Die Exporte in die USA und nach China sind deutlich eingebrochen. In Europa fanden deutsche Produkte hingegen mehr Absatz. © Christian Charisius/dpa
Wiesbaden – Der Handel mit den europäischen Nachbarländern hat Deutschland seine Exportbilanz gerettet. Die Lieferungen nach China und in die USA sackten zwar deutlich ab, das wurde aber kompensiert von deutlichen Steigerungen bei den Lieferungen in andere EU-Länder, wie das Statistische Bundesamt berichtete.
Insgesamt exportierte Deutschland im ersten Halbjahr Waren im Wert von 817,8 Milliarden Euro – 3,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der wichtigste Abnehmer waren weiterhin die USA. 73,1 Milliarden Euro an US-Exporten bedeuten jedoch einen Rückgang um 6,1 Prozent. Hier machen sich die Zölle von US-Präsident Donald Trump deutlich bemerkbar. Stark sanken etwa die Autoexporte in die USA (minus 17,2 Prozent).
Nach Frankreich lieferten deutsche Unternehmen hingegen mit 63,2 Milliarden Euro 7,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Exporte in die Niederlande stiegen stark, um neun Prozent auf 60,5 Milliarden Euro. China sackte im Ranking der wichtigsten Abnehmerländer weiter ab. Die Exporte in die Volksrepublik sanken um 12,2 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro.
Zugleich stiegen die Importe aus China weiter stark an – um 8,8 Prozent auf 89,1 Milliarden Euro. Auch die Einfuhren aus den USA stiegen deutlich – um sieben Prozent auf 50,6 Milliarden Euro. Im Handel mit den USA bleibt damit weiterhin ein bedeutender Exportüberschuss, während der Handel mit China immer unausgeglichener zu Ungunsten Deutschlands wird.
Die Zahlen zeigten, „wie stark die deutsche Wirtschaft durch die geoökonomischen Verschiebungen unter Druck gerät“, erklärte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Sowohl China als auch die USA versuchten „mit aggressiver Handels- und Industriepolitik, ihre eigene Industrie zu stützen und ausländische Anbieter aus ihrem Markt zu verdrängen“. Perspektivisch werde Europa „die einzige relevante Quelle von Exportwachstum sein“, prognostiziert der Ökonom. „Länder wie Indien oder Brasilien sind im globalen Maßstab zu klein, um den Verlust von Marktanteilen in den USA und China auszugleichen.“
Autos und Autoteile waren den Angaben des Statistikamts zufolge trotz eines Rückgangs um 5,8 Prozent weiterhin die wichtigsten deutschen Exportgüter. An zweiter Stelle liegen Maschinen, wo es einen leichten Rückgang gab. Ein deutliches Plus von 9,5 Prozent gab es bei Datenverarbeitungsgeräten und elektrischen und optischen Erzeugnissen. Auch die Chemie-Industrie exportierte mehr.DPA