Anhänger feiern bei einer von den jemenitischen Huthi-Rebellen organisierten Kundgebung in Sanaa anlässlich der Eroberung der Insel Mayun. © Osamah Abdulrahman/dpa
Nach ihrem Vormarsch im Bürgerkriegsland Jemen haben die pro-iranischen Huthis auch ihre Angriffe auf Saudi-Arabien verstärkt. Die mit dem Iran verbündete Miliz habe einen Armeestützpunkt im Süden Saudi-Arabiens mit Drohnen und Raketen angegriffen, erklärte der Huthi-Militärsprecher Jahja Saree am Sonntag im Onlinedienst X. Die jemenitischen Regierungstruppen meldeten derweil Angriffe auf Huthi-Stellungen im Südwesten des Jemen. Rund 1400 Menschen flohen vor den Kämpfen ins benachbarte Dschibuti. Der Iran unterstützt und beliefert die Huthis, die jedoch unabhängig agieren.
Saudi-Arabien sah sich gezwungen, vorsorglich seine Ost-West-Pipeline abzuschalten, da sie von Drohnenangriffen bedroht werde. Das setzte die Ölindustrie des Landes weiter unter Druck.
Die Huthi-Miliz hatte in den vergangenen Tagen einen groß angelegten Vorstoß unternommen und bei Kämpfen gegen Jemens Regierungstruppen die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer erobert. Nach Angaben der jemenitischen Regierung kontrolliert die Miliz nun die für den Welthandel wichtige Meerenge Bab al-Mandab, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet.
Der Angriff auf den saudi-arabischen Stützpunkt Scharurah habe „Waffendepots sowie Kommando- und Kontrollzentren“ gegolten, erklärte Huthi-Sprecher Saree. Die Huthis kontrollieren bereits weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Die Miliz hatte Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und seither saudi-arabische Öltanker im Roten Meer sowie Ölanlagen in dem Königreich angegriffen. Saudi-Arabien unterstützt Jemens Regierung in ihrem Kampf gegen die Huthis.
Der Golfstaat reagierte seinerseits mit zahlreichen Luftangriffen, wobei nach Huthi-Angaben der Flughafen der Hafenstadt Mocha getroffen wurde. Die Huthis hatten zuvor auch Mocha unter ihre Kontrolle gebracht.
US-Regierung will sich heraushalten
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor gesagt, dass die Huthis die USA gebeten hätten, sich aus ihren Kämpfen gegen die Regierungstruppen im Jemen herauszuhalten. „Die Huthis haben uns angerufen, und sie wollen nicht gegen uns kämpfen“, sagte Trump bei einem Besuch in Irland am Samstag. „Sie wollen nicht, dass wir sie verfolgen.“ In der Region werde „alles gut und schön laufen“, fügte er hinzu.
Trump erklärte auch, er habe mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gesprochen, den er als „Freund“ bezeichnete. Das US-Nachrichtenportal „Axios“ hatte berichtet, bin Salman habe Trump am Donnerstag angesichts des schnellen Vormarschs der Huthis in Mocha zweimal angerufen und um militärische Unterstützung gebeten. Die USA hätten die Bitte jedoch abgelehnt.
Warum die Meerenge so wichtig ist
Die Meerenge ist rund 100 Kilometer lang und etwa 30 Kilometer breit. Sie zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und ist eine zentrale Seeroute zwischen Asien und Europa. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Richtung Norden geht es durch das Rote Meer über den Suezkanal ins Mittelmeer.
2023 wurden nach Angaben der US-Energiebehörde EIA rund zwölf Prozent der weltweiten Öl-Exporte durch die Meerenge transportiert. Da Teheran infolge des Iran-Kriegs die Straße von Hormus auf der anderen Seite der Arabischen Halbinsel blockiert, hat die Bedeutung der Route durch Bab al-Mandab nun noch zugenommen.
Nach Angaben des Datenspezialisten Kpler erhöhten sich die saudi-arabischen Öl-Exporte vom Hafen Janbu am Roten Meer seit Kriegsbeginn um das Fünffache auf rund 3,8 Millionen Barrel pro Tag. Nach dem Beginn der Huthi-Angriffe auf Schiffe im Roten Meer brachen die Ausfuhren aber im August auf täglich 1,5 Millionen Barrel ein.
Deutsche Reeder in großer Sorge
Die deutschen Reeder zeigen sich besorgt über die Sicherheitslage für die Schifffahrt im Roten Meer. „Mit der Einnahme der Insel Mayyun wächst die Bedrohung am strategisch wichtigen Bab al-Mandab erheblich“, erklärte der Verband Deutscher Reeder. „Für Schiffe, die die Meerenge weiterhin passieren, steigt das Risiko.“MM, DPA