hausbesitzer reichten die normalen Kabel zu den Wohnhäusern meistens aus. Höhere Netzkosten entstünden eher, wenn Solarparks gebaut würden, die zusätzliche leistungsfähige Anschlüsse brauchen.
Bekommen die kleinen Anlagen heute zu viel Geld?
„Kleine Solaranlagen sind inzwischen aufgrund gesunkener Kosten oft bereits ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich, sofern sie hohe Eigenverbrauchsanteile realisieren können“, schreibt das Wirtschaftsministerium. Die Einspeisevergütung sei also nicht mehr nötig, sie stelle eine „Überförderung“ dar. Dagegen sagt Manfred Fischedick, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie: „Für viele kleine Anlagen“ sei „aufgrund der mit der Direktvermarktung verbundenen administrativen Kosten mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft kein wirtschaftlicher Betrieb“ zu erwarten.
Funktioniert denn Direktvermarktung schon?
Ein paar Pioniere wie die Firma Enpal bieten sie an. Die meisten Stromhändler halten sich aber zurück, weil das Geschäft mit den kleinen Stromproduzenten wenig Rendite abwirft. Praktikable Geschäftsmodelle sind Mangelware. Und es gibt einen technischen Grund: Sogenannte Smart Meter, digitale Stromzähler mit Internetanschluss, haben sich noch nicht durchgesetzt, der Einbau in Wohngebäuden geht nur schleppend voran. Die Bundesregierung will das nun beschleunigen. Wenn das funktioniert, werden sich die Verdienstmöglichkeiten für Immobilienbesitzer auch ohne Einspeisevergütung verbessern.
Was können Hausbesitzer jetzt tun?
Fachleute raten solarinteressierten Hausbesitzern zu zwei Lösungen.
Was bedeutet das für die Klimaneutralität?
Möglicherweise verlangsamt sich der Ausbau der Solarenergie in Wohngebäuden in den kommenden Jahren zunächst. Wenn sich die Direktvermarktung durchsetzt, kann der Prozess auch wieder Fahrt aufnehmen.