Deep Orange 17 wird auch wegen seines Solarantriebs Luminette genannt. Das Design orientiert sich an den Stromlinienformen eines Kofferfisches. © Clamson University
Greenville – Es sieht aus wie eine rostige Seifenkiste, ist aber ein kleiner akademischer Durchbruch: Studenten der Universität Clemson in Greenville im US-Bundesstaat South Carolina haben ein Elektroauto gebaut, das im Alltagsbetrieb mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. „Deep Orange 17“ wird mit Solarenergie geladen und wurde von Studenten entwickelt, die im August ihren Master in Fahrzeugtechnik gemacht haben. Kräftige Unterstützung bekamen sie dabei aus Bayern – von BMW.
1700 Solarzellen sorgen für Energie
Die Studenten orientierten sich für ihren Prototyp am städtischen Alltagsverkehr, wo Autos im Schnitt etwa 20 Kilometer pro Tag fahren und den Rest der Zeit herumstehen. Durch den Einbau von 1700 Solarzellen, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Solare Systeme entwickelt wurden, kann das Fahrzeug im Stand und während der Fahrt Sonnenenergie tanken. Gleichzeitig versuchte das Team, den Energieverbrauch so niedrig wie möglich zu halten und bekam hier Hilfe von BMW. Durch Leichtbau drückten sie das Gewicht des Autos auf 550 Kilo und integrierten einen besonders effizienten Antriebsstrang und Energiegewinnung durch Rekuperation beim Bremsen.
Ergebnis: Ein E-Auto, das aus eigener Kraft 20 Kilometer im Stadtverkehr schafft und zusätzlich über den Tag noch Energie für 50 weitere Kilometer sammelt. Auch das einem Kofferfisch nachempfundene stromlinienförmige Design trägt zur Reichweite bei, ebenso der Verzicht auf einige Verbraucher. Dennoch ist der Prototyp halbwegs alltagstauglich und verfügt zum Beispiel über ein selbst entwickeltes Infotainment, das die Smartphone-Anbindung durch Android Auto von Google unterstützt. 2027 soll Deep Orange 17 dann sogar auf der Technologiemesse CES in Las Vegas vorfahren. Für die Universität Clemson ist Deep Orange damit ein echtes Vorzeigeprojekt, das weit über das hinausgeht, was andere Universitäten ihren Studenten im Fahrzeugbau bieten.
BMW ist langjähriger Partner der Universität
„Die Universität Clemson ist die einzige uns bekannte Hochschule, an der Masterstudierende in weniger als zwei Jahren einen voll funktionsfähigen Fahrzeugprototyp entwerfen und bauen“, sagte Stephan Augustin, der das Projekt für BMW begleitet hat. „Die Talente und Fahrzeuge, die aus diesem Programm hervorgehen, sind beeindruckend, und wir haben noch nichts Vergleichbares gesehen.“ Tatsächlich hat BMW eine lange Historie bei der Kooperation mit dem Zentrum für Automobilforschung der Uni. Der deutsche Autobauer war im Jahr 2007 Gründungspartner des Zentrums. Im nur etwas mehr als eine Stunde entfernten Spartanburg betreibt BMW sein weltweit größtes Werk.
Aus Deep Orange sind immer wieder spannende Konzeptfahrzeuge hervorgegangen – wohl auch, weil BMW ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum auf dem Campus betreibt. Jedes Jahr startet die Uni ein neues, zwei Jahre laufendes Projekt für ein Konzeptfahrzeug. So arbeiteten die Clemson-Studenten zum Beispiel bereits an einem frei konfigurierbaren Bedienelement für Klimaanlage und Infotainment oder einem umgebauten BMW X3, dessen Heck auf Bedarf eine Ladefläche wie bei einem Pick-up freigibt.
Mit Deep Orange 17 dürfte aber ein besonders spannendes Konzept gelungen sein – für die Uni, aber auch für den Autobauer. Mit BMW habe man einen Partner, „der nicht nur finanziell investiert, sondern auch großzügig Zeit, Fachwissen und Mentoring für unsere Studierenden zur Verfügung stellt“, sagte Greg Mocko, Programmleiter von Deep Orange. „Auch wenn wir einige bemerkenswerte Prototypen vorgestellt haben, sind die Studierenden doch immer das beste Ergebnis dieses Programms.“A. HÖSS