Gold: Das Ende der Achterbahnfahrt?

von Redaktion

Glitzernd und wertvoll: Viele Anleger kaufen Gold und Silber als Barren und Münzen, doch es gibt auch Finanzprodukte, die den Preis abbilden. © Smarterpix

Frankfurt – Gold fasziniert die Menschen seit jeher. Ein Grund: Es weist über die Jahrtausende eine erstaunlich hohe Wertbeständigkeit auf. Ein Beispiel dafür liefert der Edelmetallhändler Solit: Demnach musste man im Jahr 31 v. Chr. eine halbe bis eine Unze Gold, also etwa 31 Gramm, hinlegen, um sich eine Tunika zu kaufen. Heute sind es für einen Maßanzug, den man damit ganz gut vergleichen kann, ein Viertel bis eine halbe Unze.

Doch ist die Wertbeständigkeit nur ein Grund, warum Anleger auf Gold und auch auf Silber setzen. Ein anderer: Die beiden Edelmetalle können, weil sie sich nicht immer exakt so entwickeln wie Aktien oder Anleihen, ein Portfolio stabilisieren. Allerdings kamen an dieser Fähigkeit zuletzt Zweifel auf. Denn in den vergangenen eineinhalb Jahren waren Gold und Silber teilweise heftigen Kursschwankungen unterworfen.

Unsicherheit trieb 2025 die Edelmetall-Preise

Im vergangenen Jahr zählte Gold mit zu den besten Anlagen überhaupt. Der Preis je Feinunze kletterte von 2619 Dollar auf 4338 Dollar – ein Plus von rund 65 Prozent. Doch der Anstieg ging weiter – und zwar bis auf fast 5600 Dollar im Februar dieses Jahres. Damit hatte sich der Preis für das gelbe Metall seit Anfang 2025 mehr als verdoppelt. Noch drastischer war der Anstieg bei Silber: er kletterte von knapp 30 Dollar auf über 76 Dollar je Unze.

Doch so rasant es nach oben ging, so schnell ging es wieder nach unten. Ende Juli notierte Gold nur noch bei rund 4000 Dollar, der Preis für Silber ging bis auf rund 57 Dollar zurück. Die Gründe für diese Achterbahnfahrt sind vielschichtig. Im vergangenen Jahr waren es nach Ansicht der Analysten der DZ Bank vor allem die massive Unsicherheit, insbesondere die eskalierenden geopolitischen Spannungen, und Befürchtungen um eine Abschwächung des US-Dollar, was die Nachfrage nach Gold und damit dessen Preisanstieg antrieb.

Allein die Notenbanken kauften laut dem World Gold Council im vergangenen Jahr 863 Tonnen Gold. Dazu kamen Rekordkäufe der Anleger, die über ETFs rund 800 Tonnen Gold erwarben, und auch bei Barren und Münzen griffen sie zu. Insgesamt 1374 Tonnen waren es – ein Zwölf-Jahres-Hoch. Bei Silber kommt, neben den genannten Faktoren, noch die industrielle Nachfrage dazu. Denn das Metall spielt ein wichtige Rolle bei der Energiewende.

Silber ist für die Energiewende wichtig

„Silber zählt zu den für die Elektrifizierung und die Energiewende kritischen Rohstoffen“, erklärt Portfoliomanager Cyrill Staubli von Swisscanto. „Vor allem die Solarindustrie benötigt immer mehr Silber für Photovoltaik-Zellen, aber auch in der Elektronik sowie im Bereich der Elektromobilität steigt der Bedarf.“ Dazu kommt, dass der Silbermarkt vergleichsweise klein ist und damit schon geringere Kapitalzuflüsse zu erheblichen Kursausschlägen führen können.

Dagegen spielten beim Kurseinbruch andere Faktoren die Hauptrolle. Nachdem die USA zusammen mit Israel Ende Februar den Iran angegriffen hatten, schoss der Ölpreis in die Höhe. Der nachfolgende Anstieg der Inflation führte zur Erwartung steigender Zinsen. „Weil Gold und Silber aber keine laufenden Erträge abwerfen, belasten höhere Zinsen die beiden Edelmetalle“, erklärt René Stadtmüller von dem Münchner Vermögensverwalter HRKLunis. „Denn das erhöht die Opportunitätskosten, diese zu halten.“ Die Folge war ein deutlicher Preisrückgang.

Doch stellt sich nun die Frage, ob Gold und Silber damit wieder interessant sind. Nach Ansicht von Experte Stadtmüller bietet Gold bei Preisen unter 4.000 Dollar eine interessante mittelfristige Einstiegsgelegenheit. Und auch die Experten der DZ Bank sind derzeit optimistisch. Sie gehen davon aus, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Jahresende wieder auf 4700 Dollar steigen wird.

Einen Grund dafür sehen sie in der fortgesetzten strukturellen Nachfrage der Notenbanken nach dem Edelmetall. Dazu rechnen sie mit keinen weiteren Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed in diesem Jahr, was Gold ebenfalls unterstützen sollte. Bei Silber wiederum ist die Nachfrage aus dem industriellen Bereich anhaltend hoch. „Da zugleich die Minenproduktion stagniert, ergibt sich daraus ein strukturelles Angebotsdefizit, weshalb bei Preisen unter 60 Dollar ein Einstieg mittelfristig interessant sein kann“, so Stadtmüller.

Artikel 8 von 8