Bahn reduziert Komplett-Sperrungen

von Redaktion

Wenn Bahnstrecken generalsaniert werden, rückt schwere Technik an. Bis hier wieder Züge fahren können, vergehen dann oft Monate. © Jens Büttner, dpa

Berlin/München – Die Deutsche Bahn fährt ihren Pünktlichkeitszielen hinterher. Hauptgrund dafür ist nach Ansicht des Konzerns die marode Infrastruktur. Nun wird klar: Das vielerorts baufällige Netz wird die Züge in Deutschland wohl noch deutlich länger ausbremsen als zunächst gedacht. Denn die Generalsanierung wichtiger Strecken wird nach Aussage von Bahnchefin Evelyn Palla länger dauern.

Eine Überarbeitung des Konzepts habe gezeigt, dass vier solcher Sanierungen pro Jahr zu viel seien, sagte Palla. Sie rechne in Zukunft mit zwei, bei besonderen technischen Notwendigkeiten auch drei Generalsanierungen pro Jahr. Das überarbeitete Konzept werde derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und solle bald vorgestellt werden. Genaue Jahreszahlen wollte Palla nicht nennen.

Die Bahn hatte im zweiten Halbjahr 2024 zwischen Mannheim und Frankfurt (Riedbahn) mit den Generalsanierungen begonnen. Das Konzept sah im Kern mehrmonatige Vollsperrungen vor, damit nicht im laufenden Betrieb saniert werden muss. Für die Generalsanierungen wurden rund 40 Strecken ausgewählt. Ursprünglich war das Ziel, Anfang der 2030er-Jahre all diese Sanierungen abzuschließen. Zuletzt war dann von 2036 die Rede. Nach der Überarbeitung des Konzepts könnte es sein, dass die Sanierungen nicht mehr innerhalb der 2030er Jahre abgearbeitet werden können.

Als Gründe für die Anpassung nannte Palla neben Erfahrungen aus den ersten Großbaustellen auch die Frage, wie viel Geld im Sondervermögen des Bundes für alle Generalsanierungen in Summe zur Verfügung stehen wird. „Wir werden die Anzahl der Korridorsanierungen pro Jahr an das Finanzierungsvolumen anpassen“, sagte Palla. Zudem sei zuletzt deutlich geworden, dass vier große Sanierungen die Kapazitäten im gesamten Netz zu sehr verringerten.

Neben der Riedbahn wurden die Strecken Emmerich–Oberhausen, Hamburg–Berlin, Hagen–Wuppertal-Köln und Nürnberg–Regensburg grundlegend saniert. Derzeit laufen Bauarbeiten auf den Verbindungen Obertraubling–Passau und Troisdorf–Wiesbaden. Im Oktober starten zudem die Arbeiten zwischen Berlin und Hannover.

Bei den bisherigen Sanierungen kam es in einigen Fällen zu Verzögerungen, auch das Bauvolumen musste verringert werden. Nach den Wiedereröffnungen gab es teils viele Störungen.

Das Konzept gilt in der Branche im Kern als alternativlos, weil die Infrastruktur jahrzehntelang nicht ausreichend in Schuss gehalten wurde und auf manchen Strecken wohl nur eine radikale Sanierung mit Vollsperrung hilft. Die Probleme bei den ersten Generalsanierungen haben aber auch zu viel Kritik geführt.

„Die Korridorsanierungen mit mehrmonatigen Vollsperrungen dürfen nicht zum Dauerzustand werden“, sagte Geschäftsführer Dirk Flege zu den neuen Plänen der DB. „Bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts muss der Sanierungsstau aufgelöst sein. Insofern kann der Zeitplan nicht beliebig gestreckt werden.“

Palla kündigte an, dass Strecken nach grundlegenden Sanierungen künftig nicht von einem Tag auf den anderen wieder mit voller Last in Betrieb genommen werden. Man habe etwa aus der Sanierung Hamburg–Berlin gelernt, „dass es keinen Stichtag gibt, an dem wir die Strecke aufmachen, und dann funktioniert alles wie am Schnürchen“. Es brauche nach der Sanierung eine sogenannte Hochlaufphase.

Wichtig sei auch, dass die Umleiterstrecken vor Beginn einer Generalsanierung angemessen ertüchtigt seien für zeitweise deutlich mehr Verkehr. Ein Beispiel ist hier die Korridorsanierung zwischen Berlin und Hannover: Weil eine parallel verlaufende Strecke nicht rechtzeitig elektrifiziert werden konnte, müssen die Fahrgäste 14 Monate lang einen Umweg mit 80 Minuten mehr Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover hinnehmen.

Schon zuvor hatte die Bahn auf Drängen des Freistaates Bayern Abstriche gemacht. Sie hatte zugesagt, auf eine halbjährige Vollsperrung des Hochleistungskorridors auf der Bahnstrecke München–Rosenheim zu verzichten. Nun wird dort in Etappen gebaut. Im Frühjahr 2028 geht es los mit einer achtwöchigen Sperrung der Fernbahn.MM, DPA

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