Gewinneinbruch bei BMW: Jetzt will der erfolgsgewöhnte Autobauer schlanker und agiler werden, wie der Vorstand ankündigte. © Peter Kneffel/dpa
München – Ein Gewinneinbruch um 35 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, drei Milliarden Euro weniger Umsatz und ein Drittel weniger Verkäufe im wichtigen chinesischen Markt: So hatte sich Milan Nedeljković sein erstes Quartal als neuer Chef von BMW wohl nicht vorgestellt. Die Ergebnisse seien „nicht zufriedenstellend“, sagte er bei der Vorstellung der Zahlen zum zweiten Quartal am Donnerstag. Erst am Mittwoch hatte der Münchner Dax-Konzern seine Mitarbeiter darüber informiert, 8000 Stellen abbauen zu wollen. Rund 50.000 deutsche BMW-Angestellte werden dafür in den nächsten Wochen Abfindungsangebote bekommen.
Die schlechten China-Geschäfte hatten bereits im Juni zu einer Gewinnwarnung geführt und wurden von den meisten Beobachtern so erwartet. Spannender war deshalb, welche Maßnahmen neben dem Stellenabbau Nedeljković noch umsetzen will, um den Autobauer zurück in die Erfolgsspur zu führen. Und hier kündigte der neue Chef an, auch Kernprozesse und Strukturen anzupacken, „die bisher als unantastbar“ galten. „Manche Dinge muss man nicht eigenentwickeln“, sagte Nedeljković und kündigte damit einen Paradigmenwechsel in der Unternehmenskultur an. Bisher entwickelt und perfektioniert man in München selbst kleinste Komponenten und Schräubchen, statt sie von Zulieferern zu kaufen.
Daneben verwies er auf weitere Hebel, um den Konzern schlanker, dynamischer und profitabler zu machen. Künstliche Intelligenz ermögliche es zum Beispiel, „dass kleinere Teams größere Aufgaben erledigen“. Ihr Einsatz soll Prozesse automatisieren und die Entscheidungsfindung im Unternehmen beschleunigen. In der Entwicklung soll mehr auf Standardisierung und gemeinsame Komponenten gesetzt werden, um Kosten zu senken. Im Kundenkontakt soll das Agenturmodell ausgerollt werden, bei dem der Konzern direkt als Verkäufer auftritt und auch die Preise im Handel stärker bestimmt als bisher. Außerdem sollen beispielsweise die Werke in China noch konsequenter von regionalen Zulieferern versorgt werden.
Das bedeute allerdings nicht, dass insgesamt mehr in Ländern wie China produziert und nach Europa geliefert werden soll. „Wir bleiben in Europa“, versprach Nedeljković. Die Nachfrage auf dem Kontinent sei vor allem bei E-Autos gut, die Vorbestellungen bei der Neuen Klasse hoch und die deutschen und europäischen Werke würden teilweise im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten.
So wurden in Ungarn bereits 50.000 Exemplare des neuen iX3 produziert, bald werde die Marke von 100.000 Vorbestellungen geknackt. „Da mache ich mir wenig Sorgen um die Auslastung“, sagte er. Auch Finanzchef Walter Mertl betonte, dass die Geschäfte eigentlich nur in China schlecht laufen. In Europa lieferte der Konzern dagegen im zweiten Quartal 7,6 Prozent mehr aus als im Vorjahresquartal, in Amerika waren es sogar 11,9 Prozent. „Wir wachsen also auch“, sagte Mertl.
Doch die guten Verkäufe in der Heimat und in Übersee konnten das massive Minus von 30,2 Prozent in China nicht ausgleichen. Dort kommt die Neue Klasse erst gegen Ende des Jahres auf den Markt. BMW hofft, dass dann die Verkäufe wieder etwas anziehen könnten. Doch die chinesischen Konkurrenten drängen auch immer mehr auf den europäischen Automarkt und erobern dort Marktanteile.
Außerdem belasten Zollkonflikte den Handel, und der Spritpreis-Anstieg im Zuge des Iran-Krieges hinterlässt seine Spuren beim Absatz von Verbrennern. „Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu“, sagte Nedeljković. „Ein harter globaler Wettbewerb, steigende Regulatorik und die Auswirkungen geopolitischer Konflikte werden unser Geschäftsmodell in den nächsten Jahren prägen. Daher gilt es, schlank und agil zu sein.“