Der Fernverkehr soll sich nicht auf die großen Metropolen beschränken. Auch in Städten wie Fürstenfeldbruck könnten die schnellen Züge halten. © Christoph Schmidt/dpa
München – Die Grünen wollen den Fernverkehr weiter in die Fläche bringen. Dazu schlägt Matthias Gastel, Bahnexperte der Grünen im Bundestag, die Gründung einer Fernverkehrs-Gesellschaft vor. Diese GmbH solle unter Aufsicht des Bundes stehen und den Deutschlandtakt konsequent umsetzen. „Wir bringen den Intercity zurück in deinen Bahnhof“, ist der Gesetzentwurf plakativ umschrieben. Sogar eine Liste von zumeist eher kleinen Städten, in denen ein ICE oder auch ein (zuletzt von der DB arg vernachlässigter) Intercity potenziell halten könnte, haben die Grünen schon vorgelegt. „Mit unserem Konzept werden über 150 Städte neu oder verbessert an den Fernverkehr angebunden“, sagte Gastel. Man habe sich angesehen, wo es früher einmal Fernverkehr gab, jetzt aber nicht mehr. 78 Bahnhöfe wurden so identifiziert – darunter auch Fürstenfeldbruck, Kaufering, Hof, Marktredwitz, Schweinfurt oder Weiden. An 81 Bahnhöfen in Deutschland könne das Angebot deutlich ausgeweitet werden – auch in bayerischen Städten wie Freising, Regensburg, Immenstadt, Lindau oder Buchloe. Schrittweise sollen die Städte in Zeitabständen von 30 Minuten bis zu zwei Stunden miteinander verbunden werden. Das wird nicht über Nacht erreicht, sondern erst über einen langen Zeitraum.
Kapazitätsengpässe sieht Gastel nicht als Hauptproblem an, wohl aber finanzielle Unsicherheiten. Aufgabe der neuen Fernverkehrs-GmbH solle sein, für wenig lukrative Strecken als Anreiz gezielt Trassenpreise zu senken und einen Fernverkehrs-Fahrplan zu erstellen. 200 bis 400 Millionen Euro im Jahr veranschlagt Gastel dafür.
Die Pläne der Grünen sind nicht isoliert zu sehen. Die Ankündigung von Italo und Flixtrain, auf „Rennstrecken“ wie München–Berlin eigene Züge in Konkurrenz zum ICE fahren zu lassen, hat die Verkehrspolitiker wachgerüttelt. In Bayern hatte Verkehrsminister Christian Bernreiter jüngst eine Bundesratsinitiative angekündigt und erklärt: „Notfalls muss der Bund den Schienenpersonenfernverkehr bestellen und die Fernverkehrshaltestellen und deren Bedienfrequenz festlegen.“ Erst jüngst hatte die Bundesnetzagentur Italo Trassen-Kontingente zugebilligt – das heißt, die DB InfraGo muss den Italienern bestimmte Strecken zu bestimmten Zeiten zur Verfügung stellen. Die Deutsche Bahn klagt dagegen. Die Eisenbahnergesellschaft EVG hat sich strikt gegen Italo positioniert. Die Grünen hingegen begrüßen die neuen Wettbewerber. „Wir unterstützen das und freuen uns“, sagt Gastel.DIRK WALTER