Die Sierra-Gründer Bret Taylor (l.) und Clay Bavor: Die beiden haben sich bei Google kennengelernt, wo Taylor an der Entwicklung von Google Maps beteiligt war. Taylor ist nicht nur Chef von Sierra, sondern leitet auch den Verwaltungsrat von OpenAI. © Sierra AI
München/San Francisco – Die amerikanische KI-Firma Sierra AI kommt nach München. Das auf Künstliche Intelligenz für Kundenprozesse spezialisierte Unternehmen wird im September eine Dependance am Odeonsplatz eröffnen, die gleichzeitig die Zentrale für das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird. „München ist Sitz vieler der wichtigsten global tätigen Unternehmen Deutschlands und ein Zentrum für KI-Innovation“, sagte Sierra-Chef Bret Taylor unserer Zeitung. „Damit ist die Stadt eine naheliegende Wahl für Sierra.“ Man habe München wegen der hohen Dichte an großen Konzernen, der starken Universitäten und der großen Zahl gut ausgebildeter Menschen aus der Technologiebranche ausgesucht.
Gründer kommt von Google und OpenAI
Sierra wurde 2023 von Bret Taylor und Clay Bavor gegründet. Taylor ist Chef des Verwaltungsrats bei OpenAI, er hat Google Maps mitentwickelt und war Co-Chef bei Salesforce. Clay Bavor hat lange Google Labs geleitet, das KI-Zentrum von Google. Die beiden haben sich in ihrer Zeit beim Suchmaschinen-Konzern kennengelernt. Ihr Start-up Sierra ist umgerechnet bereits 15 Milliarden Euro wert. Zu den größten Investoren gehören der Risikokapitalfonds von Google sowie die Beteiligungsgesellschaft Tiger Global, Benchmark Capital, Sequoia und Greenoaks Capital. Die KI von Sierra ist laut eigenen Angaben bereits in knapp der Hälfte der 50 umsatzstärksten US-Konzerne im Einsatz.
Sierra ist auf KI-Agenten für den Kundenservice spezialisiert. Anders als klassische Chatbots übernimmt die KI dabei nicht nur die Kommunikation mit dem Kunden oder einfache Unterstützungsprozesse. Sie kann auch komplexe Vorgänge in stark regulierten Branchen wie dem Bankwesen bearbeiten. Die KI-Agenten können zum Beispiel auf Firmendatenbanken zugreifen, um Anfragen zu prüfen und zu beantworten oder Rücksendungen und Buchungen einleiten. Hauptsitz von Sierra ist San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien, zudem hat die Firma Büros in Singapur, Tokio, Toronto, Paris, Madrid und London. Als Kunden peilt das Start-up etwa Firmen aus der Finanzwelt, der Gesundheitsbranche oder dem Einzelhandel an. So nutzt in Europa zum Beispiel die spanische Großbank Santander die Dienste von Sierra. Auch mit deutschen Unternehmen soll es bereits Verträge geben.
München entwickelte sich in den vergangenen Jahren dank Forschungszentren wie der TU und der LMU München, dem Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme oder den Max-Planck-Instituten für Intelligente Systeme und für Informatik zum deutschen KI-Zentrum.
Neben Sierra haben unter anderem OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft, Apple, Amazon und IBM große Standorte in München. Allein Google beschäftigt mehrere Tausend Mitarbeiter in einem Zentrum für maschinelles Lernen und KI-Forschung. Auch Münchner Industriekonzerne wie Siemens arbeiten immer mehr an KI-Anwendungen. Die Telekom hat zudem vor Kurzem in der Nähe des Englischen Gartens die erste deutsche KI-Fabrik eröffnet.
In Bayern entstehen außerdem viele starke Start-ups in der Technologiebranche, die meisten kommen aus dem Umfeld der Münchner Universitäten. So gehört zum Beispiel Celonis zu den erfolgreichsten Gründungen in Europa. Das Unternehmen durchforstet die IT-Systeme von Firmen, um mit KI Prozesse zu optimieren. Auch der Erfolg von Firmen wie dem Fernbusbetreiber Flixbus oder dem Drohnenhersteller Helsing beruht auf KI. Flixbus nutzt schlaue Software, um Buchungen, Auslastungen und Fahrpläne zu steuern. Helsing fliegt seine Drohnen mit KI.A. HÖSS