Vier Werke und tausende Arbeitsplätze stehen zur Disposition. Darunter auch das Audi-Werk in Neckarsulm.
Wolfsburg – Vor einer möglicherweise entscheidenden Sitzung des VW-Aufsichtsrats ist die Zukunft mehrerer deutscher Werke höchst ungewiss. Medienberichten zufolge soll die Produktion nach dem Willen des Vorstands in Emden und Zwickau im Jahr 2031, im Nutzfahrzeugwerk Hannover 2032 und im Audi-Werk Neckarsulm 2034 auslaufen. Diese Darstellung stößt aber auf heftigen Widerspruch aus der Politik und von Arbeitnehmervertretern.
Volkswagen wollte sich auf Anfrage nicht zu den Berichten äußern. Ein Sprecher des Konzerns bat um Verständnis, dass man interne Unterlagen nicht kommentiere. „Diese werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess greifen wir nicht vor.“
Gewerkschaft: Alles Unsinn
Die IG Metall weist den Eindruck, dass das Aus für die Werke bereits beschlossen sei, als „Quatsch“ zurück. „Der Vorstand kann zunächst vieles beschließen“, heißt es. In Kraft trete das damit aber noch lange nicht alles automatisch. Die Folgebelegung der Werke sei Teil der Planungsrunden, also der regelmäßig fortgeschriebenen Investitionsvorhaben des Konzerns. „Und die müssen durch den Aufsichtsrat.“
Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sieht ebenfalls keine vollendeten Tatsachen: „Bei Entscheidungen von solcher Tragweite führt kein Weg an den zuständigen Gremien, ergo dem VW-Aufsichtsrat, vorbei“. Er warf dem Vorstand vor, über die Medien Verunsicherung zu erzeugen. „Was aus dem Unternehmen nach außen dringt, vermittelt zunehmend das Bild einer bewussten Konfrontation. Wenn der Vorstand diesen Konflikt sucht, wird er ihn bekommen“, teilte Gröger mit.
Zentrales Thema in der Aufsichtsratssitzung dürften die Zukunfts- und Sparpläne von VW-Chef Oliver Blume sein. Anfang Juli waren die Pläne am Widerstand der Arbeitnehmer und des Landes gescheitert. Berichten zufolge hat der Vorstand bereits seit einiger Zeit einen Alternativplan in der Schublade: Er könnte eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Aktionäre selbst abstimmen zu lassen. Auch dort hat Niedersachsen eine Sperrminorität.
Niedersachsen will kämpfen
Die rot-grüne Landesregierung will nach eigenen Angaben um alle vier Werke kämpfen. „Ein Standort in Neckarsulm ist genauso wichtig wie ein Standort in Zwickau, wie ein Standort in Hannover, wie ein Standort in Emden“, sagte ein Regierungssprecher. Konzepte, die Werkschließungen, einen massiven Rückbau der Beschäftigung und die Aushöhlung des VW-Gesetzes in den Mittelpunkt stellten, seien aber nicht zustimmungsfähig. Erklärtes Ziel sei, zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sitzt selbst in dem Kontrollgremium, ebenso seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne).
Blume: „Lage ist mehr als kritisch“
Die VW-Führung betont bereits länger, dass der laufende Jobabbau – 50.000 Stellen bis 2030 – und die bisher erreichten Einsparungen in den Fabriken nicht ausreichen. „Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte Blume beim Auftakt einer Reihe außerordentlicher Betriebsversammlungen an verschiedenen VW-Standorten zuletzt.