Der teure Sprit und Rabattangebote haben die Zahl der Fahrgäste auf 960 Millionen erhöht. Die Pünktlichkeit der Züge lässt aber nach wie vor zu wünschen übrig. © Andreas Arnold/dpa
Berlin – Nach sechs verlustreichen Jahren gelingt der Bahn wieder der Sprung in die Gewinnzone. Im ersten Halbjahr stieg das Konzernergebnis im Kerngeschäft auf 147 Millionen Euro, nach einem Verlust von 760 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. „Zum ersten Mal seit sieben Jahren schreibt unser Eisenbahngeschäft unterm Strich wieder schwarze Zahlen“, sagt Bahnchefin Evelyn Palla und wertet dies als Erfolg. Zuletzt konnte der Konzern zur Jahresmitte 2019 ein Plus verkünden. Danach ging es tief in die roten Zahlen.
Dabei sind die Züge der Bahn nach wie vor sehr unpünktlich unterwegs. Zwischen Januar und Juni kamen gerade einmal 59 Prozent der Fernverkehrszüge zur rechten Zeit ans Ziel. Im Nahverkehr sah es mit über 88 Prozent schon besser aus. „Die Rekordzahl an Baustellen, der Wintereinbruch im Januar und Februar sowie die Hitzewelle im Juni drückten die Pünktlichkeit“, erklärt das Unternehmen. Die Baustellen bremsen den Verkehr wohl auch weiterhin stark aus. 28.000 davon sind in diesem Jahr geplant, die Hälfte der Arbeiten ist bereits abgeschlossen.
Der neue Verkehrsminister Steffen Bilger dringt auf schnellere Verbesserungen für Fahrgäste der Bahn. „Gerade wenn wir jetzt viel in die Infrastruktur investieren, dann bedeutet das auch Baustellen. Das bedeutet Behinderungen. Das bedeutet im Bahnbereich dann auch leicht Verspätungen“, sagte Bilger. „Es wird nicht gelingen, dass von heute auf morgen alles gut ist.“
Trotz allen Ärgers mit Verspätungen oder Zugausfällen bleiben die Kunden der Bahn treu. Palla konnte sogar ein Plus bei der Zahl der Fahrgäste verkünden. 960 Millionen Reisende nutzten bis zum Halbjahr die Züge im Fern- und Nahverkehr, 17 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Vor allem die hohen Benzinpreise wirkten sich positiv auf den Ticketverkauf aus. Das zeigt ein deutlicher Zuwachs an Passagieren auf den Pendlerstrecken. Aber auch die Rabattaktionen im Fernverkehr wirken. „Mit besonderen Angebotspreisen für Familien, Junge und Kurzentschlossene kurbelt das Management seit Mai die Nachfrage zusätzlich an, erklärt die Bahn. Allein 600.000 Fahrgäste haben das Last-Minute-Angebot bisher genutzt. Das Familienticket konnte rund 200.000 Mal verkauft werden. Die Entwicklung zeigt sich auch in den Geschäftszahlen. Das operative Ergebnis im Fernverkehr verbesserte sich binnen Jahresfrist von Minus 59 Millionen Euro auf plus 148 Millionen Euro.
Trotz der positiven Geschäftszahlen gibt es auch innerhalb des Konzerns noch einige Baustellen. Die Gütersparte hat den Weg aus den Miesen zum Beispiel noch nicht gefunden. Mit einem Minus von einer Million Euro tastet sich Cargo zwar an die Nulllinie heran. Doch bis zum Jahresende muss darauf eine schwarze Zahl werden. Sonst droht die Zerschlagung, weil der Bahnkonzern Verluste nicht mehr quersubventionieren darf.