Strom, Gas & Heizöl: Jetzt vorsorgen

von Redaktion

Heizöl ist in Bayern teuer. Doch in Norddeutschland kostet es noch mehr, und viele Kunden haben noch nicht bestellt. Experten warnen vor einer Kaufwelle. © Christian Charisius/dpa

München – Vieles erinnert an den Beginn der Gaskrise 2022: Die Speicher sind zu leer, die Lieferungen – diesmal aus Nahost – eingeschränkt. Doch die Vorzeichen sind andere.

■ Erdgas

Die Preise am europäischen Referenzmarkt TTF haben gestern die Marke von 69 Euro pro Megawattstunde (MWh) gerissen und waren damit so hoch wie seit drei Jahren nicht. Dennoch beruhigt Tobias Federico, Chef-Analyst beim Fachdienst Montel Analytics: „Durch die neuen LNG-Kapazitäten steht Deutschland relativ gut da. Ein Gasmangel ist nicht zu erwarten.“ Er sieht aber die Gefahr von Sabotage: „Europa bekommt ein Drittel seines Erdgases über Unterwasserpipelines aus Norwegen. Und im Stromnetz sind Umspannwerke die neuralgischen Punkte.“ Der Fund der Sprengstoffdrohne am Leipziger Flughafen habe gezeigt, dass Deutschland seine Infrastruktur nicht schützen könne. Dazu kommt: Die Gasspeicher sind nur zu rund 50 Prozent gefüllt. Vor dem Ukraine-Krieg waren es um diese Zeit knapp 80. „Der Markt erwartet eine Öffnung der Straße von Hormus zum Ende des Jahres. Darum ist Gas jetzt im Sommer teurer als im Winter. Und deshalb lohnt sich speichern nicht“, erklärt Federico. „Bleibt die Öffnung aus, werden auch die Winterpreise steigen.“ Mit knapp 70 Euro sei Gas relativ teuer. Zu Jahresbeginn waren es unter 30. „Höhere Preise würde ich nur sehen, wenn wir weiteren Wettbewerb mit Asien bekommen – etwa in einem kalten Winter“, erklärt der Experte. „Preisspitzen wie 2022 werden wir aber unter normalen Umständen nicht sehen.“ Damals waren es über 300 Euro.

■ Strom

Trotz rekordverdächtiger Solarstromproduktion sind die Strompreise seit Wochen deutlich erhöht: „Das Wetter beeinflusst die Strompreise kurzfristig stark, im Monatsmittel sind die Preise für Gas und CO2-Zertifikate entscheidend“, erklärt Federico. „In den vergangenen Wochen hatten wir mittags enorm viel Solarstrom im Netz, abends mussten aber Gaskraftwerke laufen. Besonders, weil gerade viele Kohlekraftwerke in Revision sind.“ Das zieht den Schnitt nach oben.

■ Tipp für Verbraucher

„Dieser Winter wird noch einmal spannend“, warnt Tobias Federico. Für den Fall steigender Preise können Verbraucher sich heute mit neuen Strom- und Gastarifen für 12 Monate Stabilität sichern – oft mit attraktiven Wechselprämien. In München kostet Strom (4000 Kilowattstunden) ab 25 ct/kWh, Erdgas ab 10 ct. Beides gilt inklusive Grundgebühr und Wechselprämie. Ungeachtet der hohen Börsenpreise ist Strom günstiger als noch Ende Februar, zeigen Daten des Vergleichsportals Verivox. Erdgas dagegen habe sich rund 20 Prozent verteuert. Kommendes Jahr könnte es neue Chancen geben: „2027 gibt es dann neue LNG-Kapazitäten in den USA“, so Tobias Federico, „und auch einige Regionen in Afrika, Lateinamerika und Kanada könnten spannende Exporteure werden.“

■ Heizöl

Die Rohölpreise hatten gestern rund 3 Prozent nachgegeben und landeten mittags bei rund 90 Dollar pro Barrel, nah am Jahreshoch von 99 Dollar Mitte Mai. Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch vermutet als Ursache einen Bericht von Sinopec, Chinas größtem Raffinerie-Konzern: Demnach sei die Inlandsnachfrage im ersten Halbjahr um 8,6 Prozent gesunken. Teils weil der Sprit teuer war, teils weil mehr E-Autos in den Markt kamen. Damit habe die chinesische Ölverarbeitung ihren Höhepunkt bereits dieses Jahr überschritten, statt, wie erwartet, erst 2027. Sollte sich die Lage in der Straße von Hormus normalisieren, würde das langfristig für ein Überangebot am Ölmarkt sorgen, so Fritsch. Doch bis dahin ist die Lage eng. Auch Heizöl ist mit über 1,20 Euro pro Liter (3000 Liter in München) weiter teuer, obwohl es gestern etwas günstiger war. Für Oliver Klapschus, Chef des Vergleichsportals Heizoel24, ist das ein Kaufsignal: Wer dringend Öl brauche, solle jetzt einen halben Tank kaufen und dann auf den Jahreswechsel warten. Denn bisher sei kaum Brennstoff bestellt worden – und Klapschus erwartet eine Nachfragewelle im September.

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