US-Schulden alarmieren Anleger

von Redaktion

Wegen Inflationssorgen und ausufernder Staatsverschuldung sind die Renditen von Staatsanleihen deutlich gestiegen. Ein Warnsignal für Anleger.

An den Weltbörsen (wie hier an der Wall Street in New York) schaut man nicht nur auf die Aktienkurse – sondern auch auf die Konkurrenz: Anleihenrenditen. Und die sind derzeit hoch. © Michael M. Santiago/GETTY IMAGES NORTH AMERICA,AFP

Washington/München – Der Anleihemarkt ist für Investoren so etwas wie ein Frühwarnsystem am Kapitalmarkt. Denn steigen dort die Renditen, dann kann das auf steigende Inflationserwartungen, eine Wirtschaftskrise oder Bonitätsrisiken bei den Emittenten hindeuten. Genau das ist zuletzt passiert und beschäftigt die Marktteilnehmer: Viele Staatsanleihen wurden auf den Markt geworfen, woraufhin deren Kurse nach unten gingen, während die Renditen sprunghaft anstiegen – und zwar weltweit.

Besonders hat es 30-jährige Staatsanleihen getroffen: In den USA kletterte deren Rendite auf 5,33 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2007. Hierzulande notiert die 30-jährige Bundesanleihe bei 3,78 Prozent – der höchste Stand seit 2011. Und auch zehnjährige Staatsanleihen waren betroffen: Am US-Markt stieg deren Rendite auf über 4,7 Prozent.

■ Rückkaufprogramm hilft nur bedingt

Letzteres ist besonders kritisch: „Tatsächlich ist die Marke von fünf Prozent bei US-Staatsanleihen eine Art psychologische Grenze für Anleger“, erklärt Burkhard Wagner von der Partners Vermögensmanagement AG in München. „Das heißt, sie bekommen dann eine risikofreie Rendite in dieser Höhe, was sie deutlich attraktiver macht als beispielsweise Aktien.“ Kein Wunder also, dass das US-Finanzministerium sofort reagierte und bekannt gab, den Umfang der Staatsanleihekäufe im Rahmen eines Rückkaufprogramms mindestens zu verdoppeln. „Damit wollte man vermeiden, dass man der Fünf-Prozent-Marke zu nahe kommt“, so Wagner.

Zwar sorgte dies für eine leichte Beruhigung am Anleihemarkt, doch ist die Gefahr damit nicht vorüber. Denn die Gründe für den deutlichen Renditeanstieg sind vielschichtig. „Ein genereller Grund ist in den steigenden Rohstoffpreisen zu sehen und hier vor allem im Ölpreis, der durch die Sperrung der Straße von Hormus immer wieder nach oben getrieben wird“, sagt Wagner. Zuletzt stieg er wieder deutlich über 90 US-Dollar je Barrel.

Zudem dürfte die Dürre zu knapperen Ernten führen, gleichzeitig gehen die Weizenlieferungen aufgrund des Krieges in der Ukraine zurück. Die gestiegenen Anleiherenditen sind also ein Ausdruck dafür, dass die Investoren nicht mit einem baldigen Abflauen der Inflation rechnen.

Laut dem Analysehaus Morningstar zählen zu den Gründen aber auch der massive Anstieg der Unternehmensverschuldung zur Finanzierung des Ausbaus der Infrastruktur im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und nicht zuletzt die weltweit steigende Staatsverschuldung. Laut aktuellen Zahlen des US-Finanzministeriums ist die Verschuldung der USA zuletzt zum ersten Mal über die Marke von 40 Billionen US-Dollar, umgerechnet 34,3 Billionen Euro, gestiegen. Und steigende Renditen treiben die Zinslast der Staaten nach oben.

Rendite schlägt Inflation locker

Was bedeutet das alles nun für Anleger? Anleihen und damit auch ETFs, die auf Anleihen setzen, mussten deshalb Kursverluste hinnehmen. Allerdings könnte es sich auch lohnen, jetzt zu investieren, da zum Beispiel die Renditen von US-Staatsanleihen zum Teil deutlich über der Inflationsrate liegen. Das Risiko: Steigen die Renditen weiter, drohen Kursverluste – allerdings nur, wenn man die Papiere vor Ablauf verkauft.

Finanzierungen werden teurer

Negativ sind steigende Anleiherenditen aber für die Immobilienbranche, weil sich dadurch die Finanzierung verteuert, aber auch für den Aktienmarkt. Der hat sich zwar gut gehalten, was vor allem an den nach wie vor starken Gewinnmeldungen der Unternehmen liegt. Dennoch drohen Staatsanleihen zu einer immer attraktiveren Alternative zu werden. Wenn Unternehmen mit ihren Zahlen enttäuschen, könnte es deshalb zu einer Umschichtung in Staatsanleihen und damit zu stärkeren Kurseinbrüchen kommen. Auch für Gold sind die hoch verzinsten US-Anleihen eine Konkurrenz. Schließlich wirft Gold keine laufenden Erträge ab.

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