INTERVIEW

„Gut, dass mein Vater mir zuhört“

von Redaktion

Wie eine Familie die Übergabe ihres Holzkirchner Betriebes plant

Auch in vielen Handwerksbetrieben steht die Nachfolgefrage an. Findet sich kein geeigneter Übernehmer, machen viele Unternehmen dicht. © Monika Skolimowska/picture alliance/dpa

Eingespieltes Team: Max (links) und Andreas Hofmann. Ihre Firma Blacksafe aus Holzkirchen bietet Ausrüstung für Bergsportler und Industriekletterer an. © THOMAS PLETTENBERG

Wer ein Unternehmen aufbaut, brennt dafür. Doch irgendwann steht der Ruhestand an – und damit die Frage der Nachfolge. Doch wie organisiert man die Übergabe? Wie findet man einen Nachfolger? Und wie verhindert man Konflikte in der Familie? Andreas Hofmann (60) und sein Sohn Max (27) führen die Holzkirchner Firma Blacksafe – und stehen am Anfang dieses Weges.

Herr Hofmann, wie haben Sie Ihr Unternehmen aufgebaut?

Andreas: Ich hatte 1995 die Firma Aliens gegründet. Das ist ein Großhandel für Kletterausrüstung, sowohl für Sportler als auch Industriekletterer. 2017 hatte der Chef von Blacksafe, einer meiner Kunden, gesagt: „Ich möchte mein Geschäft verkaufen. Wenn ich es jemandem gebe, der sich nicht auskennt, bin ich nicht glücklich, und du bist auch nicht glücklich. Deshalb frage ich dich zuerst.“ Und das hab ich dann 2019 auch gemacht. Die Firma hat sieben Mitarbeiter und macht rund drei Millionen Euro Umsatz.

Und wann kam die nächste Generation in den Betrieb?

Max: Ich habe 2017 meine Ausbildung zum Großhandelskaufmann bei Aliens begonnen. Damals war ich eine 16-jährige Rotznase und meinte, mir gehört die Welt, weil ich in den Betrieb vom Vater gehe. Ich habe dann aber schnell gelernt, dass ich mir die Anerkennung unserer Partner und Angestellten verdienen muss. Deshalb habe ich nach meiner Ausbildung fünf Jahre bei der Hoffmann Group gearbeitet. Die vertreibt Unternehmensausstattung, und ich habe mich um Schutzausrüstung gekümmert. 2025 hat mich dann mein Vater gefragt, ob ich in die Firma einsteigen und sie übernehmen möchte.

War das von Anfang an der Plan?

Andreas: Natürlich überlegt man sich als Unternehmer, dass man sein Geschäft irgendwann an die Kinder übergeben möchte. Aber als der Max zu Hoffmann ist, war ich mir da gar nicht mehr so sicher. Man muss sehr vorsichtig sein, dass man seine Kinder nicht in etwas reinzwingt, das nicht zu ihnen passt. Damit macht man jemanden nur unglücklich.

Haben die Wanderjahre Sie weitergebracht?

Max: Auf jeden Fall. Wenn man immer nur in seiner eigenen Blase bleibt, lernt man nicht, was andere Betriebe vielleicht anders oder besser machen. Und bei großen Betrieben ist man als Angestellter nur eine Nummer. Da muss man sich beweisen.

Wann ist der Gedanke an die Übergabe konkret geworden?

Andreas: 2025 gab es eine gute Gelegenheit, die Firma Aliens an einen Zulieferer zu verkaufen. Ich hatte ja sechs Jahre lang zwei Unternehmen. Ich bin jetzt 60 Jahre alt, 30 davon war ich Unternehmer. Das ist auch ein gewaltiger Stressfaktor. Gerade in der Corona-Pandemie, was für uns alle eine neue Situation war. Ich hatte damals 16 Mitarbeiter, die haben auch Kinder und müssen ihre Häuser abzahlen. Für die denkt man immer mit. Jetzt möchte ich sehen, was das Leben sonst noch für mich bereithält. Und deshalb war mein Gedanke: Bis ich 65 bin, möchte ich auch die Blacksafe abgegeben haben.

Und wenn Ihr Sohn die Firma nicht gewollt hätte?

Andreas: Dann hätte er noch einen Bruder und einen Schwager gehabt, die theoretisch infrage kommen. Aber wenn das nicht gepasst hätte, würde ich die Firma sicher irgendwann verkaufen. Deshalb waren Max´ Wanderjahre so wichtig für mich: Ich hatte Zeit, mir Gedanken zu machen. Ich habe auch viel bei anderen Unternehmern und Lieferanten gefragt, wie sie es gemacht haben.

