Anleihe-Renditen wieder attraktiv

von Redaktion

Einer der wichtigsten Menschen für die Anleihe-Märkte: Fed-Chef Kevin Warsh. Die Haushalts- und Zinspolitik der USA hat großen Einfluss auf die Zinsniveaus. © Rod Lamkey/dpa

Berlin – Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen verharrt aktuell auf Rekordhoch. Seit Ende Juli auf dem Vormarsch, erreichten sie nach Angaben der Deutschen Bundesbank mit 3,26 Prozent aktuell einen vorläufigen Spitzenwert – so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Auch die Rendite fünfjähriger deutscher Staatsanleihen – sogenannter Bundesobligationen – liegt knapp unter drei Prozent – der höchste Wert seit Ende 2008.

Für private Anleger würden langlaufende Staatspapiere so attraktiv wie lange nicht mehr, erwartet deshalb das Verbraucherportal Biallo. Das Kräfteverhältnis zwischen den Anlageklassen verändere sich grundlegend, sagt auch Analystin Birgit Henseler von der DZ-Bank: „Sichere Anleihen werfen nach Abzug der Inflation wieder positive Realrenditen ab.“

Motor der Veränderung in diesen Tagen ist ein schleichender Vertrauensverlust:Weltweit verschulden sich Staaten stark. Das kratzt am Image der unbedingten Verlässlichkeit vor allem bei langlaufenden Papieren. Der über Jahrzehnte unangetastete Nimbus der Staatspapiere als sicherer Hafen erodiere langsam, während Schuldenstände, Haushaltsdefizite und Refinanzierungsbedarfe steigen, konstatieren die Vermögensverwalter von Union Investment. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt auf knapp 4,75 Prozent – den höchsten Stand seit 2007.

Weil in Deutschland gleichzeitig das Wirtschaftswachstum nur schwer in Gang kommt, blicken Ratingagenturen aufmerksamer auf die steigende Schuldenlast.

Belastet werden die Anleihemärkte überdies durch Inflationssorgen, vor allem weil der Iran-Konflikt weiter schwelt und die Ölpreise nicht sinken. Steigen die Inflationserwartungen, verlangen Käufer von Staatsanleihen eine höhere nominale Rendite, um ihren realen Kaufkraftverlust auszugleichen – vor allem bei langlaufenden Anleihen, weil sich der Effekt über die gesamte Laufzeit kumuliert.

Massiver Kapitalbedarf vor allem der US-Technologiekonzerne für den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur sorgt zusätzlich für Konkurrenz durch Unternehmensanleihen. Die Anbieter großer Cloud-Infrastrukturen, die sogenannten Hyperscaler, besorgen sich in diesen Tagen Kapital, indem sie attraktiv verzinste Bonds ausgeben. Wegen der massiven Schuldenlast verlagere sich Bonität teilweise von den Staaten auf Unternehmen, analysiert Union Investment.

Hauptaufgabe von Staatspapieren in einem Anlageportfolio sei klassisch die Absicherung gegen unkalkulierbare Risiken, erklärt der Vermögensverwalter DWS. Vor diesem Hintergrund entwickle sich der Rentenmarkt allerdings zum Sorgenkind.

Ob sich der Kauf eine Bundesanleihe für private Anleger tatsächlich lohne, hänge neben der Rendite der Anleihe auch davon ab,welche Kosten beim Kauf anfallen – und welcher Ertrag sich mit einer alternativen Anlage erzielen lasse, erklärt Biallo.

Hält ein Anleger eine Bundesanleihe bis zum Ende der Laufzeit, entstünden Kosten nur beim Kauf. Verglichen mit Festgeld lohne sich die Anleihe, wenn ihre Netto-Rendite höher ausfalle als bei einer Festgeldanlage, so Biallo. Auch bei Fest- und Tagesgeld haben sich die Zinsen in den vergangenen Wochen bei einigen Anbietern spürbar nach oben bewegt.

Entscheidend sei das Risikoprofil der Anleger, betonen die Portfoliomanager der DWS. Die volatilen Verhältnisse in Politik und Wirtschaft ließen die Nachfrage nach sogenannten Multi-Asset-Anlagen steigen: Ohne diesen Puffereffekt seien Aktienmärkte allerdings nicht zu schlagen.