Mäzen und Milliardär Kühne gestorben

von Redaktion

Eröffnung des neuen Hotels The Fontenay, 2018, am Hamburger Alsterufer. © dpa

Dauergäste beim HSV: Klaus-Michael Kühne und seine Frau Christine. © Charisius, dpa

Prägte eine ganze Branche: Klaus-Michael Kühne machte das Familienunternehmen Kühne + Nagel zum Weltkonzern. Er lebte in der Schweiz. © Axel Heimken/dpa

Hamburg – Die meiste Aufmerksamkeit hat er in den letzten Jahren seines Lebens als Stifter einer neuen Oper in Hamburg, als Sponsor und Fan des HSV sowie als Luxus-Hotelier bekommen. Doch das wird seinem enormen Einfluss auf die Logistik-Wirtschaft nicht gerecht. Klaus-Michael Kühne, Inhaber des Konzerns Kühne+Nagel, hat die ganze Branche mitgeprägt. In der Nacht zu Montag starb er nach Angaben des Konzerns im Alter von 89 Jahren im schweizerischen Schindellegi.

Kühne musste schon als junger Mann Verantwortung tragen. Sein kränkelnder Vater wollte den einzigen Sohn an der Spitze des Familienunternehmens Kühne+Nagel sehen und betraute ihn früh mit Führungsaufgaben. „Zu früh“, sagte Kühne einmal in einem Gespräch mit der „Zeit“. „Ich habe manchen Fehler gemacht.“ Und er habe auf vieles verzichten müssen.

Vermögen bei geschätzt 35 Milliarden

Nach dem frühen Start entwickelte er aus dem mittelständischen Speditionsunternehmen einen weltweit führenden Logistik-Konzern. Dabei lief nicht immer alles glatt. Zweimal musste sich Kühne von Teilen seines Unternehmens trennen und kaufte sie später wieder zurück. Doch am Ende steht ein Weltkonzern mit mehr als 1300 Niederlassungen in fast 100 Ländern und rund 88.000 Beschäftigten. Wie reich Kühne wirklich war, wusste nur er selbst. Das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ hielt ihn jedenfalls für den reichsten Deutschen in der Schweiz. Schätzungen gingen im vergangenen Jahr von einem Vermögen von 35 Milliarden Euro aus. Das meiste Geld steckt in den Aktien seines Konzerns. „Ich sage immer, das ist Papiergeld, das steht nur auf dem Papier“, gab er einmal lakonisch zu Protokoll. „Wenn der Kurs um zehn Prozent fällt, ist schnell eine halbe bis dreiviertel Milliarde weg.“

Kühne war auch der größte Aktionär der Lufthansa, er hielt zuletzt 20 Prozent der größten deutschen Fluggesellschaft. Auch an Flix in München hält er Anteile. Die Beteiligung an Immobiliengeschäften des Österreichers René Benko fiel ihm mit dem Kollaps von dessen Imperium auf die Füße: Er habe sich um den Finger wickeln lassen und eine halbe Milliarde Euro verloren, bekannte Kühne in der „FAZ“.

Seiner Heimatstadt Hamburg blieb Kühne auch nach dem Umzug in die Schweiz eng verbunden. Er engagierte sich mit rund einer Milliarde Euro bei Hapag-Lloyd und trug maßgeblich dazu bei, dass die Traditionsreederei in Hamburg bleiben konnte. Der kinderlos gebliebene Kühne unterstützte über Stiftungen das Kulturleben in Hamburg, hat Millionen für die Elbphilharmonie gegeben und eine Logistik-Hochschule in der Hansestadt gegründet. Als 80-Jähriger ließ Kühne für 130 Millionen Euro am Alsterufer das Luxus-Hotel The Fontenay bauen.

Förderer und Fan des HSV

Kühne galt auch als Förderer und Kritiker des HSV. Er hat dem Verein mit Darlehen und Zuwendungen geholfen, besaß auch Aktien der HSV Fußball AG, also der Profiabteilung des Vereins, und übernahm für mehrere Jahre die Namensrechte am Volksparkstadion. Insgesamt belief sich das Engagement des sparsamen Logistikers auf einen höheren zweistelligen Millionenbetrag.

Viel Kritik gab es am Ursprung seines märchenhaften Vermögens, denn das Familienunternehmen Kühne+Nagel hatte im Zweiten Weltkrieg mit dem NS-Regime zusammengearbeitet und geraubte Güter aus jüdischem Besitz transportiert. Anders als viele andere Unternehmer weigerte sich Kühne jedoch zeit seines Lebens, die Vergangenheit von einer unabhängigen Stelle wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. „Für mich ist das Kapitel abgeschlossen, und ich werd’s nicht wieder öffnen“, sagte er dem „Spiegel“. „Ungeschehen machen kann man es leider nicht.“

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