Die Krankenkassen und das Geld

von Redaktion

Drei Fragen und Antworten zu einem schwer zu durchschauenden System

Im Gesundheitssystem geht es um gewaltige Summen. Reformen sind wegen vielfältiger Interessen schwer durchsetzbar. © WSF

München/Berlin – Die Gesundheitspolitik ist ein umstrittenes Thema. Reform der Krankenkassen, der Pflegeversicherung – mehrere Gesetze werden diskutiert, überall fehlt Geld. Dabei ist die Branche schwer zu durchschauen. Hier drei grundsätzliche Fragen und Antworten.

Wie viel verdienen die Ärztinnen und Ärzte?

Einen Hinweis gibt die Statistik der Gesetzlichen Krankenversicherungen: 193.000 Euro Reinertrag erwirtschafteten Hausärztinnen und -ärzte 2023 durchschnittlich, die eine eigene Praxis betrieben. Bei den Fachpraxen, die sich beispielsweise um Erkrankungen der Haut, des Bewegungsapparates oder der Organe kümmern und operieren, waren es 216.000 Euro. Manche Praxis verdient viel weniger, manche aber auch mehr. Dabei ist der Reinertrag vergleichbar mit dem Bruttoeinkommen von Beschäftigten – unter anderem Steuern gehen davon noch ab. Dass es sich insgesamt um eine ziemlich gut verdienende Berufsgruppe handelt, zeigt der Vergleich mit dem allgemeinen Durchschnittseinkommen: Dieses betrug 2025 hierzulande rund 60.000 Euro. Argumente für die hohe Bezahlung sind etwa die lange, harte und teure Ausbildung und die Qualitätsanforderungen – machen Ärzte Fehler, können diese lebensbedrohend sein. Außerdem erklären die Berufsverbände, die Praxiskosten würden regelmäßig erheblich steigen, während die Honorare dahinter zurückblieben. Der Fachjournalist Andreas Hoffmann weist jedoch darauf hin, dass die Ärztehonorare stärker gewachsen seien als die Löhne der Beschäftigten.

Warum gibt es 93 Krankenkassen?

Die Liste der hierzulande aktiven gesetzlichen Krankenkassen ist vielfältig. Da gibt es die überregional bekannten und großen wie Barmer, DAK oder die AOKs, aber auch Betriebskrankenkassen wie die TUI BKK oder Miele BKK. Als der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann noch Generalsekretär der CDU war, schlug er vor, die Zahl der Kassen von jetzt 93 auf zehn oder 20 zu verringern. Die Hoffnung: Fusionen sparen Geld, zum Beispiel das der Versicherten. 20 Unternehmensvorstände kosten weniger als 93. Die Vielfalt hat historische Gründe. „Bevor Reichskanzler Otto von Bismarck die gesetzliche Sozialversicherung gründete, gab es schon hunderte Krankenkassen von Städten, des Handwerks und einzelner Berufsgruppen“, erklärt Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement der Uni Duisburg-Essen, „danach stieg die Zahl bis auf 6000 Kassen an.“ Mittlerweile ist die Zahl stark gesunken, und der Professor ist skeptisch, ob weitere Fusionen etwas bringen. „Nur rund fünf Prozent der Kassenausgaben dienen der eigenen Verwaltung“, gibt Wasem zu bedenken, „wenn dieser Posten sinkt, ist das wenig relevant für die Beiträge der Versicherten.“ Doch die Zahl der Versicherungen geht sowieso zurück. Vor 20 Jahren waren noch fast 300 am Start, jetzt nur noch ein Drittel – ein Ergebnis der Gesundheitspolitik. „Der erwünschte Wettbewerb führt zu Fusionen – beispielsweise angestoßen durch Zusatzbeiträge, die sich von Kasse zu Kasse unterscheiden können“, erklärt Simone Leiber, Professorin für Sozialpolitik der Uni Duisburg-Essen.

Braucht man zwei Systeme gleichzeitig?

Deutschland leistet sich die Parallelität von gesetzlicher Krankenversicherung (GKV), die die große Mehrheit der Bevölkerung versorgt, und einem privat organisierten Zweig (PKV). Wollen die Wohlhabenden nicht mit dem Plebs im selben Wartezimmer sitzen? So könne man das nicht sagen, betont Leiber. „Bismarcks Krankenversicherung war anfangs eine Arbeiterversicherung“, sagt die Professorin, „auf Bevölkerungsgruppen mit hohen Einkommen, Beamte, Selbstständige wurde die Sozialversicherung bis heute nicht vollständig ausgedehnt.“ Mittlerweile schaffe die Dualität aber Probleme, so Leiber. „Weil sich in den privaten Versicherungen gesündere Versicherte mit höheren Verdiensten sammeln, fehlt den gesetzlichen Kassen Geld.“ Ein anderes Modell wird seit Langem diskutiert: die einheitliche Bürgerversicherung. Doch Versuche, die Zweigleisigkeit abzuschaffen, sind bislang gescheitert – auch am Widerstand von Finanzkonzernen, die mit den Privatversicherten schöne Gewinne erwirtschaften. HANNES KOCH

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