Rotterdam/München – Deutschlands Gasspeicher könnten einer Branchenschätzung zufolge Anfang Februar vollständig leer sein, sollte der Winter sehr kalt werden. Das geht aus einem Papier des Gasspeicher-Verbandes Ines hervor. Ausgangspunkt der Schätzung ist, dass der Füllstand am 1. November bei 77 Prozent liegen wird. Sollte der Winter warm oder normal kalt werden, so reiche das gespeicherte Gas locker aus. Im Falle eines sehr kalten Winters – also so kalt wie 2010 – würden die Speicherbestände aber nicht reichen, warnt die Initiative Energien Speichern (Ines).
Die Commerzbank erklärt das grundlegende Problem: „Während andere EU-Staaten wie Frankreich das wirtschaftliche Risiko für ihre Versorger regulieren, setzt Deutschland weiterhin primär auf marktbasierte Anreize, die durch den negativen Sommer-Winter-Spread jedoch außer Kraft gesetzt werden.“ Das bedeutet: Normalerweise kaufen die Händler im Sommer günstiges Gas, speichern es gegen Gebühr ein und verkaufen es im Winter teurer. Weil aber der Markt erwartet, dass sich die Spannungen in Nahost Richtung Jahresende auflösen, haben sich die Verhältnisse gedreht: „Die Versorger müssten aktuell zum hohen Marktpreis von etwa 74 Euro je Megawattstunde (MWh) einkaufen, könnten das Gas für die spätere Auslagerung an der Börse aber nur zu einem Preis von etwas über 49 Euro je MWh absichern“, so die Commerzbank. Die Strategie der EU-Kommission und der Bundesregierung ist deshalb, den Winterbedarf mehr über laufende Flüssiggas-Importe zu decken. Das birgt Risiken, wie Tobias Federico, Chef-Analyst von Montel Analytics, warnte: „Bleibt die Öffnung der Straße von Hormus aus, werden auch die Winterpreise steigen.“
Zudem könnte eine erhöhte Nachfrage aus Asien für Preisauftrieb sorgen: Laut Commerzbank-Analyst Norman Liebke droht dem Fernen Osten durch das Wetterphänomen El Niño ein kalter Winter. Verbraucher können sich durch einen neuen Gastarif heute zwölf Monate Preisgarantie sichern. In München geht das günstigstenfalls ab 11 Cent pro Kilowattstunde (bei 20.000 kWh Verbrauch), zeigen Daten des Vergleichsportals Verivox.MAS/AFP