Stahlwerk in Italien muss schließen

von Redaktion

Grenzwerte überschritten – Tausende Arbeitsplätze in Gefahr

Das Gericht musste zwischen Geschäftsinteressen und Gesundheit abwägen. © Hauke-Christian Dittrich, dpa

Mailand – Italiens größtes Stahlwerk Tarent im Süden des Landes soll bis Ende Oktober aus Umwelt- und Gesundheitsschutzgründen seine Hochöfen stilllegen. Ein Berufungsgericht in Mailand bestätigte am Freitag diese Anordnung von Ende Juli. In der Umgebung des Stahlwerks liegen Asbest- und Feinstaubwerte über den gesetzlichen Grenzwerten; geklagt hatte eine Gruppierung von Eltern. Die Gewerkschaft FIM-CISL warnte vor dem Verlust tausender Arbeitsplätze.

Das Werk in Tarent in der Region Apulien muss laut Gerichtsbeschluss bis zum 28. Oktober den sogenannten Warmbereich schließen – dort wird flüssiges oder sehr heißes Metall verarbeitet, der Bereich ist damit Kernstück der Rohstahlherstellung. Dies war bereits in der ersten Verhandlung Mitte Juli angeordnet worden, seitdem sind die Hochöfen nicht mehr in Betrieb. Der Betreiber Acciaierie d‘Italia legte Widerspruch ein und argumentierte, damit sei das Ende des Werks besiegelt.

Die Richter in Mailand erklärten nun jedoch, „das erforderliche Gleichgewicht zwischen den gegensätzlichen Interessen muss zwangsläufig zugunsten der Gesundheitsschutzgründe ausfallen“. Bevor das Stahlwerk wieder in Betrieb genommen werden könne, müsse eine Asbestsanierung und die Dekontaminierung der Anlagen erfolgen.

Die Gewerkschaft FIM-CISL erklärte, mit der Schließung des Werks seien bei Acciaierie d‘Italia insgesamt 10.000 Jobs gefährdet. Zulieferer des Stahlwerks hatten bereits Anfang September mitgeteilt, dass 2500 Stellen gestrichen werden müssten.

Die Regierung von Giorgia Meloni sucht seit Monaten nach einem Käufer für das Stahlwerk. Der indische Stahlkonzern ArcelorMittal hatte es 2017 für 1,8 Milliarden Euro übernommen und versprochen, 2,4 Milliarden Euro zu investieren und 8000 Arbeitsplätze zu erhalten. Wegen einer hohen Verschuldung stellte die italienische Regierung das Werk Anfang 2024 unter staatliche Kontrolle. Damit sollten Arbeitsplätze erhalten werden. DPA

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