Preissprung bei Rohöl und Erdgas

von Redaktion

Schiffe liegen im Persischen Golf vor Anker, weil sie den Beschuss mit Raketen fürchten. Zuvor gab es gut genutzte Schleichwege. © Vahid Salemi/dpa

Washington/Teheran – Der Ölpreis ist wegen der weiteren militärischen Eskalation am Persischen Golf auf 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent legte am Mittwochmorgen um rund zwei Prozent zu und überstieg kurzzeitig die 100-Dollar-Marke, bevor er wieder knapp darunter fiel. Die US-Sorte West Texas Intermediate legte um 1,71 Prozent auf 94,62 Dollar zu.

Der von den USA und Israel Ende Februar begonnene Krieg gegen den Iran wirkt sich massiv auf Transportwege und die Ölinfrastruktur in der Region aus. Bereits im März stieg der Ölpreis auf über 100 Dollar. Im April erreichte der Brent-Kurs mit rund 117 Dollar pro Barrel seinen bisherigen Jahreshöchststand. Ab Mai sank er wieder und lag seit Ende Juli durchgehend unterhalb von 100 Dollar.

Die USA hatten in dieser Woche mehrere iranische Öltanker beschossen. Der Iran verstärkte daraufhin seine Angriffe auf US-Ziele in der Golfregion. Die Märkte gehen nun davon aus, dass die für den Transport von Öl und Flüssigerdgas wichtige Straße von Hormus voraussichtlich für längere Zeit de facto unpassierbar bleiben wird.

Zuvor war es offenbar möglich, Öl unter Tarnung aus dem Persischen Golf zu schiffen: Erst am Dienstag berichteten Analysten der Commerzbank, dass „zunehmend mehr Schiffe ihre Transponder bei der Durchfahrt“ der Meerenge von Hormus abschalten, „um nicht vom gegnerischen Militär entdeckt und möglicherweise angegriffen zu werden.“ Dadurch entsteht ein paradoxes Bild: Je nach Betrachtung hätten jeden Tag zwischen null und zehn Millionen Barrel die Meerenge passiert. Letzteres entspreche rund der Hälfte des Vorkriegsniveaus, zeigen Daten der US-amerikanischen Energy Information Agency.

Der nach eigenen Angaben größte Transporteur der heißen Ware war der französische Konzern Total Energies: „Ich kann Ihnen sagen, dass sich Rohöl heute sehr leise und nicht öffentlich durch die Straße von Hormus bewegt“, sagte Konzernchef Patrick Pouyanne Ende August.

„Sollten die Angriffe ähnlich wie im Juli wieder abflauen, könnte die Anzahl der Dark Transits wieder steigen und sich die Angebotslage am Ölmarkt entspannen“, erklärte die Commerzbank am Dienstag mit Blick auf die Geheimtransporte.

„Anders sieht es am Ölprodukt- und Gasmarkt aus, wo sich die Angebotslage schon seit Monaten deutlich angespannter zeigt“, berichten die Frankfurter weiter. Denn zum einen sind die globalen Raffineriekapazitäten durch die Kriege in Nahost und der Ukraine eingeschränkt.

Zum anderen lohnt sich der riskante Export aus dem Persischen Golf kaum, weil die Tanker für raffinierte Produkte geringere Kapazitäten haben, berichtete Total-Chef Pouyanne Ende August: Während der Transport-Aufschlag beim Rohöl rund 10 Dollar pro Barrel betrage, seien es bei raffinierten Produkten wie Diesel und Kerosin 50 Dollar. Die Commerzbank bestätigte gegenüber unserer Zeitung mit Verweis auf Händler: 90 Prozent der Exporte aus dem Persischen Golf sind derzeit Rohöl.

Auch beim Erdgas stiegen die Preise in Europa weiter auf in der Spitze 79 Euro pro Megawattstunde. Laut Commerzbank exportiert Katar, mit Abstand größter Flüssiggasproduzent der Region, nur 20 Prozent seines Vorkrisenniveaus. Man warte auf ruhigere Gewässer. Doch selbst bei einer Öffnung bräuchten die Anlagen sechs bis acht Wochen, um wieder hochzufahren. Und in Europa und Asien steht der Herbst vor der Tür.MIT AFP

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