Die mit Abstand meisten Exporte gehen in EU-Länder. Europas Wirtschaft ist eng verzahnt. © Jerry Andre/IMAGO
München – Der Export in andere Länder der EU sichert in Deutschland etwa 7,2 Millionen Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Prognos im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Insgesamt hänge eine Bruttowertschöpfung von rund 550 Milliarden Euro an der Nachfrage aus anderen EU-Ländern. Der grenzüberschreitende Austausch innerhalb der EU sei „mit Blick auf die immer schwierigeren Handelsbeziehungen zu den USA und China noch wichtiger für uns geworden“, sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2022 – für aktuelle Jahre liegen die dafür nötigen Daten noch nicht vor. Die Bedeutung dürfte aktuell aber eher zunehmen als abnehmen. Im ersten Halbjahr 2026 etwa hatten Ausfuhren in die EU die schrumpfenden Exporte in die USA und China ausgleichen können.
„Im internationalen Vergleich ist die EU für Deutschland deutlich wichtiger als andere große Wirtschaftsräume“, betont Brossardt. „Sie bietet stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, deren Bedeutung angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheiten weiter zunimmt.“
Besonders hohe Wertschöpfung in Deutschland, die auf Nachfrage aus der EU zurückgeht, gibt es unter anderem im Auto- und Maschinenbau, aber auch der Chemie. „Schlüsselindustrien wie der Kraftwagen- und Maschinenbau profitieren nicht nur am stärksten von der europäischen Importnachfrage, sondern sind zugleich strukturell eng in europäische Produktionsnetzwerke eingebettet“, heißt es in der Studie.
Das setzt die Wirtschaft allerdings auch einer besonders hohen Abhängigkeit in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung in den anderen EU-Ländern aus. Eine wirtschaftliche Stagnation dort würde das Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um mehr als 20 Milliarden Euro schrumpfen lassen. Besonders stark träfe dies Autobau, Maschinenbau und Chemie.
Die Studie beschäftigt sich aber nicht nur mit den Auswirkungen der Exportnachfrage, sondern auch denen der Freizügigkeit im Schengenraum. Summiert man deren Effekte für Güterverkehr, Tourismus und grenzüberschreitende Pendler aus Deutschland auf, kommen die Forscher auf einen positiven Effekt von 1,5 Milliarden bis 2 Milliarden Euro.
„Die Studie macht deutlich, dass wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa verbessern und so unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken müssen“, sagt Brossardt. „Der Binnenmarkt muss vollendet werden, indem wir nach wie vor bestehende Handelshemmnisse abbauen. Ein wirtschaftlich starkes Europa sorgt gerade in Deutschland und Bayern für Wachstum.“
Der soeben von AfD-Chefin Alice Weidel per Sommerinterview geforderte Ausstieg Deutschlands aus dem Euro trifft bei der Wirtschaftsvereinigung auf völliges Unverständnis. „Es wäre gefährlich, wenn wir aus der zweitwichtigsten Währung der Welt aussteigen“, sagte Brossardt. „Unsere europa- und weltweit vernetzten Unternehmen würden für Krisen deutlich anfälliger.“ Ein Austritt Deutschlands „würde die Europäische Einigung in eine tiefe Krise stürzen“.MAS, MM