Eon: Flexibler Tarif senkt Stromrechnung

von Redaktion

Wer das heimische E-Auto nach dem Marktpreis lädt, spart hunderte Euro pro Jahr. © Detlef Heese/Imago

München – Der Energieversorger Eon sieht ein wachsendes Potenzial für flexiblen Stromverbrauch: „Wenn man alle Flexibilitätspotenziale nutzt, könnten die deutschen Stromverbraucher heute 1,65 Milliarden Euro pro Jahr sparen“, erklärt Geschäftsführer Filip Thon. Das Sparpotenzial lasse sich am Strommarkt heben: „Wir haben inzwischen 60 Prozent Erneuerbare Energien im Stromsystem“, so Thon. „Angesichts von Ereignissen wie dem Ukraine-Krieg ist das gut. Aber jetzt muss der Verbrauch auch zur Erzeugung passen.“

Und das kann sich lohnen: „Mittags haben wir durch die Solarenergie im Sommer oft niedrige oder negative Strompreise“, erklärt Serafin von Roon, Chef der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (Ffe). „Abends sehen wir dafür oft hohe Preisspitzen. Wenn man seinen Verbrauch jetzt vom Abend auf den Mittag oder die Nacht verlegt, ist der Strom meist günstiger. Und das Charmante ist: Es gibt eine Rückkopplung ins Stromsystem.“ Denn wenn die Nachfragespitzen am Abend schwächer ausfallen, müssen weniger Gaskraftwerke laufen. Das senkt den Durchschnitt der Strompreise für alle.

Damit Verbraucher profitieren, brauchen sie einen speziellen Vertrag. Ein dynamischer Tarif zeichnet die Kurse an der Strombörse in Echtzeit nach. Die Höhe ist jeweils 24 Stunden vorher bekannt, Sparpotenzial und Kostenrisiko hoch. Viele Versorger bieten deshalb einen Kompromiss an: „Bei flexiblen Tarifen gibt es einen Festpreis. Wenn man sein E-Auto eine bestimmte Zeit an die Wallbox hängt, übernimmt der Versorger das Laden“, erklärt Filip Thon. Der sucht dann am Großmarkt nach günstigen Ladezeitpunkten – und bezahlt dafür einen vereinbarten Bonus. Bei Eon seien mit E-Auto, Wärmepumpe und Batteriespeicher 420 Euro Bonus pro Jahr drin.

Das Potenzial ist groß: 18,3 Terawattstunden (TWh) Strom könnten von teuren in günstige Zeiten verschoben werden, hat die FfE berechnet. Das entspreche dem doppelten Jahresverbrauch Münchens. Neben Kosten könne das eine Million Tonnen CO2 sparen. Durch das Wachstum von Wärmepumpen, E-Autos und Heimspeichern seien bis 2031 sogar 34 TWh Potenzial möglich.

„68 Prozent der befragten Menschen wären bereit, ihren Verbrauch zu verschieben“, so Thon. Praktisch hakt es oft an der Digitalisierung: Denn ohne digitale Zähler kann der Verbrauch nicht flexibel abgerechnet werden.

Thon fordert zudem statisch-zeitvariable Netzentgelte für Verbraucher: Das bedeutet, neben der Stromerzeugung hätte, je nach Tageszeit, auch die Auslastung der Stromnetze einen Preis. Das würde die Stabilität des Netzes stützen. Bisher plant die Bundesnetzagentur diesen Mechanismus allerdings für die Industrie.MATTHIAS SCHNEIDER

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