Wie bereiten Sie sich auf die Übergabe vor?

Max: Ich bin heute bei der Blacksafe Angestellter, arbeite aber mit meinem Vater in einem Büro. Ich versuche, mich in die Prozesse einzuarbeiten, aber auch meine eigenen Ideen mitzubringen. Und ich bin froh, dass mein Vater mir zuhört und nicht sagt: „Das haben wir 30 Jahre so gemacht, das machen wir weiter so“.
Andreas: Und der Betrieb muss ja auch zunehmend seine Handschrift tragen. Wie soll sich der Nachfolger mit der Firma identifizieren, wenn er nicht gestalten darf? Mir ist aber wichtig, dass der Übergang geordnet ist. Wenn ich mich von einem Tag auf den anderen verabschiede, fragen sich meine Partner und Angestellten: Wer ist dieser Max? Der ist so jung, der hat ja gar keine Ahnung. So lernt er die Leute in Ruhe kennen und kann Vertrauen aufbauen. Und in dieser Zeit haben unsere Geschäftspartner immer noch meine Mobilfunknummer.

Wie wird das Verhältnis nach der Übergabe sein? Wird Max Hofmann auch Gesellschafter?

Andreas: Das kommt ganz drauf an, was der Steuerberater sagt. In den kommenden Monaten wird Max eine Prokura bekommen, und in ein, zwei Jahren werden wir gemeinsam die Geschäftsführung tragen. Dann schauen wir mal, wie es läuft. Es kann ja immer sein, dass man irgendwann nicht mehr miteinander zurechtkommt. Deshalb haben wir keinen starren Zeitplan.

Wie oft sehen Sie sich privat – und wie wichtig ist die Arbeit dann?

Andreas: Wir sehen uns zwei, drei Mal die Woche außerhalb der Arbeit, meist mit der Familie. Wenn der Schwiegersohn da ist oder die Enkel rumspringen, sprechen wir nicht über die Firma. Beim Max und mir ist das was anderes. Es heißt ja selbst und ständig.
Max: Es gibt dann auch am Sonntag mal eine Whatsapp, die dann noch am selben Tag beantwortet wird. Gerade wenn etwas schnell entschieden werden muss. Das gehört dazu.

Wo ergänzen Sie sich – und wo gibt es Widersprüche?

Andreas: Ich gehe viel auf Messen, mindestens drei im Jahr. Mir ist es wichtig, die Leute kennenzulernen, Kontakte aufzubauen. Danach auch mal eine Party zu feiern. Das bringt einen ganz tief in die Szene rein und davon hat das Unternehmen sehr profitiert. Max dagegen ist mehr online-affin und will diesen Bereich ausbauen. Den habe ich bisher eher brachliegen lassen.
Max: Drei Messen ist auch untertrieben, es sind eher zwölf.
Andreas: Sagen wir acht (lacht).
Max: Auf jeden Fall kosten Messen viel Geld. Und dieses Geld würde ich zum Teil lieber in Werbung auf Instagram oder Linkedin investieren. Einfach weil ich glaube, dass uns das am Ende mehr bringt.
Andreas: Das ist jetzt ein Experiment. Wir können noch ein paar Jahre gemeinsam ausprobieren, welcher der richtige Weg ist.

Und was, wenn es nach der Übergabe Meinungsverschiedenheiten gibt?

Andreas: Meine Altersvorsorge ist durch den Verkauf von Aliens abgesichert, deshalb ist der Generationenvertrag nicht mehr nötig. Ein Unternehmer darf die Früchte seiner Arbeit genießen, trägt aber auch die Risiken. Deshalb wird das dann Max´Sache sein. Es wäre etwas anderes, wenn mein Einkommen vom Fortbestand der Firma abhängt.

Lassen Sie sich beraten?

Andreas: Einen Mediator oder ähnliches haben wir nicht engagiert. Mir war es wichtig, andere Unternehmer nach ihren Erfahrungen zu fragen. Und meinen Steuerberater, wie wir die Gesellschaft am besten übertragen. Eine große Hilfe war aber mein anderer Sohn: Der hat seine Master-Arbeit über Firmenübergaben in der Familie geschrieben. Da sind wir natürlich einbezogen worden, er hat die ganze Familie interviewt. Es ging aber auch um die Frage: Verschenke ich die Firma besser oder verkaufe sie Max und gebe ihm dafür einen Kredit? Das hat uns sehr geholfen.

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