In Mainburg hat Wolf seine Wärmepumpen-Fertigung aufgestockt. Die Kunden wissen „made in Germany“ zu schätzen.
Mainburg – Der Heizungsbauer Wolf ist einer der größten Wärmepumpenhersteller Deutschlands. Gefertigt wird am Stammsitz im niederbayerischen Mainburg – seit dem Frühjahr mit einer neuen Produktionslinie und zusätzlichen Entwicklungskapazitäten. Im Interview erklärt Geschäftsführer Philip Krossa, ob die geplante Renaissance der Gasheizung ihn an seiner Investition zweifeln lässt und weshalb er auf den Standort Deutschland setzt.
Herr Krossa, Sie hatten am Standort Mainburg viel in Ihre Wärmepumpenfertigung investiert. Jetzt will die Regierung den Einbau von Gasheizungen wieder erlauben und die Förderung für Wärmepumpen kürzen. Macht Sie das nervös?
Nein, gar nicht, denn aus unserer Sicht ist die Wärmewende im Gebäudesektor unumkehrbar und wird weiter an Bedeutung gewinnen. Wolf hat früh auf neue Technologien, leistungsfähige Produkte und praxisnahe Schulungen für Handwerker gesetzt. Die Gruppe hat in den letzten drei Jahren 40 Millionen Euro investiert, um u.a. unsere Position in Forschung und Produktion langfristig auszubauen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die Menschen sehr allergisch reagieren, wenn man ihnen zu enge Vorgaben für ihr Zuhause macht. Deshalb gibt es gerade kaum Bewegung, sowohl bei den Wärmepumpen, wie auch bei den Gaskesseln. Und das spürt die ganze Branche an ihrer Auslastung. Nun kommt es darauf an, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Wichtig ist, dass wir jetzt politisch eine Richtung einschlagen und diese auch durchhalten. Sobald eine Förderung angekündigt oder in Frage gestellt wird, haben Sie sofort eine Bremse im Markt. Rein aus Kapazitätssicht könnte die Industrie das politische Ziel von 500.000 Wärmepumpen pro Jahr liefern.
Aber auch ohne Gasheizungs-Verbot: Lohnt sich die Wärmepumpe ?
Bis 2021 war die große Frage: Funktioniert die Wärmepumpe in der Sanierung? Heute hat die Technik die Menschen überzeugt und ist im Markt angekommen. Die Förderung braucht es aber trotzdem, weil die Umrüstung von einer Technologie auf die andere – zum Beispiel von einer Gasheizung auf die Wärmepumpe – teuer ist und umfangreiche bauliche Maßnahmen erfordert. Wenn Sie später eine Wärmepumpe durch die andere ersetzen, ist der Aufwand deutlich geringer. Aktuell arbeiten wir daran, die Technologie auch in Mehrfamilienhäuser zu bringen. Das ist deutlich anspruchsvoller.
Der deutsche Markt ist groß, aber zuletzt politisch unsicher. Ist das ein Problem – oder verkaufen Sie statt Wärmepumpen eben Gasheizungen?
Wir haben uns bewusst nicht nur auf die Wärmepumpe fokussiert, sondern sind breit aufgestellt. Jeder neue Gaskessel ist ja effizienter und klimafreundlicher als ein alter. Wir sind aber überzeugt, dass Erneuerbare Energien mittel- und langfristig der Weg sind. Und so sind unsere Entwicklungskapazitäten ganz klar aufgestellt. Dazu gehört nicht nur die Wärmepumpe, wir bauen auch Lüftungsanlagen. Ist der deutsche Markt politisch unsicher? Ich würde sagen, jeder europäische Markt hatte in den letzten drei bis fünf Jahren die gleiche Entwicklung: Anfangs wurde die Förderung sehr stark positiv bewertet und ausgebaut, später wieder angepasst und reduziert. Für uns bringt das konkret große Schwankungen im Absatz. Schaut man auf die Zahl der installierten Wärmepumpen, steigt sie aber kontinuierlich an.
Was zeichnet Ihre Produkte aus?
Unsere Wärmepumpen punkten vor allem mit niedrigen Geräuschemissionen, Langlebigkeit und Energieeffizienz. Aktuell schaffen acht Jahre alte Luft-Wasser-Geräte von Wolf einen Wirkungsgrad von 4,6. Das bedeutet, sie machen aus einer Kilowattstunde Strom 4,6 Kilowattstunden Wärme. Der Branchendurchschnitt liegt eher bei drei.
Wolf wurde 2023 von der italienischen Ariston-Gruppe übernommen und damit 1800 Mitarbeiter in Deutschland. Wie kommt das? Aktuell hat man eher den Eindruck, dass viele den Standort Deutschland meiden.
Von unseren Kunden bekommen wir absoluten Zuspruch. Unsere Fachhandwerker schätzen es sehr, dass wir in Deutschland entwickeln und produzieren und welche Qualität wir liefern. Unser Stammsitz in Mainburg ist ein historisch gewachsener Standort, den wir kontinuierlich ausgebaut und gestärkt haben. Denn die hochwertigen Wärmepumpen, die wir hier fertigen, sind auch in Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz gefragt.
Aber wäre die Fertigung in China nicht günstiger?
Wenn Sie zum Beispiel eine Million Klimageräte am Band bauen: Logisch. Aber die Wärmepumpe, die der deutsche Endkunde will – geringe Lautstärke, hohe Energieeffizienz, Kältemittel mit niedrigem Treibhauspotenzial – den Markt gibt es in China gar nicht. Damit schaffen sie dort keine Skaleneffekte.