Warum der Dax auf Rekordkurs ist

von Redaktion

Der deutsche Aktienmarkt eilt derzeit von Rekord zu Rekord. 80 Prozent ihres Geschäfts machen die Dax-Konzerne inzwischen im Ausland. © Andreas Arnold/dpa

München – Manch einer mag sich dieser Tage verwundert die Augen reiben: Denn trotz wirtschaftlicher Flaute hierzulande sowie erheblicher geopolitischer Risiken wie dem anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und dem Ukraine-Krieg klettert der deutsche Leitindex Dax immer weiter. Erstmals überhaupt erreichte er letzte Woche die Marke von 26.000 Punkten.

Eine Entwicklung, die viele Experten aber gar nicht so sehr überrascht. „Man muss bedenken, dass der Dax längst kein Spiegel der deutschen Wirtschaft mehr ist“, sagt Christian Steigleder von dem Schweizer Vermögensverwalter Family Partners. „Die dort enthaltenen Konzerne erwirtschaften rund 80 Prozent ihrer Umsätze im Ausland.“ Außerdem wird an der Börse die Zukunft gehandelt, wobei die erwarteten Erträge der Unternehmen entscheidend sind. Und hier herrscht Optimismus: Aktienanalysten gehen im Schnitt davon aus, dass die Gewinne der Dax-Unternehmen in diesem Jahr zwischen zehn und 14 Prozent zulegen.

Dazu kommen weitere positive Faktoren wie die vorübergehende Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran und der damit verbundenen Hoffnung auf sinkende Ölpreise, die Milliardenprogramme in Europa für Infrastruktur und Verteidigung sowie nicht zuletzt eine vergleichsweise günstige Bewertung am europäischen Aktienmarkt insgesamt.

Nikolas Kreuz von der Vermögensverwaltung Invios verweist auch auf einen psychologischen Faktor: „Je länger eine Rallye läuft, desto mehr Anleger wollen sie nicht verpassen“, sagt er: Ein Kurstreiber der derzeitigen Börsenrallye.

BMW im Minus, Hochtief gewinnt

Es lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der einzelnen Dax-Titel. So legte die Aktie des Baukonzerns Hochtief auf Jahressicht 135 Prozent zu, Bayer verdoppelte sich im Kurs und Infineon kletterte um 80 Prozent. Dagegen liegen BMW, der Rüstungskonzern Rheinmetall und Scout 24 mit je über 30 Prozent in diesem Zeitraum im Minus. Das heißt, mit Investments in die richtigen Einzeltitel wäre sogar noch mehr drin gewesen.

„Für die allermeisten Privatanleger bleibt dennoch der breite Index die richtige Wahl“, sagt Steigleder. „Wer glaubt die Handvoll Titel, von der eine solche Entwicklung getragen wird, vorab zu kennen, überschätzt sich in aller Regel.“ Auch vor der Idee, jetzt Gewinne mitzunehmen, raten die meisten Experten ab. „Ein Allzeithoch fühlt sich für viele Anleger zwar gefährlich an, die Statistik sagt aber das Gegenteil“, sagt Kreuz. So gibt es Berechnungen, nach denen Aktienmärkte langfristig in 30 Prozent der Monate ein neues Allzeithoch erreichen.

Zudem entwickelten sich die Zwölf-Monats-Renditen im Durchschnitt nach Erreichen eines Rekordstandes besser als zu anderen Zeitpunkten. Doch vor allem sind aktuell die Aussichten nicht schlecht. „Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen nicht noch weiter anhebt und vor allem die Rohstoffkosten durch die Auflösung der geopolitischen Konflikte begrenzt bleiben, dann hat der Dax noch weiteres Potenzial“, sagt Michael Thaler von der Top Vermögen.

Auch der Start des Altersvorsorgedepots, womit viele Spargelder in Aktien fließen, dürfte Schwung geben. Entscheidender Faktor aber bleiben die Unternehmensgewinne: Solange sie steigen, gibt es keinen Grund, den Markt zu verlassen.

Nebenwerte (noch) abgehängt

Neben der stark unterschiedlichen Performance der einzelnen Dax-Werte gibt es noch eine Besonderheit am deutschen Aktienmarkt: Während der Leitindex Dax von Rekord zu Rekord eilt und in den vergangenen drei Jahren rund 65 Prozent zulegte, führen die deutschen Nebenwerte ein Schattendasein. Der MDax der mittelgroßen Werte kam nur auf ein bescheidenes Plus von knapp 16 Prozent im gleichen Zeitraum, der SDax zumindest noch auf fast 37 Prozent. „Der MDax leidet stärker unter der schwachen deutschen und europäischen Konjunktur, weil viele seiner Unternehmen deutlich stärker vom Heimatmarkt abhängen als die global aufgestellten Dax-Konzerne“, erklärt Nicolas Pilz von der Societas Vermögensverwaltung. Doch könnte sich das Blatt wenden.

Ausschlaggebend dafür wäre, dass sich die Konjunktur und die Investitionsbereitschaft wieder verbessern. Dann hätte der MDax gute Chancen, einen Teil seines Rückstands aufzuholen. Steigleder warnt aber davor, eine schnelle Aufholjagd zu erwarten. „Als Beimischung mit einem Anlagehorizont von fünf Jahren aufwärts kann ein Investment in den MDax aber attraktiv sein“, sagt er.

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